Sprayer auf frischer Tat ertappt

Detlef Junker, dem in der Apothekerstraße ein Haus gehört, ist immer wieder Opfer von Graffiti-Sprayern. Foto: Herbert Kewitz
Detlef Junker, dem in der Apothekerstraße ein Haus gehört, ist immer wieder Opfer von Graffiti-Sprayern. Foto: Herbert Kewitz

Sechs jugendliche Graffiti-Sprayer hat die Polizei in der Nacht zu gestern auf frischer Tat in der Altstadt vorläufig festgenommen. Für Hausbesitzer, die immer wieder von den Sprüh-Attacken betroffen sind, nur ein schwacher Trost. Denn das städtische Projekt, das dem Problem abhelfen soll, kommt nicht in Schwung.

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24. Juli 2008, 09:49 Uhr

Schwerin - Mit Spraydosen bewaffnet trieben in der Nacht zu Donnerstag sechs jugendliche Graffiti-Sprayer in der Altstadt ihr Unwesen. Nach dem Hinweis eines Zeugen wurden sie jedoch von der Polizei gefasst. „Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren werden verdächtigt, unter anderem die Haustür einer Firma in der Apothekerstraße sowie die Petermännchenfähre am Pfaffenteich mit diversen Graffiti beschmiert zu haben“, sagte Steffi Nietz, Sprecherin der Polizeidirektion Schwerin gestern.

Ein Passant habe die Sprayer bei der Tat beobachtet und die Polizei verständigt. „Auf Grund der detaillierten Beschreibung der Täter konnten fünf der Jugendlichen kurz nach Mitternacht in der Apothekerstraße gestellt werden. Ein sechster Sprayer flüchtete zunächst, konnte aber wenig später ermittelt werden“, so Nietz. Die Jugendlichen seien noch in der Nacht an die Eltern übergeben worden. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen Sachbeschädigung. Nach ersten Erkenntnissen beträgt der entstandene Schaden rund 500 Euro.

Graffiti-Opfer finanziell und psychisch belastet
„Die Beseitigung von Graffiti kann schnell mehrere hundert Euro kosten“, sagt Detlef Junker, dem in der Apothekerstraße ein Haus gehört. Bis zu vier Mal im Jahr machen sich die Sprayer an seinem Haus zu schaffen. Neben dem finanziellen Schaden sei dies für ihn auch eine starke psychische Belastung: „Es ist ein sehr ungutes Gefühl, diesen Attacken so schutzlos ausgeliefert zu sein“, sagt Junker. Wie er, wünschen sich viele Opfer von Graffiti-Sprayern ein städtisches Projekt gegen die unerwünschten Malereien.

Das gibt es auch bereits. Allerdings nur in der Theorie. Diskutiert wird ein Projekt nach dem Vorbild des Kieler Modells „Klarschiff“, dass in Schwerin beim Verein Agenda 21 angesiedelt werden soll. Angestrebt ist eine Zusammenarbeit mit anderen Behörden, Verbänden wie IHK, Handwerkskammer oder Maler-Innung, mit Ortsbeiräten, Verkehrsbetrieben, Wohnungsunternehmen sowie privaten Hauseigentümern.

Gemeinsam soll die Beseitigung von Graffiti organisiert werden. Ziele sind aber auch Aufklärung und die Freigabe von Wänden und Flächen, auf denen sich Sprüher legal ausprobieren können. So soll das Wertebewusstsein, insbesondere die Achtung vor fremdem Eigentum bei Kindern und Jugendlichen gestärkt werden. Schließlich würden viele Schmierereien nicht nur die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sondern zur Verwahrlosung ganzer Stadtteile beitragen, so der Ansatz. Tipps, wie Eltern ihre Kinder vom illegalen Sprayen abhalten können, soll es ebenso geben wie Beratung zu Graffiti-Beseitigung und zur rechtlichen Situation.

Doch mit der Umsetzung dieser Ideen hapert es. So ist etwa noch unklar, ob die verschuldete Stadt das Projekts überhaupt finanzieren kann.

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