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Schwerin: Wenn Kinder mit vier Jahren Englisch sprechen : Spielend lernen in Kitas mit Profil

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Immer mehr Kitas bieten ihren Schützlingen nicht nur Beschäftigung, sondern vermitteln ihnen erste Kenntnisse in Fremdsprachen, Musik, Mathematik, Physik, Biologie oder Ernährung.

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erstellt am 18.Jul.2011 | 11:15 Uhr

Immer mehr Kitas bieten ihren Schützlingen nicht nur Beschäftigung, sondern vermitteln ihnen erste Kenntnisse in Fremdsprachen, Musik, Mathematik, Physik, Biologie oder Ernährung. Eltern suchen sich die Kita aber selten nach diesen Offerten aus, wie eine Umfrage unter Kitas in MV ergab. Eine echte Auswahl ist wegen der Entfernungen auf dem Lande ohnehin fast nur in Städten möglich.

In der Anklamer Kita "Am Bock" dürfen schon die Dreijährigen experimentieren. "Wir haben eine Experimentierecke mit Waagen, Pipetten, Messbechern, wo die Kinder mit Wasser, Lebensmittelfarbe oder Licht hantieren", sagte Leiterin Angelika Breitsprecher. Die Kita mit 131 Kindern gehöre zum Netzwerk "Haus der kleinen Forscher". Zudem arbeite sie nach der Montessori-Pädagogik und habe auch 20 Plätze für behinderte Kinder.

Mit einer zweiten Sprache machen Mädchen und Jungen in etlichen Kitas Bekanntschaft. In Samtens auf Rügen durchziehen englische Redewendungen und Vokabeln den Alltag, berichtete Leiterin Hella Lorenz. "Wenn die Erzieherin sagt: "Wir gehen nach draußen", wiederholt sie auf Englisch: "Lets go outside". So lernen die Kinder nebenbei."

In der Kita St. Helena in Ludwigslust beschränkt sich Englisch auf einen Kurs pro Woche, berichtet Erzieherin Melanie Bonin. Er beginne immer mit dem Lied "Hallo, how are you", das auch die ganz Kleinen schon aufschnappen. Sie versuche etwa, neben Farben, Zahlen, Wochentagen den Kindern bekannte Bücher auf Englisch nahezubringen.

Im Programm: Niederdeutsch

In Stavenhagen, der Geburtsstadt des Plattdeutsch-Dichters Fritz Reuter, lernen die Kinder der Kita "Lütt Matten" Niederdeutsch. Schon in der Krippe nutzten die Erzieherinnen plattdeutsche Redewendungen, sagte die stellvertretende Leiterin Marion Amling. Später würden sie Verse, Abzählreime, Spiele und Lieder lernen und mit kleinen Programmen unter anderem in Altenheimen auftreten. Dazu können die Kinder in der Einrichtung auch Englisch lernen. Einmal wöchentlich komme eine Lehrerin und übe mit rund 30 der 126 Kinder. Dieser Unterricht muss extra bezahlt werden, ebenso die zusätzliche Musikstunde, die 75 Euro im halben Jahr kostet. In Samtens, wo alle Kinder einmal wöchentlich musizieren, singen und tanzen, ist dieses Angebot kostenlos. Hier können Kinder sogar ein Instrument lernen, momentan Klavier und Flöte. Das müssen die Eltern bezahlen, sie sparen aber den Weg zur Musikschule, wie Lorenz sagte. Der deutsch-polnische Kindergarten in Ahlbeck auf Usedom musste sein Polnisch-Angebot aufgeben, bedauerte Leiterin Marion Ryba. Es gebe kein Geld mehr für eine polnische Erzieherin. Mehrere Jahre lang war eine Stelle vom Land und der Gemeinde finanziert worden. Die Kinder, die drei Jahre lang Polnisch lernten, hätten fast akzentfrei gesprochen, berichtete Ryba. Jetzt profitierten von dem zweisprachigen Kindergarten noch acht kleine Polen, die Deutsch lernen.

Die Umwelt steht in der Schweriner Kita "Kirschblüte" im Mittelpunkt. "Wir gehen mit den Kindern viel in die Umgebung, damit sie feststellen, wie schön die Natur ist", so Leiterin Ursula Riegner. "Was sie schön finden, wollen sie auch bewahren." Darum werde auch der Müll sortiert und den Kindern werde Maßhalten im Konsum nahegebracht. "Wir heben vieles auf, was man zum Basteln verwenden kann, wie Verpackungen." Zudem legt die Kita Wert auf gesundes Essen aus der Region. Da komme auch mal Birnen- oder Holundersuppe auf den Tisch. Dass Kinder heute Bewegungsmuffel sind, widerlegt die Kita im Haus Sonnenschein in Schwerin, die zusätzliche Sportangebote bietet. Da lernen schon die Kleinen Mannschaftsspiele oder üben Weitsprung, Klettern und Balancieren.

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