Urteilsverkündung im sogenannten Ikendorf-Prozess : Späte Reue nach dem Schuss

 Bei der Urteilsverkündung im sogenannten Ikendorf-Prozess in Rostock entschuldigte sich der Angeklagte für die Tat. DPA
Bei der Urteilsverkündung im sogenannten Ikendorf-Prozess in Rostock entschuldigte sich der Angeklagte für die Tat. DPA

Ohne sichtbare Regung und mit stets nach unten gerichtetem Blick nahm der 45-jährige Bauunternehmer das Urteil entgegen: Zwölf Jahre Haft wegen Totschlags und vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung.

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25. November 2010, 08:19 Uhr

Rostock | Ohne sichtbare Regung und mit stets nach unten gerichtetem Blick nahm der 45-jährige Bauunternehmer das Urteil des Landgerichts Rostock entgegen: Zwölf Jahre Haft wegen Totschlags und vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung. Damit schloss sich das Gericht gestern dem Plädoyer der Anklage an und setzte den Schlusspunkt unter einen Prozess, in dem viele Zeugen über die Verhältnisse in der Familie des Unternehmers gesprochen hatten.

Letztlich musste der Vorsitzende Richter eingestehen: "Es bleibt ein ungutes Gefühl. (...) Wir wissen nicht genau, was passiert ist." Klar sei aber, dass der Mann einen Schuss auf die körperlich unterlegene Frau zu einem Zeitpunkt abgab, als sie durch vorangegangene heftige Schläge und Verletzungen noch zusätzlich wehrlos war. "Das Handeln des Angeklagten hatte einen hinrichtungsähnlichen Charakter", sagte der Richter.

Nach einem Fest kam es zum Streit

Der Mann hatte gestanden, im Februar dieses Jahres seine Frau mit einer Pistole erschossen zu haben. Zuvor war das Paar, das zwei erwachsene Töchter hat, bei einem Fest in der Nachbarschaft gewesen und habe dort auch viel Hochprozentiges getrunken. Beide seien es offensichtlich gewöhnt gewesen, viel zu trinken. Der Mann sei in dieser Nacht zuerst nach Hause gegangen, eineinhalb Stunden später die Frau. Er machte ihr heftige Vorwürfe, möglicherweise war Eifersucht der Grund. Er habe sie sechsmal heftig gegen den Kopf geschlagen, was sichtbare Verletzungen hinterließ. Die Frau muss laut Gerichtsmediziner von den Schmerzen zumindest benommen gewesen sein.

Wie es dann weiterging, wird sich nach Worten der Staatsanwältin wohl nie klären lassen. Ein Gutachten belegt, dass der Mann von vorne auf den Kopf seiner auf dem Bett liegenden Frau geschossen hat.

Anschließend habe er die Waffe gesichert und die Polizei gerufen. Ruhig und sachlich habe er gesagt: "Ich habe meine Frau erschossen." Laut Gericht hat er nichts von einem versehentlichen Schuss gesagt, wie das die Verteidigung in ihrem Plädoyer ausgeführt und deshalb wegen fahrlässiger Tötung auf eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten plädiert hatte. In einem emotionsreichen Schlusswort hatte sich der Angeklagte bei allen Familienangehörigen entschuldigt. Es sei ihm unbegreiflich, was er getan habe. Er habe seine Familie zerstört. Seine Reue war strafmildernd.

Unternehmer wurde immer gewalttätiger

Ausführlich schilderte der Vorsitzende Richter den Weg des Paares und der Familie. Es sei von beruflichen Fehlschlägen, aber vor allem von dem unterdrückenden, überheblichen und despotischen Verhalten des 45-Jährigen geprägt gewesen. Im Laufe der Jahre habe es viel Gewalt gegeben. "Ein Verhalten, das in dieser unfassbaren Tat mündete."

Das Gericht konnte keine ausreichenden Merkmale feststellen, die für eine Verurteilung wegen Mordes ausgereicht hätten. Die hatte die Nebenklage gesehen und auf eine lebenslange Haftstrafe plädiert.

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