Staatsschutz ermittelt nach Hassparolen

Der Beamte Frank Moll sichert  Farbreste für weitere Untersuchungen. Die Polizei setzt auch auf Zeugenhinweise.
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Der Beamte Frank Moll sichert Farbreste für weitere Untersuchungen. Die Polizei setzt auch auf Zeugenhinweise.

Hassparolen gegen Juden und Die Linke in der Innenstadt von Gadebusch: Vermutlich Rechtsradikale haben dort die Geschäftsstelle der Genossen beschmiert. Die ehemalige Sozialministerin von MV und heutige Bundestagsabgeordnete Dr. Martina Bunge hat dort ihr Wahlkreisbüro.

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24. September 2008, 08:21 Uhr

Gadebusch - Sämtliche Fensterscheiben der Geschäftsstelle weisen verfassungsfeindliche Parolen, Beschimpfungen oder Hakenkreuze auf. „Wehrt Euch" und „Judenrepublik“ ist zu lesen. Auch die Buchstaben NPD wurden mit einem Stift auf eine Fensterscheibe geschmiert.

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Martina Bunge ist fassungslos. Sie stuft die Beschmierungen als eindeutige antisemitische und den Faschismus verherrlichende Aussagen ein. „Es ist ungeheuerlich, wie Rechte die Konfrontation suchen. Ich verstehe den Frust einiger Menschen, aber Rechte können keine Alternative sein“, warnt die ehemalige Sozialministerin (1998−2002). Sie ist seit 2005 im Deutschen Bundestag.

Die Polizei nennt die Schmierereien massiv und großflächig. „Wir ermitteln mit Hochdruck und werden mit aller Sorgfalt und Gründlichkeit vorgehen. Wir gehen davon aus, dass es die selben Täter sind, die schon am Wochenende einen Einkaufsmarkt beschmierten“, sagt Gadebuschs Kripo-Chef Wolfgang Weidemann.

Eine erste mögliche Spur gibt es. In der Nacht zum Mittwoch ist nach SVZ-Informarionen ein Mann in Bomberjacke, Jeans und Springerstiefeln in der Nähe der Geschäftsstelle gesehen worden. Polizeibeamte sicherten am Tatort mögliche Spuren.

Nach Bekanntwerden der Schmierereien bezieht Gadebusch Stellung. Der ehemaliger Stadtpräsident Günter Blankenberg (Alternative Bürgergemeinschaft) fordert: „Wehret den Anfängen. Die Mehrzahl unserer Einwohner sagt Nein zum Rechtsextremismus.“ Die amtierende Stadtpräsidentin Luise Krüger (Die Linke) übt den Schulterschluss. „Wir werden uns nicht verkriechen und einschüchtern lassen. Ich bin aber auch der Meinung, dass die öffentliche Hetze gegen die Linke die Rechten mit ermunterte, so etwas zu tun“, sagt die Links-Politikerin.

Dass die Geschäftsstelle einer Partei mit derart vielen faschistischen Parolen in Gadebusch beschmiert wird, hatte es in den zurückliegenden Jahren nicht gegeben. Die Polizei setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Der Staatsschutz ist in die Ermittlungen involviert.

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