Startschuss für Sellering

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06. Oktober 2008, 08:10 Uhr

Schwerin - Die Stimmung war locker. Sogar die Herbstsonne strahlte, als das neue Regierungskabinett gestern Mittag für die Fotografen zum ersten Mal gemeinsam auf der Treppe zur Schweriner Staatskanzlei stand. In der Mitte der zweiten Reihe witzelte Till Backhaus: „Bin ich überhaupt zu sehen, hinter dem neuen Ministerpräsidenten?“ Der Landwirtschaftsminister wippte auf seinen Zehenspitzen und lachte dabei herzlich über den eigenen Scherz.

Backhaus ist jetzt dienstältester Minister und das einzige SPD-Regierungsmitglied aus dem alten Kabinett, das seinen Posten behalten hatte. Rechts neben ihm positionierte sich die neue Finanzministerin Heike Polzin (SPD) in heller Kostümjacke. Noch etwas schüchtern in die hinterste Reihe stellte sich die künftige Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD). Daneben strahlte mit der Ernennungsurkunde in der Hand Verkehrsminister Volker Schlotmann. Dem langjährigen Fraktionschef im Schweriner Landtag war die Freude darüber anzusehen, dass er mit seinem Eintritt in die neue Regierung am Ziel seiner politischen Träume angekommen ist.

Nur eine Stunde zuvor war Erwin Sellering (SPD) vom Landtag zum neuen Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns gewählt worden. Udo Pastörs von der rechtsextremen NPD hatte sich als Gegenkandidat aufgestellt. Pastörs war am Ende enttäuscht, denn kein einziger Abgeordneter der anderen Parteien hatte in der geheimen Abstimmung für den Mann aus Lübtheen gestimmt.

Sellering war dagegen zufrieden. Er konnte von den 68 gültigen Stimmen 40 auf sich vereinigen. Insgesamt hat die SPD-CDU-Koalition 45 Abgeordnete im Parlament. Gegenüber unserer Redaktion sagte der neue Ministerpräsident. „Die 40 Stimmen sind mein Wunschergebnis und eine sichere Basis.“ Einzelne Unzufriedene in den eigenen Reihen gebe es immer. „Die werde ich auch noch überzeugen“, meinte Sellering.

Die ersten Glückwünsche kamen aus der eigenen Familie. Ehefrau Antje Heinrich-Sellering war aus Greifswald angereist. Begleitet wurde die Kunsthistorikerin von den beiden Töchtern. Die 21-jährige Flora Sellering studiert in Hannover Medizin. Die ein Jahr jüngere Maxi hat an der Universität Maastricht in den Niederlanden ein Studium der Europa-Wissenschaften aufgenommen.

Auch die Familie von Volker Schlotmann war angereist, um den 51-Jährigen nach der Vereidigung im Landtag zu beglückwünchen. Der selbstbewusste und gradlinige SPD-Politiker hält sich selbst an der Spitze des Verkehrsministeriums für eine Idealbesetzung. „Ich stehe für eine gute Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Parlament, schließlich kenne ich den Landtag vom Keller bis zum Dachboden“, sagte er. Schlotmann ist seit 1994 Landtagsabgeordneter, seit 1998 führt er die SPD-Fraktion.

Blumen gab es nach der Vereidigung auch für die Sozialministerin Manuela Schwesig. Ehemann Stefan, der die Finanzökonomin vor sieben Jahren erstmals zu Versammlungen der Schweriner Sozialdemokraten mitnahm, kam gestern mit dem einjährigen gemeinsamen Sohn in den Planarsaal des Landtages, um zu gratulieren.

Auch in Familie gingen im Anschluss die SPD-Minister gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten essen. Sellering selbst hatte zum Italiener eingeladen. Für den Regierungschef war der erste Arbeitstag damit allerdings noch lange nicht beendet. Nach dem Essen hatte er das Sozialministerium an Frau Schwesig zu übergeben und die Staatskanzlei von seinem Vorgänger Harald Ringstorff zu übernehmen. Danach war Zeit für Vorbereitungen. Denn heute ist Kabinettsitzung – die erste in der Ära Sellering.

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