Sinkflug setzt sich fort

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Für 2008 meldet der Flughafen Rostock-Laage-Güstrow ein Rekordverlust von 1,8 Millionen Euro. Eine Wende ist nicht in Sicht. Mit dem gleichen Minus rechnet der Airport auch für 2009. Die Passagierzahlen sinken und selbst die ambitionierte Flugverbindung nach Stockholm wird wahrscheinlich scheitern.

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06. November 2008, 08:30 Uhr

Rostock - Selbst gute Nachrichten aus dem Flughafen Rostock-Laage mutieren dieser Tage zu herben Rückschlägen. Noch im Juni wurde die neue Schwedenlinie von Ryanair nach Stockholm gefeiert. Jetzt muss Flughafen-Geschäftsführerin Maria Anna Muller in einem Bericht an die Rostocker Bürgerschaft mitteilen: „Der Ryanair-Testcase Stockholm wird voraussichtlich scheitern.“ Durch die umliegenden Flughäfen – zum Beispiel Lübeck – werde die Nachfrage gedeckt. Mit anderen Worten: Der Flughafen Rostock ist nicht interessant genug.

Finanzspritzen von Land und Gesellschafter
Die Hinhaltepolitik diverser Fluggesellschaften, dazu eine kostspielige neue EU-Feuerwehrregelung sowie ein höheres Mitbenutzungsentgelt an den Bund führen für das Geschäftsjahr 2008 zu desaströsen Zahlen. Mit 1,8 Millionen Euro ist der Verlust doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Ein historischer Negativrekord, wenngleich der exakte Jahresabschluss noch nicht vorliegt und Experten sogar von einem Minus von zwei und mehr Millionen Euro ausgegangen waren. Das konnte offensichtlich verhindert werden – durch eine Liquiditätshilfe als rückzahlbares Darlehen über 850 000 Euro von den Gesellschaftern sowie einen Marketingzuschuss in unbekannter Höhe. Im Bericht heißt es dazu: „Die sonstigen betrieblichen Erlöse steigen. Hier ist ein Marketingzuschuss des Landes, welcher aufgrund der geplanten Incomingverkehre und den damit verbundenen Einkommenseffekten gewährt wird, enthalten.“

Die Prognose der Passagierzahlen lassen allerdings keine Wende vermuten. Sind 2007 noch knapp 193 000 Menschen gelandet oder von Laage aus gestartet, geht die Flughafenleitung von etwa 170 000 Gästen in diesem und lediglich 152 700 im kommenden Jahr aus. Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Jahren peilte der Airport die 200 000-Grenze an und wollte das halten. Der Strategiewechsel zu einem Incoming-Flughafen – Touristen an die Ostsee – trägt noch keine Früchte.

Airlines setzen Flughafen unter Druck
Chefin Muller verweist auf die schwierige Lage im Ferienflugsegment und „das Konsolidierungsbestreben der Reiseveranstalter“. Der kleine Rostocker Flughafen sei davon insbesondere betroffen. Ein Teufelskreis, denn Veranstalter und Airlines wüssten um „die Erpressbarkeit“ des Flughafens wegen des Verkehrsmangels, so Muller. Eine Diagnose, die auch RVV-Geschäftsführer Jochen Bruhn teilt. Die Dachholding RVV hält 54,1 Prozent des Flughafens für die Hansestadt Rostock. „Natürlich sind wir in einer ganz anderen Verhandlungsposition als Berlin oder Hamburg.“ Bestes Beispiel ist das Agieren von Air Berlin. Die Gesellschaft hatte sich 2008 verabschiedet, um ab Mai 2009 Laage wieder in ihr Programm aufzunehmen. Der Flughafen im Nordosten bleibt Spielball, zumal von der Politik im Stich gelassen. Muller beklagt die fehlende Lobbyarbeit: „Die Politik bekennt sich nicht zu einem Landesflughafen.“

In der Summe wird auch 2009 ein Krisenjahr für Rostock-Laage. Die Gesellschaft muss zusätzlich ein Feuerwehrfahrzeug für 980 000 Euro kaufen, wenngleich davon 70 Prozent gefördert werden könnten. In der Summe wird für 2009 das gleiche Minus kalkuliert wie in diesem Jahr: 1,8 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse sinken weiter – von 4,6 Millionen Euro 2007 auf dann nur noch 2,6 Millionen Euro. Nach der Krise kommt der Aufschwung. Das hofft zumindest RVV-Chef Bruhn: „Der Flughafen hat eine Zukunft.“

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