Spanier wollen Pleite-Fabrik in Dassow übernehmen - die Belegschaft ist skeptisch

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09. April 2008, 08:45 Uhr

Neue Runde im Übernahmepoker für das insolvente CD-Werk Dassow: Das spanische Unternehmen Iberdisc aus Malaga will in das Ende Februar geschlossene Werk einsteigen, bestätigte Iberdisc-Chef Christian Spychala gestern. „Wir haben ernsthaftes Interesse.“ In Europas einst größter CD-Schmiede mit 1100 Beschäftigten könnte „schnell wieder mit der Produktion gestartet“ werden.

Am morgigen Freitag sollen erste Verhandlungen geführt werden. Iberdisc brauche neue Kapazitäten. „Täglich kommen neue Kunden dazu“, meinte Spychala. Der Markt sei sehr „dynamisch“. In Polen „platze die Produktion aus allen Nähten“. Die Maschinen liefen dort in drei Schichten sieben Tage die Woche.

Iberdisc, als CD-Produzent in der Branche noch weitgehend unbekannt, hatte erst vor vier Wochen das ebenfalls in die Pleite gerutschte polnische CD-Werk der ODS-Gruppe übernommen. Die Spanier, einst selbst Kunden des CD-Werkes in Dassow, hatten sich bislang nach eigenen Angaben auf Verkauf konzentriert – Jahresumsatz: 20 Millionen Euro.

Wie im polnischen Werk, in dem Iberdisc zunächst mit 40 Mitarbeitern begonnen hatte, jetzt 100 beschäftige und in Kürze 200 weitere einstellen wolle, solle Dassow mit den Aufträgen wachsen. Möglich sei, zunächst mit 100 Beschäftigten zu starten. Das Engagement, das Spychala zufolge in keinem Zusammenhang mit dem bisherigen ODS-EignerWilhelm F. Mittrich stehe, solle von spanischen Banken finanziert werden.

CD-Werk auf gesunde Größe geschrumpft
Im Dassower CD-Werk wird es indes einsam. Etwa die Hälfte der Maschinen sei abgebaut worden, sagte Betriebsratschef Jürgen Thiergart. Etwa 50 Mitarbeiter seien vom Insolvenzverwalter noch mit Restarbeiten beauftragt.

Der Maschinenverlust stört die Spanier nicht. Damit sei das Unternehmen auf eine „gesunde Größe geschrumpft“, meinte Spychala. Bisher sei das Werk zu groß gewesen, deshalb habe sich Iberdisc auch noch zurückgehalten. „Das gibt der Markt nicht mehr her.“ In Dassow solle „preiswert und nicht billig“ produziert werden.

Sowohl im Betriebsrat der CD-Schmiede als auch das Land und der Insolvenzverwalter dämpften gestern die Hoffnungen. Die Enttäuschungen der letzten Monate habe die CD-Werker skeptisch gemacht, meinte Betriebsratschef Jürgen Thiergart.

Die Mitarbeiter hätten in der Vergangenheit schon zu viel gehört. „Die Euphorie ist weg“, meinte Thiergart. Wenn das Interesse ernsthaft untersetzt werden könne, werde sich der Gläubigerausschuss damit beschäftigen, hieß es im Wirtschaftsministerium.

Insolvenzverwalter Marc Odebrecht bestätigte gestern zwar das Interesse der Spanier. Noch habe es aber keine Verhandlungen gegeben. Odebrecht zufolge werde nach wie vor auch mit den bisherigen Interessenten, dem dänischen CD-Hersteller Disencia und der britischen Spin-Group, verhandelt. Aber wie schon in den Wochen zuvor bleibe die Finanzierung der Knackpunkt.

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