Standort Rostock in Gefahr

Scandlines-Mitarbeiter fürchten Verlagerung der Verwaltung  nach Puttgarden
1 von 3
Scandlines-Mitarbeiter fürchten Verlagerung der Verwaltung nach Puttgarden

Scandlines-Mitarbeiter fürchten um den Standort Rostock. Ein offener Brief an den heute tagenden Aufsichtsrat sorgt für Verunsicherung. 150 Arbeitsplätze der Traditions-Fährreederei sind in Gefahr.

von
26. Januar 2009, 07:14 Uhr

Rostock | Alarm an der Küste: Erneut bangen Scandlines-Mitarbeiter in Rostock nach einer langen Odyssee des einstigen deutsch-dänischen Unternehmens bis zur Privatisierung durch das Konsortium 3i, Allianz Capital und DSR im August 2007 um ihre Arbeitsplätze. Damals hatte es für den Standort Rostock eine Bestandsgarantie gegeben. Nun fürchten die Absender eines offenen Briefes an den Aufsichtsrat, die sich nur als Scandlines-Mitarbeiter bezeichnen, eine Verlagerung der Verwaltungszentrale von Rostock nach Puttgarden in Schleswig-Holstein.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Detlef Kobrow sagte am Samstag, dies sei kein Schreiben der gesamten Belegschaft. Er als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat kenne derartige Pläne nicht. Auf der Tagesordnung der heutigen Aufsichtsratssitzung stehe das Thema auch nicht. Unternehmenssprecher Frank Havemann stellte ebenfalls klar, dass kein Beschluss über eine Verlagerung der Verwaltung existiere. Auch gebe es keine neuen dänischen Miteigentümer, die dem Brief zufolge die Verlagerung betreiben würden. Natürlich werde in alle Richtungen über Einsparungen nachgedacht, sagte Havemann.

Dennoch sind die Befürchtungen in der Belegschaft dramatisch: Von der Verlagerung der Verwaltung in das 200 Kilometer entfernte Puttgarden wären 150 Beschäftigte betroffen, 15 davon in Sassnitz. Für die meisten würde dies den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten, hieß es. Bei der Privatisierung 2007 habe es zudem eine 40-monatige Arbeitsplatzgarantie gegeben.

Erste Konsequenzen hatte es gegeben, so seien die Fährverbindungen von Rostock nach Lettland reduziert worden. Statt drei verkehren nur noch zwei Schiffe. Zuvor war bereits mit der "Rostock" die dritte zwischen Gedser und Rostock eingesetzte Fähre wegen des rückgehenden Ladungsaufkommens aus dem Verkehr genommen worden.

Spekulationen gab es bereits mit dem Grundstück auf der Warnemünder Mittelmole, nachdem hier Immobilienmakler ihre Offerten abgaben.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling appelliert an die drei Gesellschafter, zu ihren Zusagen zu stehen. Und er sieht auch die Bahn AG und den Verkehrsminister in der Verantwortung. Der in die Höhe getriebene Verkaufspreis, so Methling, habe das Unternehmen erst in die Schwierigkeiten gebracht, in denen es jetzt stecke, während die Bahn Kasse machen konnte.

Eine Konzentration der Verwaltung gehört seit längerem zu den Scandlines-Projekten für mehr Effizienz. Es gab Doppelbesetzungen, so kamen 100 Jobs auf den Prüfstand.

Scandlines betreibt mit rund 2400 deutschen und dänischen Mitarbeitern neun Linien zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden sowie in die baltischen Staaten und Finnland. Dem Vernehmen nach sollen zudem die Linien Sassnitz-Trelleborg und Rostock-Gedser zum Verkauf stehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen