Stadt macht Druck für Kulturerbe

Das Schweriner Schloss soll auf die Unesco-Welterbeliste.
Das Schweriner Schloss soll auf die Unesco-Welterbeliste.

Streit um die Bewerbung, dass das Schweriner Schloss in die Unesco-Weltkulturerbeliste aufgenommen wird: Das Landtagspräsidium wirft Kultusminister Henry Tesch (CDU) vor, das von Stadt und Land verfolgte Ziel nicht energisch genug voranzutreiben. Wertvolle Zeit sei verloren gegangen, sagt auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke). Deren Drängen hatte die Kritik des Landtags offenbar erst ausgelöst.

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19. Dezember 2008, 08:05 Uhr

Schwerin | Bereits im Herbst 2007 hatten die Stadt Schwerin und das Land beschlossen, das Schloss und die dazugehörenden Gärten auf die Weltkulturerbeliste der Unesco zu bringen. Für die Bewerbung ist die Landesregierung zuständig - genauer: Kultusminister Henry Tesch.

Der steht jetzt in der Kritik, zu wenig für dieses Ziel getan zu haben. Vize-Landtagspräsident Andreas Bluhm (Linke) wirft Tesch vor, dass die vor einem halben Jahr vereinbarte Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Bewerbung noch immer nicht konstituiert sei. Dies sei "völlig unbefriedigend und scharf zu kritisieren". Die Gremien, die über die Aufnahme auf die Welterbeliste entscheiden, tagten nicht häufig, so Bluhm. Darüber hinaus sei die Liste derer, die auf die Liste wollen, lang. Bluhm: "Wir konkurrieren mit Schloss Neuschwanstein."

Die Konstituierung der Arbeitsgruppe müsse Anfang Januar erfolgen, fordert der Linkspolitiker. Das Gremium soll den Zeitplan für die Bewerbung festlegen, Finanzen und organisatorische Fragen klären.

Kultusminister Tesch weist die Kritik zurück: "Das Ministerium hat gearbeitet." Zur Vorbereitung der Arbeitsgruppe sei recherchiert worden. Derzeit gäbe es auf Bundesebene Diskussionen über den Umgang mit der nationalen Bewerberliste, auf der 13 Interessenten stünden. "Es könnte sein, dass wir frühestens Ende 2010 aufgefordert werden, einen Antrag zu stellen." Das sei die "optimistische Variante". Er gehe davon aus, dass die Arbeitsgruppe frühestens im Frühjahr 2009 zusammengerufen werde, so Tesch.

Ausgelöst hat die Debatte offenbar die Schweriner Oberbürgermeisterin. Sie habe beim Landtagspräsidium jüngst darauf gedrängt, die Unesco-Bewerbung voranzutreiben, so Angelika Gramkow. "Seit den Beschlüssen von Stadt und Land, die Aufnahme in die Liste zu beantragen, haben wir schon ein Jahr verloren", sagt die Verwaltungschefin. Im kommenden Jahr müsse das Antragsverfahren abgeschlossen werden. Trotz des schleppenden Fortgangs der Bewerbeung sei sie sich sicher, "dass wir Menschen und Unternehmen finden, die uns dabei helfen", so Gramkow.

In MV zählen bereits die Innenstädte von Wismar und Stralsund zur Welterbeliste. Neben touristischen Werbeeffekten bietet die Unesco-Auszeichnung auch Möglichkeiten finanzieller Förderung. So hoffen Stralsund und Wismar derzeit auf Geld aus der angekündigten 150-Millionen-Euro-Hilfe des Bundes für Welterbestätten.

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