So ernten Zapfenpflücker - Baumsteiger sammeln Samen

Sebastian Krage befestigt die Steigeisen an seinen Schuhen, die ihm den Aufstieg erleichtern und zusätzlichen Halt geben. Foto: Michael Köster
1 von 3
Sebastian Krage befestigt die Steigeisen an seinen Schuhen, die ihm den Aufstieg erleichtern und zusätzlichen Halt geben. Foto: Michael Köster

Baumsteiger sammeln Samen

von
07. September 2008, 08:21 Uhr

Schlemmin/Qualitz - Morgens, 8 Uhr, in einem Waldstück bei Qualitz. Sebastian Krage befestigt an seinen Schuhen Steigeisen, um später besseren Halt am Baumstamm zu haben. Derweil sitzt Henning Friz bereits in einer Baumkrone, hat den ersten Sack mit Zapfen gefüllt. Rund 40 Kilogramm wiegen die Baumfrüchte.

Als Friz den Sack aus über 30 Metern Höhe fallen lässt, ist Sekundenbruchteile später ein dumpfes Poltern auf dem Waldboden zu hören. Abgerissene Tannenzweige und Äste segeln durch die Luft. Peter Trost, zuständig für Holzverkauf und Waldbau im Forstamt, sammelt einen Zapfen der etwa 80 Jahre alten Weißtanne auf, erklärt deren Besonderheit: „Ihr Zapfen ist der einzige, der aufrecht auf dem Zweig steht. Wenn er reif ist, dann fällt er auseinander, seine Schuppen lösen sich.“

Bevor das passiert, schickt Forstamtsleiter Eckhard Hackert seine Kollegen zum Zapfenpflücken in die Baumspitze: „Die Früchte der Weißtannen sind begehrt, weil sie in unserer Region nicht so häufig vorkommen. Dieser Baum stammt eigentlich aus Mittelgebirgsregionen, wächst in Höhenlagen über 500 Meter“, erklärt Hackert.

Sebastian Krage erledigt die letzten Handgriffe vor seinem Aufstieg. Er befestigt ein Seil an seiner Sicherheitsausrüstung und zieht sich mit einer speziellen Seilklettertechnik an dem Nadelholz hinauf. „Diese Methode schont die Rinde, der Baum wird nicht verletzt“, erklärt Krage. Zehn Minuten später ist der Baumsteiger außer Puste, muss kurz vor Erreichen der Krone eine Pause einlegen. Äste und Zweige haben ihm das Leben erschwert. Schweiß läuft Krage über die Stirn.

Sturz aus 15 Metern überlebt
Verschwitzt ist auch Henning Friz, als er sich von einer anderen Weißtanne herabseilt. Der Steinhäger weiß aber auch um die Vorteile seines Berufs. „Wenn man dort oben sitzt, hat man einen tollen Ausblick. Ich konnte eben bis nach Rostock gucken, hab die Ostsee gesehen. Außerdem ist man dort ungestört, keiner nervt einen. Man kann im Baum auch schön Frühstück essen“, sagt Friz mit einem Lachen.

Doch auch mit den Schattenseiten des Baumsteigens wurde Henning Friz schon konfrontiert. Vor wenigen Monaten stürzte er beim Versuch, eine Katze aus einem Baum zu retten, aus 15 Metern in die Tiefe. Diagnose: acht Rippenbrüche, zahlreiche Prellungen. Trotzdem wagt er sich jetzt wieder in luftige Höhen. „Ich habe keine Angst, dafür mache ich den Job schon zu lange“, sagt Friz.

Wieder ist das Poltern auf dem Waldboden zu hören, als ein weiterer Sack mit Zapfen aufschlägt. „Wir schicken sie jetzt nach Jatznick. Dort werden sie vorgetrocknet, dann die Samen herausgelöst. Der blanke Samen wird mit einem Gebläse gereinigt und landet in einem luftdicht verschlossenen Behälter, wo er über Jahrzehnte lagerfähig ist“, erklärt Eckhard Hackert. Der Samen wird später zur Aussaat von neuen Pflanzen verwendet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen