SPD-Ortsverein steht hinter Steinmeier - Reaktionen auf ein chaotisches Wochenende

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08. September 2008, 07:41 Uhr

Brandenburg/Havel/Potsdam - Die Begeisterung über das Mitglied Nummer 19 ist im SPD-Ortsverein Kirchmöser-Plaue ungetrübt. Gut ein Jahr nach seinem Eintritt und trotz des chaotischen Wochenendes steht der Ortsverein geschlossen hinter dem Außenminister und designierten Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. „Wir freuen uns natürlich, dass wir jetzt einen Kanzlerkandidaten im Ortsverein haben“, sagte gestern der Vorsitzende Frank Gerstmann.

Steinmeier war am 6. Juli 2007 in den Ortsverein eingetreten. Der gebürtige Westfale will 2009 im Wahlkreis Brandenburg/Havel und Umgebung ein Bundestagsmandat erringen. In der Region war Otto von Bismarck 1849 erstmals ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden und 13 Jahre später preußischer Ministerpräsident geworden.

Bei den Erwartungen an Steinmeier ist der Ortsverein realistisch. „Vier- oder fünfmal ist er schon hier im Unterbezirk Brandenburg/Havel gewesen. Es ist klar, wenn der Außenminister kommt, dass er nicht nur bei uns im Ortsverein ’rumhängt“, sagte Gerstmann. „Aber er war aber auch schon zweimal hier bei uns. Ansonsten sind wir per Mail in Kontakt.“ Der Außenminister bekomme regelmäßig die Sitzungsprotokolle.

„Dass er sich nicht in rein lokale Themen ’reinhängt, ist verständlich“, erklärte Gerstmann. „Das verlangt auch niemand von ihm. Andersherum bespricht er natürlich nicht die Außenpolitik mit dem Ortsverein.“ „Ansonsten wird er sicherlich auch künftig hin und wieder hier auftauchen und sich erzählen lassen, was die Basis so denkt“, hoffte Gerstmann. Und was denkt die Basis nach den Ereignissen vom Wochenende? „Natürlich ist er der richtige SPD-Kanzlerkandidat. Er ist ein sehr guter Diplomat.“ Er könne ausgezeichnet integrieren, also verschiedene Strömungen hinter sich bringen. „Jetzt warten wir aber erstmal gespannt auf seine innenpolitischen Äußerungen.“

Und Franz Müntefering als Parteivorsitzender? „Dass Kurt Beck nun sagt, ich mach es nicht mehr, und Müntefering so rasch ins Gespräch kommt, hätte keiner erwartet“, räumte Gerstmann ein. „Aber ich denke, es ist eine gute Lösung.“ Und wird Steinmeier 2009 Kanzler? Für Gerstmann keine Frage: „Ja natürlich, selbstverständlich.“

Führungsduo wird für Geschlossenheit sorgen
Nach dem überraschenden Rücktritt von SPD-Chef Kurt Beck sieht Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gute Chancen für einen Neuanfang in der Partei. „Wir haben die Aufgabe, in und aus dieser schwierigen Situation heraus nun nach vorn zu schauen“, sagte der ehemalige SPD-Chef gestern im RBB-Inforadio. Er gehe davon aus, dass das neue Führungsduo der SPD mit Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier für Geschlossenheit in der Partei sorgen werde. Im Wahlkampf würden beide „die nötige Kampfeslust“ herbeiführen.

Platzeck betonte, er habe großen Respekt vor Kurt Becks Rücktrittsentscheidung. Beck habe die Partei in einer schwierigen Zeit engagiert geführt. Unter seiner Leitung sei auf dem Hamburger Parteitag im vergangenen Jahr ein „sehr zukunftsfähiges Programm“ beschlossen worden, resümierte der Ministerpräsident.

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