Sozialdemokraten schlagen Ex-Innenminister für OB-Neuwahl vor

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06. Mai 2008, 06:21 Uhr

Schwerin - Der Kandidat klang schon recht siegessicher: „Ich freue mich darauf, für meine Heimatstadt das Steuer übernehmen zu können und werde für Schwerin kämpfen“, sagte Gottfried Timm (51) gestern Abend im Willy-Brandt-Haus in der Wismarschen Straße. Zuvor hatte ihn die Schweriner SPD als Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters vorgeschlagen, was noch durch die Mitgliedervollversammlung der Partei am 19. Mai bestätigt werden muss.

„Ich hoffe auf die Unterstützung aller Schweriner, die nach den schwierigen letzten Monaten einen neuen Anfang wollen“, sagte Timm mit Blick auf die durch den Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie ausgelöste politische Krise. Vertrauen schaffen zwischen Stadtvertretung, Verwaltung und Bürgern, Ordnung in die Behörden bringen, den sozialen Zusammenhalt fördern und die wirtschaftlichen und kulturellen Stärken der Stadt entwickeln sowie den Haushalt sanieren – dies seien die wichtigsten Aufgaben, die durch den neuen OB angepackt werden müssten, so Timm.

SPD-Stadtfraktionsvorsitzende Manuela Schwesig, die zwischenzeitlich selbst als OB-Bewerberin gehandelt wurde, bezeichnete Timm gestern als ihren „Wunschkandidaten von Anfang an“. Als Ex-Minister mit hoher Anerkennung über Parteigrenzen hinweg verfüge er über die notwendige Erfahrunge, „den politischen Scherbenhaufen zusammenzukehren.“

Leicht soll Timm die Entscheidung, für den OB-Posten in Schwerin zu kandidieren, nicht gefallen sein. Einerseits war immer wieder zu hören, dass er sich möglicherweise ganz aus der Politik zurückziehen wolle. Vom Plan einer Welt-Umseglung wird berichtet. Tatsächlich hatte unsere Zeitung den Politiker in den kalten ersten Januartagen per Handy beim Segel-Training auf der Ostsee erreicht.

Andererseits sagen Beobachter, dass Timm seine landespolitischen Ambitionen noch nicht aufgegeben habe. Diese wurden nach der Landtagswahl 2006 jäh gestoppt: Weil seine Partei das Amt des Innenministers in der Großen Koalition an Lorenz Caffier von der CDU abgab, musste Timm seinen Stuhl räumen. Seitdem gilt Timms Verhältnis zu Ministerpräsident Harald Ringstorff als angespannt. Geradezu symbolisch dafür war der Landesparteitag, auf dem die SPD die Große Koalition abgesegnte: Während der „geopferte“ Timm mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, quittierte Ringstorff dies mit versteinerter Miene.

Mit Timm geht der zweite Bewerber um das OB-Amt ins Rennen. Die Stadtfraktion der Linken hatte sich vor einer Woche auf Angelika Gramkow (49) geeinigt, was vom Kreisparteitag am 20. Mai noch bestätigt werden muss. Gramkow ist Mitglied der Stadtvertretung und des Landtages.

Die CDU sucht offenbar noch nach einem Kandidaten. Ralf Melzer, der als Kreischef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU als OB-Anwärter gehandelt wurde, hat seiner Partei bereits eine Absage erteilt. Am 14. Mai solle dem Kreisparteitag aber ein Bewerber vorgeschlagen werden, der auch von außerhalb kommen könne, so CDU-Kreischef Gerd-Ulrich Tanneberger.

Am 14. September können die Schweriner über einen neuen OB abstimmen. Eigentlich muss innerhalb von vier Monaten ein Nachfolger für den am 27. April per Bürgerentscheid abberufenen Norbert Claussen (CDU) gewählt werden. Laut Stadt will der Innenminister aber keine Einwände gegen den späteren Termin erheben, da die Wahl sonst während der Sommerferien stattfinden müsste.

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