Sportnachhilfe für Soldaten

Als wäre es abgesprochen: Reinhold Robbe, der Wehrbeauftragte des Bundestages, hat den deutschen Soldaten ein miserables sportliches Zeugnis ausgestellt. Gestern, nur einen Tag später, fand im Marine- amt Rostock beispielhaft das statt, was er als Konsequenz fordert: Die Siebenkämpferinnen Julia Mächtig und Sonja Kesselschläger halfen den Marine- soldaten auf die Sprünge.

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05. März 2008, 06:56 Uhr

Rostock - Im aktuellen Wehrbericht von Reinhold Robbe steht es schwarz auf weiß: „Der Fitnesszustand unserer Soldatinnen und Soldaten ist mitunter besorgniserregend.“ Dabei müsse jeder Soldat körperlich fit sein, um seine Aufgaben zu erfüllen. Das gelte gleichermaßen für die Soldaten auf dem Gelände und jene, die ihren Dienst hinterm Schreibtisch verrichten.

„Die Schaffung einer größeren Transparenz“ zwischen den Sportfördergruppen und der Truppe soll mit aus dem Dilemma helfen. Im Klartext: Spitzensportler aus der Bundeswehr geben den Soldaten Sportstunden – für einen „attraktiveren Dienstsport“. Und um im Umkehrschluss Sportfördergruppen mehr in die Truppe zu integrieren.

Helmut Greve, Fregattenkapitän im Rostocker Marineamt, kann dazu sagen, dass das Marineamt die Beteiligung der Spitzensportler an der Sportausbildung schon „vor der Herausgabe des Jahresberichtes“ geplant hatte. Auch aus der Motivation heraus, dass die Marinesoldaten Sportmuffel sind? Greve drückt es diplomatisch so aus: „Wer Sport machen will, findet 1000 Gründe dafür, Sport zu machen. Und wer keinen Sport machen will, findet 1000 Gründe, um keinen Sport zu machen.“ Das sagt Greve mit dem Hinweis darauf, dass die Bundeswehr immer auch ein Spiegel der Gesellschaft sei. Der Trend zu Fastfood gehe auch an manchen Soldaten nicht vorbei.
Trotzdem: Vier Stunden Sport pro Woche für jeden Soldaten seien vorgesehen. So jedenfalls sage es die „Soll-Bestimmung“. Eine Orientierung, an die Mann und Frau sich halten sollten, „denn einmal im Jahr muss jeder Soldat das Deutsche Sportabzeichen ablegen“. Wirklich drücken könne sich also niemand.
Dass gestern trotzdem die freiwillige Teilnahme nicht überaus hoch war, liege vor allem daran, „dass Hochsprung keine Breitensportart ist“, so Greve. Außerdem habe parallel eine Schwimmausbildung stattgefunden. Generell würden ohnehin Mannschaftssportarten vorgezogen. „Fußball, Volleyball oder Laufgruppen stehen hoch im Kurs.“
Sonja Kesselschläger und Julia Mächtig haben mit ihrem technischen Training vor allem ranghöhere Herren des Marineamtes zum Mitmachen animiert. Korvettenkapitäne, ein Fregattenkapitän oder auch Frank Lenski, Kapitän zur See und Chef des Stabes des Marineamtes. Das letzte Mal unter Anleitung habe letzterer Hochsprung in der Offiziersausbildung trainiert. Und das sei schon eine Weile her. Jetzt gab es wieder Anleitung, beim Aufwärmen, beim Flopp, beim Wälzer und Scherensprung. Zunächst noch vorsichtig über eine Schnur. „Wir wollen ja erstmal gucken, wie die Truppe so drauf ist“, sagte Kesselschläger.
Aber bald wurde die Schnur durch eine Stange ersetzt. „Es hat auch wirklich Spaß gemacht, die Soldaten haben die Ratschläge angenommen und schnell umgesetzt“, sagt Mächtig. 1,50 Meter, so hoch lag am Ende die Latte.
Schließlich haben alle vier in der besondere Sportstunde ihr Ziel erreicht. Dem Sportabzeichen für dieses Jahr sind sie ein Stück näher. Und ein Kompliment gabs von Julia Mächtig gratis dazu: „Es sah schon nach Hochsprung aus.“

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