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In Mestlin ist hohe Präzision erforderlich : Spezialisten im Untergrund

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"Helden auf Zeit" heißt eine Ausstellung im Mestliner Kulturhaus. Helden auf Zeit kann man auch die Bauarbeiter nennen, die mit den Aufgaben der Sanierung des Kanalnetzes befasst sind.

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2011 | 07:25 Uhr

Mestlin | "Helden auf Zeit" heißt derzeit eine Ausstellung im Rahmen der "Seenlandkunst" im Mestliner Kulturhaus. Helden auf Zeit kann man auch die Bauarbeiter nennen, die mit den Aufgaben der Sanierung des Wasser-, Schmutzwasser-, und Regenwasserkanalnetzes seit fast einem Jahr befasst sind (die SVZ berichtete mehrfach). Wilfried Erdmann von der Goldberger Firma "Sturm & Neumann Rohrleitungsbau GmbH" erklärte den Arbeitsaufwand und die Vorgehensweise.

Nachdem Manfred Müller mit seinem Bagger das Kopfsteinpflaster aufgenommen hat, frisst sich die Baggerschaufel in den festen Lehm. Dabei müssen die Bauleute darauf achten, dass sie keine der bereits verlegten Versorgungsleitungen treffen. "Das ist zum Teil nicht einfach, es sind nämlich nicht alle Leitungen in den Plänen ausgewiesen." So sei kürzlich in der Thomas-Müntzer-Straße eine Wasserleitung aus Versehen getrennt worden und musste geflickt werden, berichtet Wilfried Erdmann: "Straßen erzählen etliche Geschichten."

Dem aufmerksamen Beobachter fällt zum Beispiel auf, dass die Fritz-Reuter-Straße wohl einst tiefer lag. 40 bis 60 Zentimeter tief kommen Reste einer gepflasterten Straße zum Vorschein, auch die Farbe des Erdreiches verändert sich. Scheinbar hat man die Borde der neuen Straße auf die vorhandene Straße gesetzt und dadurch die Fläche angehoben.

Weiter greift die Technik in den festen Lehm, immer tiefer. Teilweise bis zu sechs Meter tief werden die neuen Rohre verlegt. Die Tiefe ergibt sich aus der Fläche des Ortes Mestlin und dem nötigen Gefälle, damit künftig alles in die Richtung fließt, in die es soll.

Der Lehmboden wird von Jörg Krause an den Dorfrand gefahren, zur Zwischenlagerung. Unwillkürlich kommen dem Beobachter, vor allem alteingesessenen Einwohnern, angesichts der Tiefe und des Lehmbodensganz andere Gedanken: "Was müssen die Leute wohl früher in den fünfziger Jahren schwer geschuftet haben, als sie noch mit Spaten, Schaufel und Spitzhacke im tiefen, matschigen Lehm standen", meinen etliche voller Anerkennung. In mehreren Etagen wurde damals per Hand der Lehm aus der Tiefe nach oben befördert.

Inzwischen hat Jörg Krause mit seinem Laster Kies gebracht. Davon wird ein wenig in die Baugrube gebracht, und dann sind Hubert Bloch und Wilfried Erdmann dabei, das schwarze Abwasserrohr zu verlegen. Per Laserstrahl wird die genaue Lage ermittelt und das Gefälle bestimmt. "0,5 Millimeter auf einen Meter, mehr darf es nicht sein", sagt Erdmann. Dann wird eine Muffe an das zuvor verlegte Rohr angesetzt, es folgt das nächste Rohr. Sechs Meter Länge mit einem Durchmesser von 160 Millimetern je Rohr, und diese werden miteinander verschweißt. Dazu nimmt Erdmann die Informationen eines Strichcodes auf dem Rohr mit einem Lesestift auf, das Ergebnis wird im Computer verarbeitet. Dadurch wird das verwendete Material erkannt, dazu die Maße der Dickwandigkeit der Rohre und die umgebende Außentemperatur verarbeitet, und der Rechner gibt die Schweißdauer vor. Je nach den Ergebnissen sind dann die Rohre nach wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten fest verbunden. "Das ist absolut dicht, da kommt nichts mehr durch", sagt Erdmann. Damit ist dieser Abschnitt fertig. Nun folgen die Abzweigungen für die Hausanschlüsse.

Mit einem Bohrer und einer Fräse wird das zuvor verlegte Rohr wieder kreisförmig aufgeschnitten. Ein entsprechend gewinkelter Bogen mit einem Rohr wird auf die zuvor beschriebene Weise angeschweißt und mit dem Hausanschluss verbunden.

Auf ähnliche Weise, nur nicht ganz so tief, werden die Rohre für die Regenwasserleitung verlegt. Es sind Betonrohre mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern und einer Länge von jeweils 2,5 Metern. In einigen Bereichen werden auch Plasterohre verwendet. Diese werden, nachdem ein Schmiermittel aufgebracht ist, ineinander gesteckt. Dann folgen die Abzweigungen für die Regenentwässerung der Grundstücke und die Regenwassereinläufe (Gullys).

Mit Kies, der extra angefahren wird, wird abschließend das Loch gefüllt. In mehreren Etappen ist Hubert Bloch dabei und verdichtet den Boden. Zu guter Letzt kommt obenauf eine Frost- und Schotterschicht. Der nächste Bereich folgt.

Seit Mitte August vergangenen Jahres wird durch verschiedene Firmen am Wasser-, Schmutzwasser-, und Regenwasserkanalnetz gearbeitet. Die ersten Straßen, wie Linden- und die Parchimer Straße sind fertig und haben bereits eine neue Asphaltdecke. An anderen wird noch fleißig gearbeitet. Bis zum Herbst sollen die Arbeiten beendet sein.

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