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Schwerin: Anastasia sammelt dank eines Stipendiums Erfahrungen

: "Start"-Hilfe zum Abitur

vom

Anastasia Sibirtseva gerät selbst ein wenig außer Atem, wenn sie aufzählt, was ihr wichtig ist. "Seit ich das Stipendium habe, habe ich kaum ein Wochenende frei", gesteht die junge Schwerinerin.

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erstellt am 25.Mär.2011 | 11:20 Uhr

So einen vollen Terminkalender haben die meisten Erwachsenen nicht: Schule bis halb vier, an drei Tagen in der Woche ab fünf Querflöten- oder Klavierunterricht am Konservatorium, anschließend Hausaufgaben. Außerdem Proben und Auftritte mit dem Jugendsinfonieorchester und dem Landesjugendorchester, Mitarbeit im Schulsanitätsdienst, beim Jugend-Rotkreuz, in der jüdischen Gemeinde; Anastasia Sibirtseva aus Schwerin gerät selbst ein wenig außer Atem, wenn sie aufzählt, was ihr wichtig ist - und wofür sie sich begeistert. "Jugend debattiert" kommt dabei ebenso vor wie die Teilnahme an Mathematik-Olympiaden oder dem Wettbewerb "Jugend musiziert", bei dem die 16-Jährige es sogar schon bis ins Bundesfinale gebracht hat. Und auch das ist noch nicht alles: "Seit ich das Stipendium habe, habe ich kaum ein Wochenende frei", gesteht die junge Schwerinerin.

Engagement und Leistung zählen

Mit "dem Stipendium" meint Anastasia, die die 10. Klasse des Gymnasiums Fridericianum in der Landeshauptstadt besucht, die Förderung durch die Start-Stiftung. Sie unterstützt leistungsstarke Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die einen höheren Bildungsabschluss anstreben. "Meine damalige Klassenlehrerin hatte mich schon in der 8. Klasse auf diese Förderung aufmerksam gemacht", erzählt Anastasia. Und gesteht: "Damals hab ich den Bewerbungstermin einfach verpasst." Ein Jahr später klappte es dann - zum Glück, denn nur in der 8. und der 9. Klasse sind Bewerbungen möglich. "Ich musste nicht nur nachweisen, dass ich gute schulische Leistungen habe. Für die Bewerbung zählte auch, dass ich mich in meiner Freizeit für verschiedene Dinge engagiere. Und ich musste einen Nachweis über die finanzielle Situation meiner Familie einreichen", erinnert sie sich.

Anastasias Familie, das sind hier in Deutschland in erster Linie ihre Mutter und deren Eltern. "Oma und Opa sind als erste aus Russland ausgewandert, ein Jahr später sind meine Mutter und ich dann hinterhergezogen", erzählt Anastasia, die damals dreieinhalb Jahre alt war. Ihr Deutsch ist akzentfrei - ihr Russisch vermutlich auch, denn "zu Hause sprechen wir russisch, wegen meiner Großeltern". Doch auch sie können sich auf Deutsch verständigen - anderenfalls bekämen sie wohl auch Ärger mit der Enkelin, denn die sagt unmissverständlich: "Ich verstehe nicht, wenn jemand meint, dass er sich in einem neuen Land nicht integrieren muss."

Mit Geld und Ideen gefördert

Anastasia selbst könnte als Musterbeispiel für Integration dienen - wie auch die anderen fünf Start-Stipendiaten und Stipendiatinnen ihres Jahrgangs aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie alle werden bis zum Abitur nicht nur finanziell mit 100 Euro monatlich gefördert sowie mit einem Laptop und Internetzugang ausgestattet. Mindestens ebenso wichtig ist Anastasia aber auch die ideelle Förderung, von der sie so viel wie möglich "mitzunehmen" versucht. "Vorgeschrieben ist für alle Stipendiaten neben zwei Seminaren, in denen wir den Umgang mit den Laptops erlernt haben, nur die Teilnahme an einem Seminar pro Halbjahr. Aber ich bin im Moment an fast jedem Wochenende unterwegs, weil so viele interessante Sachen angeboten werden", erzählt sie.

Studienwunsch: Lehramt

An diesem Wochenende trifft sie sich mit anderen Stipendiaten der aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein bestehenden Start-Verbundregion in Bremen. Am Wochenende darauf hat die Schwerinerin sich für ein Seminar zur Persönlichkeitsbildung angemeldet. Und erst vor kurzem hat sie sich zusammen mit anderen Stipendiaten an der Hamburger Universität umgeschaut - für Anastasia besonders interessant, weil Hamburg neben Rostock die Uni ist, an der sie später am liebsten studieren würde, "auf jeden Fall Lehramt und auf jeden Fall Musik, über ein zweites Fach bin ich mir noch nicht im Klaren. Bisher hatte ich mit Philosophie geliebäugelt, aber in Hamburg haben wir eine Philosophie-Vorlesung besucht, und die fand ich nicht so spannend". Doch Anastasia hat ja auch noch zwei Jahre Zeit, bis sie sich endgültig entschieden haben muss. Bis dahin will sie noch möglichst viele neue Erfahrungen sammeln. Denn "für mich ist es wichtig, mit seinem Leben etwas anzufangen und ganz viele Sachen auszuprobieren". Besonders gespannt ist sie auf die Osterferien, in denen sie zum ersten Mal nach Israel reisen wird. Ihre Oma hat dort Brüder, die sie besuchen wollen. Und anschließend hofft Anastasia, endlich einmal wieder etwas mehr Zeit für ihre Freunde zu finden. Denn zu weiteren Seminaren für Start-Stipendiaten hat sie sich im April nicht angemeldet - noch nicht...

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