Stadthaushalte explodieren

Seitdem das Ergebnis der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst steht, rechnen die Kämmerer emsig die finanziellen Auswirkungen aus. Eine erste Prognose der Städte prophezeit nichts Gutes: Allein Hagenow muss in diesem Jahr mit Mehrausgaben von 240 000 Euro rechnen. Jetzt sollen Nachtragshaushalte die finanziellen Lücken schließen.

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02. April 2008, 08:40 Uhr

Hagenow - Mit Sorgen schauten die Bürgermeister der Region auf den Ausgang der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Mit dem nun vorgelegten Kompromiss von insgesamt acht Prozent mehr Lohn, verteilt auf zwei Jahre, ist nach Schätzung der Kämmerer die Schmerzgrenze erreicht.

Hagenow kommt mit einem blauen Auge davon
Zuversichtlich ist Hagenows Bürgermeisterin Gisela Schwarz. Sie gönnt ihren Angestellten die Lohnerhöhung. Die sei jetzt fällig gewesen nach Jahren der Zurückhaltung, sagte sie gestern. Für die rund 210 Angestellten der Stadt muss Hagenow mit Mehrausgaben von 240 000 Euro rechnen. Ein Summe, die noch vertretbar sei, so die Bürgermeisterin. Sie hofft auf eine deutlich positivere Steuerschätzung im Mai.

Mit mehr finanziellen Mittel aber auch mit Einsparungen will die Stadt die Lohnerhöhungen fast vollständig auffangen. Allerdings schloss die Bürgermeisterin auch Konsequenzen für die Personalpolitik nicht aus. „Wir werden uns in Zukunft einmal mehr überlegen, ob wir Mitarbeiter, die altersbedingt aus dem Dienst scheiden, durch neue Kollegen ersetzen.“

Wittenburg schrumpft sich gesund
„Dieser Abschluss bestärkt uns in der Strategie, unser Personal perspektivisch auf ein gesundes Maß zu reduzieren“, sagte Lothar Otto, Haupt- und Personalamtsleiter der Stadt Wittenburg. Eine Schätzung über die finanzielle Belastung wollte er noch nicht abgegeben. Er geht aber von einem Betrag unter 100 000 Euro Mehrausgaben aus. „Eine Stadt wie Wittenburg muss ihre Personalkosten im Griff haben. Dazu müssen wir Personal abbauen“, sagte er gestern.

Boizenburg hat vorgesorgt

Sie können sich nicht zurücklehnen, aber gelassen können sie sein, die Verantwortlichen in Boizenburg. Die Stadt hat in ihrem Haushalt schon einen großzügigen Abschluss prognostiziert und so müssen lediglich etwa 40 000 Euro aufgefangen werden. „Insgesamt betragen die Mehrausgaben 128 000 Euro“, so Kämmerin Vera Kunzmann.

Lübtheens und Zarrentins Finanzsituation bleibt prekär

„Diese Erhöhung trifft Lübtheen hart“, sagte Kämmerer Torsten Netzband. Zwar seien nur 40 000 Euro in diesem und noch einmal 40 000 Euro im nächsten Jahr zu erwarten. Doch schon dieser Betrag sei schwer zu schultern. „Personal können wir nicht weiter abbauen“, sagte er gestern. Mehreinnahmen und Kürzungen: Nur so kann der Nachtragshaushalt im Herbst gerettet werden.

In Zarrentin sieht die Situation nicht viel anders aus.

Hier fallen rund 17500 Euro mehr bei den Personalkosten an. „Eine Stelle kostet rund 44000 Euro im Jahr. Nun müssen wir genau rechnen, um eine Schieflage im Haushalt zu vermeiden“, sagte Jutta Piontek, leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Zarrentin.


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