zur Navigation springen

Kutterbesatzungen im Nordosten bangen um Existenz : Spaniens Fischer vor Rügen?

vom

Als hätte der Motorschaden seines Kutters "Anne Maren" nicht schon ausgereicht, um sauer zu sein! Für den Freester Fischer Müller rissen am Mittwoch, die schlechten Nachrichten nicht ab.

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2011 | 01:44 Uhr

Als hätte der Motorschaden seines Kutters "Anne Maren" nicht allein schon ausgereicht, um sauer zu sein! Für den Freester Fischer Holger Müller rissen am Mittwoch, dem 13., die schlechten Nachrichten nicht ab. "Erst die erzwungene Fangpause mitten in der Steinbutt-Saison, dann die Radiomeldung über die Reform aus Brüssel und schließlich auch noch die Hiobsbotschaft aus Bonn zu geplanten Fangverboten auf der Oderbank", stöhnt der 30-jährige Kutterführer.

Müller und seine 25 Kollegen der Fischereigenossenschaft Freest in MV, die sich seit Jahren mit immer wieder gekürzten Heringsfangquoten herumschlagen müssen, sind stinksauer. "Nicht genug damit, dass der Hering immer mehr den Bach hinuntergeht", sagt er. Nun drohten auch noch dramatische Einschnitte außerhalb des Greifswalder Boddens. Denn nach den gestern vorgestellten Plänen mehrerer Institute und des Bundesamts für Naturschutz soll künftig die Stell- und Schleppnetzfischerei auf der Oderbank, wo Müller bislang vor allem im Juli und August fischt, verboten werden. "Da gehen mir tausende Euro verloren", sagt er. Geld, das dringend benötigt werde. Der Fangerlös von 800 Kilogramm Steinbutt in der vergangenen Woche z. B. fließe jetzt in die Maschinenreparatur.

Würden diese Managementpläne umgesetzt, dann würden die Besatzungen auch noch ihres zweiten Standbeins beraubt, befürchtet der Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft, Michael Schütt. Er wirft den Wissenschaftlern vor, sich mit ihren Vorschlägen auf unseriöse Studien zu berufen und über die Köpfe der Fischer hinweg zu entscheiden. Dass in den Stellnetzen der ostdeutschen Fischer pro Winterhalbjahr 20 000 Seevögel verendeten, sei völlig übertrieben. Den drei Freester Kuttern, die seit Ende März mit Videokameras an Bord kontrolliert würden, seien bislang nur 66 Vögel ins Netz gegangen.

Verglichen mit dem drohenden Fangende in den zehn Natura-2000-Gebieten in der Ausschließlichen Wirtschaftszone, 12 bis 200 Kilometer vor der deutschen Küste, sei die zeitgleich von Fischereikommissarin Maria Damanaki verkündete EU-Fischereireform noch das kleinere Übel, sagt der Vorsitzende des Verbands der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuss. Aber auch die Brüsseler Vorschläge könnten sich ausgerechnet für die kleine, nachhaltig fischende deutsche Fangflotte existenzgefährdend auswirken. So würde die geplante Einführung handelbarer Quoten dazu führen, dass finanzstarke Fischereibetriebe massiv Fangquoten aufkauften, während Kleinunternehmen wie die ostdeutsche Stellnetzfischerei auf der Strecke blieben, warnt Kahlfuss. "Wir machen uns auch Sorgen, dass die noch immer sehr große spanische Fischerei künftig auch Fangquoten für die Nord- und Ostsee erwerben könnte."

Geschlossene Zustimmung findet dagegen Damanakis Vorschlag, auf jährlich neu auszuhandelnde Fangquoten zu verzichten und stattdessen langfristige Fischereimanagementpläne einzuführen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen