Sozialverband geht gegen NPD vor

Mit Sorge beobachtet die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in MV, dass NPD-Anhänger versuchen, ihre rechten Parolen auch in sozialen Einrichtungen wie Kitas zu verbreiten. Der Sozialverband will deshalb stärker gegen Rechtsextremismus vorgehen.

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06. Juni 2008, 09:26 Uhr

Schwerin - Heute tagt die Landeskonferenz der Awo in Neubrandenburg. Dort, wo zeitgleich die NPD unter dem Motto „Sozial geht nur national“ demonstriert. Dagegen will die Awo nicht nur mit einer öffentlichen Erklärung ein deutliches Zeichen setzen. „Wir lassen nicht zu, dass die Sorgen und Unsicherheiten der Menschen ausgenutzt werden, um sie gegen vorgeschobene Sündenböcke zu mobilisieren“, sagte gestern der Landesvorsitzende der Awo, Ulf Skodda. Der Sozialverband will deshalb auch Schulungen für Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit anbieten, damit sie rechtes Gedankengut besser erkennen und bekämpfen können.

Hintergrund: NPD-Mitglieder versuchen zunehmend, ihre rechte Gesinnung in soziale Einrichtungen zu tragen. So sind in Rostocker Kitas Flugblätter der rechtsextremen Partei aufgetaucht, die nicht auf den ersten Blick als NPD-Propaganda zu erkennen waren, wie Awo-Landesgeschäftsführer Wolfgang Gulbis berichtete. „Da brauchen wir mehr Aufklärung und Prävention.“ In der NPD-Hochburg Lübtheen (Landkreis Ludwigslust) hätten Eltern versucht, in der Kita ihre rechten Parolen zu platzieren.

„Wir müssen die Mitarbeiter und auch die Gesellschaft stärker für dieses Problem sensibilisieren“, meinte Anke Hafemann, die bei der Arbeiterwohlfahrt für den Bereich Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe zuständig ist. In der Praxis sei dies manchmal ein Balanceakt. Einerseits gehe es darum, die Verbreitung rechter Parolen notfalls auch durch Hausverweise zu unterbinden. Andererseits müsse man aber auch den Kindern eine Chance geben. „Solange sie in eine Einrichtung mit klaren demokratischen Grundwerten gehen, können wir sie noch erreichen“, sagte Hafemann.

Vor allem in Ostvorpommern übernehme die NPD schon vermehrt Aufgaben in der Wohlfahrtspflege, in dem sie Angebote für Jugendliche und Senioren unterbreite. Hier sieht die Awo auch die Politik in der Pflicht. „Die NPD stößt zum Beispiel in die Lücken, die entstehen, wenn Jugendclubs aus Geldmangel schließen“, kritisierte Skodda. Die klammen Kommunen benötigten in diesem Punkt mehr Finanzhilfe durch das Land.

Die Awo selbst will ihre flächendeckende Struktur mit rund 5000 Mitgliedern in MV nutzen, um sich besser im Kampf gegen Rechtsextremismus zu vernetzen. Dafür soll die Zusammenarbeit mit Initiativen wie „Bunt statt braun“, „Endstation Rechts“ und dem Zentrum für Demokratie und Kultur intensiviert werden.

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