Sie glaubt an Gott, er nicht - Mareike begeht ihre Konfirmation, Alrik seine Jugendweihe

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08. Mai 2008, 06:32 Uhr

Rostock - Mareike Höher und Alrik Gose erwarten aufgeregt ihren großen Tag. Am Sonntag wird die 15-Jährige von Pastor Johannes Wolf in der Heiligen-Geist-Kirche konfirmiert. „Ich bin die Einzige in meine Klasse“, sagt sie. Alle anderen feiern Jugendweihe – so wie Alrik. Sein großer Tag ist am Sonnabend, 17. Mai. Für die Jugendweihe hat er sich bewusst entschieden: „Ich bin nicht so für Religion zu haben.“ Auch seine Eltern haben ihm dazu geraten.

Ganz anders war das bei Mareike. „Bei mir geht die ganze Familie in die Kirche“, sagt sie. Selbst besuche sie auch fast jeden Gottesdienst. Ihr Vater sitzt im Gemeinderat. „Ich bin da so hineingewachsen. Ich kenne das gar nicht anders“, erzählt die Gymnasiastin.

Bedeutsames Datum
Gemeinsam mit Alrik besucht das Mädchen die achte Klasse des Gymnasiums in Reutershagen. Die meisten feiern hier Jugendweihe. „Das ist manchmal ein bisschen schwierig“, sagt Mareike. Ab und zu machen sich einige lustig, aber das sei eben so. Mareike hält trotzdem am Glauben fest. Das tue ihr gut. Die Konfirmation sei für sie eine Art „Ja“-Sagen zur Religion.

Für Alrik besitzt die Jugendweihe einen tieferen Sinn. Er möchte sich bei seinen Eltern bedanken. „Ohne ihre Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen“, sagt er. Besonders in schulischen Belangen halten sie dem Gymnasiasten den Rücken frei. Deshalb habe Alrik auch nicht das Gefühl, allein im Mittelpunkt zu stehen, wenn er Mitte Mai den ersten Schritt auf dem Weg in Richtung Erwachsensein macht. Für ihn ist es ein Familientag – genau wie für Mareike.

Die richtige Garderobe
Sie feiert mit Familie und Freunden, „und zwar so richtig“, sagt sie. Dafür hat sie sich ein ganz besonderes Kleid ausgesucht – „in Schwarz-Weiß“. Sie nimmt ihre Konfirmation sehr ernst. Auch Alrik hat sich eine Menge Gedanken über sein Outfit gemacht. Einen Anzug mit passender Krawatte wird er tragen. „Es ist mir wichtig, bei dieser Gelegenheit vernünftig auszusehen.“ Ein paar Wochen hat es gedauert, bis die Garderobe gefunden war, in der sich Alrik auch wohl fühlt.
Mareike freut sich vor allem auf die Party am Abend. „Wir können besser feiern als die, die Jugendweihe machen“, erklärt sie selbstbewusst und muss lachen. Natürlich sei das nur ein Gerücht.

Gemeinsame Party unter Jugendlichen
Alrik ist die abendliche Party nicht so wichtig. Seine Freunde wollen am Abend richtig groß feiern. Alrik selbst hat bei den Vorbereitungen geholfen. „Ich werde aber nicht hingehen“, sagt er. „Ich finde, nach einem langen Tag der Festlichkeiten braucht man nicht noch weiter zu feiern.“ Mitschüler, die sich während der Woche auf Partys die Nächte um die Ohren schlagen, kann Alrik nicht verstehen. „Man muss es nicht übertreiben“, erklärt er. Mareike ist da ein wenig anderer Meinung. Aber sie wird wohl die Einladung zu dieser Party auch ausschlagen. Ihre Mitschüler haben sie zur Jugendweihe und zur abendlichen Feier eingeladen.

Besuch im Gericht
Neben gemeinsamen Festen haben die Jugendlichen – ob für Jugendweihe oder Konfirmation – im Vorfeld ein gemeinsames Programm ausgesucht. Sie waren bei der Berufsberatung, Mareike außerdem noch im Gericht. Alrik besucht einen Tanzkurs. „Viel gegeben hat mir die Berufsberatung nicht“, erzählt Mareike. Sie sei zu theoretisch gewesen. „Wir durften auch nicht an die Computer, um mal selbst einen Einblick zu bekommen.“ Der Besuch im Gericht war da schon viel interessanter – „ein Blick in eine Welt, die ich sonst nicht sehe.“

Den Konfirmandenunterricht fand sie auch spannend. Hier hat sie zum ersten Mal so richtig erfahren, wie Jesusu früher gelebt hat. „Der Religionsunterricht in der Schule war eher sachlich. Da ging es um das, was wirklich wissenschaftlich belegt ist“, erzählt sie. Im Konfirmandenunterricht sei der Glaube viel wichtiger.

„Das braucht man fürs Leben“
Alrik ist der Tanzkurs besonders wichtig: „Ich weiß zwar nicht, ob auf einer Jugendweihe auch getanzt wird, aber schaden kann es ja nicht.“ Ein paar Grundschritte solle jeder beherrschen. „Das braucht man fürs Leben. Es wäre mir peinlich, wenn mich eine Frau zum Tanzen auffordern würde, und ich dann keine Ahnung hätte.“

Peinlich wäre es auch, wenn die Teilnehmer bei Jugendweihe oder Konfirmation nicht genau wüssten, wie die Zeremonie abläuft. Darum proben Alrik und Mareike wenige Tage zuvor noch einmal den genauen Ablauf. Schließlich soll ja alles klappen.

„Kein großer Unterschied zu vorher“
Ob sich nach der Jugendweihe für Alrik und Mareike etwas ändert, sind sich beide nicht so richtig sicher. „Ich bin gespannt, was passiert“, sagt der Schüler. „Ich glaube nicht, dass ich dann auf einmal erwachsener bin als vorher.“ Anders wäre das Empfinden, so spekuliert er, wenn er über Nacht 30 Jahre alt werden würde. „Aber so wird es wohl kein großer Unterschied zu vorher sein.“

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