Sorglose Computernutzer

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24. November 2008, 08:20 Uhr

Greifswald | Computernutzer und Firmen sind Experten zufolge oft noch zu arglos bei der Nutzung des Internets und im Bereich der Datensicherheit. Im Jahr 2007 zählte das Landeskriminalamt (LKA) 1918 Fälle von Internetkriminalität und damit fast so viele wie im Vorjahr mit 2077 Fällen, wie LKA-Direktor Ingmar Weitemeier gestern in Greifswald sagte. In fast 93 Prozent der Fälle habe es sich um Warenbetrug gehandelt. Nutzer hätten Waren online bestellt und bezahlt, aber die Leistung nicht erhalten.

Weitemeier verwies zudem auf eine bundesweite Studie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, nach der 63 Prozent der Internetnutzer bereits ein Problem mit Viren und Würmern hatten. 35 Prozent der Nutzer gaben demnach an, bereits von Trojanern betroffen gewesen zu sein. Die IHK appelliert an Unternehmen ohne eigene Sicherheitsabteilung, in dem sensiblen Bereich der Datensicherheit auf externen Sachverstand zu setzen. Vielfach mangele es aber nicht an der technischen Ausstattung. Ursache sei häufig ein zu laxer Umgang mit sensiblen Daten. So würden Firmencomputer nicht oder nur unzureichend mit Passwörtern geschützt, private USB-Sticks würden an Firmencomputer angeschlossen oder Mitarbeiter verließen ihren Computer, ohne ihn abzuschalten.

LKA-Chef Weitemeier vermutet im Bereich der Wirtschaftskriminalität über das Internet eine hohe Dunkelziffer, wie er sagte. Viele Firmen würden nicht oder erst nach Jahren bemerken, dass ihnen Daten gestohlen worden seien. Zudem würden die Firmen mit einem solchen Delikt nicht nach außen gehen. 2007 wurde laut Weitemeier ein größerer Fall von Wirtschaftskriminalität übers Internet in MV registriert.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Kriminalität in diesem Bereich in MV eher gering, wie es weiter hieß. Lediglich 58 Prozent der Haushalte im Nordosten haben eine Online-Anbindung, in Berlin sind es dagegen 70 Prozent. Nach Angaben Weitemeiers kam es im vergangenen Jahr bundesweit zu 70 000 unberechtigten Konten abbuchungen mit einem Schaden von rund 21 Millionen Euro und 459 so genannten Skimming-Attacken, bei denen Geldautomaten manipuliert wurden, um die EC-Kartendaten abzuschöpfen. In MV zählte das Landeskriminalamt vier solcher Skimming-Fälle.

Derzeit häufen sich im Internet die Beschwerden über das Stralsunder Unternehmen "Suite No. 3", weil online verkaufte Hotelgutscheine nicht mehr eingelöst werden könnten. Der Polizei in Stralsund liegen eigenen Angaben zufolge mehrere Betrugsanzeigen von Käufern vor. Der Firmengründer Sebastian Tacke war 2007 für den Unternehmerpreis "Mutmacher der Nation" nominiert worden.

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