Rostock : "Spielen, immer wieder spielen"

Der Start der Theater GmbH und der Verlauf des ersten Geschäftsjahres waren anders geplant, sagt Schauspieldirektor Jörg Hückler.  Julien Karl
Der Start der Theater GmbH und der Verlauf des ersten Geschäftsjahres waren anders geplant, sagt Schauspieldirektor Jörg Hückler. Julien Karl

Mit Beginn der Spielzeit gehören zehn neue und junge Schauspieler zum Ensemble des Volkstheaters Rostock. Jonas hat mit Schauspieldirektor Jörg Hückler, über das Schauspielensemble gesprochen.

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02. Dezember 2010, 11:41 Uhr

Sie haben mit fünf Premieren seit September ein erstaunliches Tempo vorgelegt. Beim Blick auf den Spielplan wird schnell erkennbar, dass die Stücke thematisch weit auseinander liegen. Welches Ziel verfolgen Sie?

Hückler: Wir wollen für alle Rostocker spielen, also für die verschiedenen Altersgruppen. Unser Publikum sind die Kinder, die Studenten, die Mittvierziger und die Älteren. Es ist spannend, mit jeder Premiere das Publikum immer besser kennenzulernen. Die Produktionen kommen deshalb nicht nur thematisch unterschiedlich daher, sie alle weisen jeweils auch ein starkes Regiekonzept vor.

Was darf sich der schauspielinteressierte Zuschauer darunter vorstellen?

Unsere Inszenierungen wollen immer eine bestimmte Sichtweise auf das Stück oder den Stoff vergegenwärtigen. Das heißt aber nicht, dass die zeitgemäße Interpretation, die der Regisseur in der Inszenierung seinem Publikum anbietet, nicht auch andere Sichtweisen zuließe. Das Publikum hat ein Recht auf ästhetische Erfahrung. Es soll seine eigenen Fragen an die Figuren und die Theatermittel stellen. Theater ist nicht Fernsehen. Wir spielen live vor unserem Publikum und verwenden als Theater eine ganz andere Sprache. Schauspielkunst soll zu sehen sein. Figuren mit starkem Spielerbezug sollen zu sehen sein. Nach fünf Premieren ist unser Spektrum an Themen und Lesarten längst noch nicht ausgereizt. "Münchhausen" setzt auf fantasievolle Theaterbilder, "Der Schimmelreiter" auf die Entwicklung der Hauptfigur, wobei die Sprache der Novelle erhalten bleibt. Jetzt wird es eine Silvester-Komödie geben, dann folgen Schillers "Räuber" mit der spannenden Frage nach Rebellentum oder Anpassung und schließlich ein für Mecklenburg-Vorpommern noch ganz ungewöhnliches Projekt-Theater für zweijährige Kinder.

Wie fällt Ihre 100-Tage-Bilanz aus? Sind Sie in Rostock angekommen?

Ja und nein. Die Filmadaption "Die fetten Jahre sind vorbei" erreicht beispielsweise besonders das junge Publikum, an dem wir natürlich auch stark interessiert sind - keine Frage.

Es gibt in Rostock 1400 Studenten der Germanistik. Unser Start war äußerst vielversprechend, und wir müssen immer neugierig darauf bleiben, wie unsere Produktionen insgesamt bei den Rostockern ankommen. Zur Bilanz des gesamten Theaters gehören auch die Ereignisse der zurückliegenden Wochen. Es fehlt Geld. Der Start der Theater GmbH und der Verlauf des ersten Geschäftsjahres waren anders geplant. Keine Frage. Die Diskussion um die Wirtschaftsführung wirkt sich kaum positiv aus. Wir merken das. Für uns ist das ein Grund mehr, mit unserem Publikum über Theater, über Kunst ins Gespräch zu kommen. Das ist, was wir tun können. Und spielen. Immer wieder spielen.

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