Sohn erdrosselt: Vater gesteht vor Gericht

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07. Mai 2008, 02:39 Uhr

Schwerin - Nur ein paar Minuten später, und Julian wäre aufgestanden. An diesem Montagmorgen im Juni 2007 wie an jedem anderen Schultag auch. Der Zehnjährige hätte seine Schulmappe genommen und wäre zum Bus gelaufen. An diesem Morgen trat sein Vater früher als gewohnt an sein Bett. Julian schlief fest. Nun konnte der Vater tun, zu was er schon länger entschlossen war. Er holte einen Schal und legte ihn dem Jungen um den Hals. Dann zog er zu. Er ließ erst los, als sich das Kind nicht mehr bewegte.

„Das hat höchstens zwei Minuten gedauert. Dann war alles vorbei“, sagt der 43-Jährige gestern vor dem Schweriner Landgericht. Nein, er habe den Jungen nicht ansehen können dabei. Was er gefühlt hat? „Gar nichts. Das war alles auf Null“, sagt er. So wie ihm auch jetzt alles gleichgültig sei. Und doch wischt er sich hin und wieder eine Träne aus dem Gesicht. „Julian ist tot und ich bin daran schuld“, sagt er. Sich selbst das Leben zu nehmen, sei er ihm bis heute schuldig geblieben. Denn eigentlich wollte er Julian mitnehmen in den eigenen Tod. „Ich habe für mich keine Perspektive mehr gesehen. Für den Jungen war ich aber verantwortlich. Ich wollte und musste ihn mitnehmen. Aus Liebe“, versucht der Vater zu erklären, was so unerklärlich ist.

Ex-Frau ist sich sicher: „Das war geplanter Mord“
Als Julian tot war, hat er sich die Pulsadern aufschneiden wollen. Es gelang ihm aber nicht. „Der Körper hat sich gewehrt. Als wenn sich die Ader weggedreht hätte“, erklärt er vor Gericht. Stundenlang habe er seinen toten Sohn angestarrt, Alkohol getrunken und sich immer wieder in den Arm geritzt. Erst als ihn gegen Mittag seine Schwägerin zum Essen rief, sei ihm die Idee mit dem Strick gekommen, erzählt Carsten G.. Doch als er sich die Schlinge um den Hals legte, trafen die von der Großmutter Julians alarmierten Polizisten ein und nahmen ihn fest. Für Julian kam jede Rettung zu spät.

Der Junge hatte beim Vater in Bahlen gelebt, seit er vier Jahre alt war und die Eltern sich trennten. Vater und Mutter teilten sich das Sorgerecht. Julian sollte beim Vater wohnen, beide zogen zur Oma. Sie kümmerte sich mit um das Kind, wie eine Zeugin berichtet. Denn ihr Sohn wurde immer verschlossener und trank immer mehr. Eine Flasche Schnaps pro Tag mindestens. Arbeit hat der Maurer seit 2002 nicht mehr. Julians Mutter wird als Zeugin vor Gericht gehört. „Ändere dich! Hör auf zu trinken! Such dir Arbeit!“, habe sie noch kurz vor Julians Tod zu ihm gesagt.

Und ihm Hoffnung gemacht, ihren neuen Partner zu verlassen und zurückzukommen. Ob sie mal versucht habe, Julian zu sich zu holen, fragen die Richter. Das habe sie sich nicht getraut. „Carsten hat öfter gedroht, uns dann umzubringen – Julian, mich und sich. Das war geplanter Mord“, betont sie. Warum sie dann erwog, zu dem Angeklagten zurückzuziehen, fragen die Richter? Darauf weiß sie keine plausible Antwort. Heute sollen psychiatrische Gutachter gehört werden. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

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