Spione am Geldautomaten

Die Betrugsfälle an Geldautomaten breiten sich in MV aus: Am Wochenende hatten Unbekannte es in Pampow auf die Daten von Sparkassenkunden abgesehen. Der vierte Fall binnen acht Wochen.

svz.de von
02. Juni 2008, 07:20 Uhr

Pampow/Schwerin - Alles scheint wie immer: Um an den Geldautomaten in der Pampower Sparkassenfiliale zu gelangen, steckt der Kunde seine EC-Karte in den Kartenschlitz am Eingang. Das Gerät liest die Daten aus, gibt den Weg ins Foyer frei. Dann schiebt er die Karte in den Automaten. Nichts deutet am Sonntagvormittag darauf hin, dass der Mann gerade Opfer dreister Betrüger wird. Bis sich über der Tastatur für die Eingabe der Geheimnummer auf einmal eine Minikamera löst.

„Nach ersten Ermittlungen haben die Täter ein Lesegerät vor dem Kartenschacht des Türöffners und je eine Miniaturkamera über den Tastaturen der Geldautomaten installiert“, sagt Klaus Wiechmann, Sprecher der Schweriner Polizeidirektion. Ob es ihnen gelungen ist, den Magnetstreifen auszulesen oder Geld abzuheben, ist noch unklar. Das hängt nicht zuletzt von der Bauweise der Geräte ab. Diese werde gegenwärtig untersucht. Wurden die Daten per Funk an die Betrüger übermittelt, sei nicht auszuschließen, dass sie diese auch missbraucht haben. Hätten die Diebe die Geräte jedoch erst abbauen müssen, um die Daten auf Kartendoubletten übertragen zu können, wäre der Betrug gerade noch rechtzeitig aufgeflogen.

Die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin kündigte an, mit den gegebenenfalls betroffenen Kunden Kontakt aufzunehmen und in Abstimmung die Karten zu sperren. „Zusätzlich halten wir die Konten weiter unter Beobachtung“, sagt Vorstandsvorsitzender Diedrich Baxmann. Bei unberechtigten Abhebungen werde der Betrag erstattet.

Die starke Verbreitung des Plastikgeldes übt auf Straftäter eine große Anziehung aus. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 1349 Angriffe auf 459 Geldautomaten registriert. Eine Steigerung um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am häufigsten schlugen die Betrüger in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin zu. Weil betroffene Ballungsgebiete technisch zum Kampf gegen Datenklau aufrüsten, wird eine Verschiebung der Kriminalität in ländliche Regionen prognostiziert. Auch das Landeskriminalamt erwartet einen Anstieg der Fallzahlen in MV. Die Entwicklung scheint den Ermittlern Recht zu geben: Seit April wurden vier Fälle bekannt.

Um dem Datenklau vorzubeugen, versehen Banken ihr Geldkarten zunehmend mit Chips. „60 bis 70 Prozent aller Karten sind bereits damit ausgestattet“, sagt Dr. Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. Diese könnten mit den derzeitigen Methoden nicht ausspioniert werden. Die Polizei rät indes in jedem Fall, bei der Pin-Eingabe die Tastatur zu verdecken und Geldautomaten auf Veränderungen zu prüfen.


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