Schwerin : Soldaten bei Duchamp

Merkwürdige Szenerie im Staatlichen Museum: Soldaten beim Arbeitseinsatz. Tino Bittner gestaltete das 'Ready-made'. Bröcker
Merkwürdige Szenerie im Staatlichen Museum: Soldaten beim Arbeitseinsatz. Tino Bittner gestaltete das "Ready-made". Bröcker

Überraschende Szenerie im Staatlichen Museum: Moderne Kunst. Die Soldaten gehören zur Serie "Rückzug" des Schweriner Künstlers Tino Bittner.

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21. Dezember 2010, 11:54 Uhr

Ein Soldat in Felddienstuniform streicht, mit Farbeimer und Farbrolle bewaffnet, die Wände, ein zweiter spielt Ball, der dritte hält eine leuchtend grüne Gießkanne in den Händen. Moderne Kunst. Die Soldaten gehören zur Serie "Rückzug" des Schweriner Künstlers Tino Bittner. Seine Figuren treffen auf Arbeiten Marcel Duchamps, des Künstlers, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das "Ready-made" in die Kunst einführte.

Bittners Serie "Rückzug" besteht eigentlich aus sieben Soldatenfiguren. Er nahm dafür Bilder von Soldaten in internationalen militärischen Einsätzen aus dem Internet und veränderte sie so, dass sie nicht mehr als Individuen erkennbar sind. Dann wurden sie in beinahe Über-Lebensgröße auf dünne Holzplatten übertragen. Stereotypisierung und Monumentalisierung tragen zum bedrohlichen Charakter der Figuren bei, die immer noch auf militärische Aktionen, auf Angriff oder Verteidigung, ausgerichtet sind - nur hat Tino Bittner ihre Bewegungen umgedeutet, indem er ihnen Gebrauchsgegenstände des täglichen zivilen Lebens hinzufügte. Bilder aus den Massenmedien treffen auf gefundene, industriell produzierte Alltagsgegenstände im besonderen Raum des Museums. Das genau ist auch der Anknüpfungspunkt zwischen Bittners Arbeit und Duchamp (1887-1968), der das "Ready-made" - den industriell gefertigten Gebrauchsgegenstand - in die Kunst einführte und damit den etablierten Kunstbegriff attackierte.

"Ich arbeite bevorzugt mit vorgefundenen Situationen, Räumen und Materialien" sagt der 1975 in Schwerin geborene Künstler über die Serie. Von 1997 bis 2004 hatte er an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg studiert und lebt seit 2002 als freischaffender Künstler in Schwerin.

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