Rathaus in Ludwigslust : Stapelweise Anträge auf Akteneinsicht

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Zu einem Info-Tag "Wie kann ich meine Stasiakte einsehen?" hatte man gestern in das Rathaus der Lindenstadt eingeladen.

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26. Oktober 2011, 11:53 Uhr

Zu einem Info-Tag "Wie kann ich meine Stasiakte einsehen?" hatte die Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) gestern gemeinsam mit der Stadt Ludwigslust in das Rathaus der Lindenstadt eingeladen. Zu den Fragen, die zwischen 11 und 18 Uhr im Rathaussaal interessierten Bürgerinnen und Bürgern beantwortet werden sollten, gehörten zum Beispiel die nach den Zugangsmöglichkeiten zu den Stasiakten und danach, wie lange es bis zur Einsichtnahme dauert und ob die Antragsteller die Klarnamen von inoffiziellen Mitarbeitern der früheren Staatssicherheit erfahren können. Für alle diejenigen Besucher des Informations- und Beratungstages, die gleich an Ort und Stelle einen Antrag auf Akteneinsicht stellen wollten, war Gelegenheit dazu gegeben.

Reges Interesse auf Auskünfte über Einflüsse auf eigenes Leben

Tatsächlich war zum einen der Andrang der Interessenten sehr groß. Wie Burkhard Bley, Bürgerberater des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, berichtete, hätten bereits vor dem eigentlichen Beginn um 11 Uhr viele Interessenten vor dem Rathaussaal gewartet. Ebenso groß sei das Interesse auf Akteneinsicht gewesen. Viele der Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheit, sofort einen "Antrag auf Auskunft, Einsicht in Unterlagen sowie Herausgabe von Duplikaten von Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik" zu stellen, wie das Dokument ganz offiziell heißt. Bereits bis zum frühen Nachmittag waren nach Auskunft von Bley stapelweise neue Anträge ausgefüllt worden. Zu denen, die gestern in den Ludwigsluster Rathaussaal gekommen waren, gehörte auch ein Endfünfziger, der Ende der siebziger Jahre als Berufssoldat der NVA im Raum Berlin gedient hatte. Er wollte gern erfahren, "wer mich damals beschnüffelt hat". Überraschungen erwarte er aber nicht. Man könne es sich schon denken. Aber er wolle Gewissheit, erklärte der Mann und schrieb konzentriert weiter.

Nach 20 Jahren größere emotionale Distanz

Viele derjenigen, die sich jetzt um Akteneinsicht bemühen, sind zum einen durch die Medienberichte über 20 Jahre friedliche Revolution oder durch Ergebnisse aus der Akteneinsicht anderer Menschen dazu angeregt worden. Diese zwei Jahrzehnte Abstand ermöglichten nach der Erfahrung von Burkhard Bley eine größere emotionale Distanz zu dem, was vielleicht aus den Akten zu erfahren sei. Insgesamt nehme das Interesse auch aus familiengeschichtlichen Gründen nicht ab, sondern eher zu. Diesem Aspekt werde auch das neue Stasi-Unterlagengesetz, das derzeit im Bundesrat liege, Rechnung tragen. Im Übrigen dauert es von Antrag bis Einsichtnahme etwa anderthalb bis zwei Jahre. Die Klarnamen erfahre man, wenn es einen klaren Bezug zwischen der eigenen und der Arbeitsakte des IM gebe.

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