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24. September 2017 | 23:14 Uhr

Ratgeber : Sicherer durch das Netz

vom

Die Internetnutzer werden immer jünger. Knapp 60 Prozent der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren nutzen die Möglichkeiten des www zumindest manchmal - und sind auch den Gefahren ausgesetzt.

svz.de von
erstellt am 05.Mär.2011 | 11:33 Uhr

Die Internetnutzer werden immer jünger. Knapp 60 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren nutzen die Möglichkeiten des World Wide Web zumindest manchmal - und sind damit auch den damit verbundenen Gefahren ausgesetzt. Abofallen, Seiten mit jugendgefährdendem Inhalt, Cybermobbing und Datenmissbrauch sind an der Tagesordnung. Und nicht nur das. Erwachsene geben sich als Jugendliche aus, um Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Schon mehrfach endeten Treffen mit Internetbekanntschaften sogar tödlich. Ein Zurück aus der Welt des Internets gibt es dennoch nicht. Bleibt also nur, sich und seine Kinder bestmöglich zu schützen. Wir sagen Ihnen, was man tun kann.

Den Computer einrichten

Virenschutzprogramm und eine Firewall sind ein Muss, um den Rechner vor Angriffen von außen zu schützen. Sie werden oft im Paket angeboten - und das zum Teil auch gratis. Allerdings hat Stiftung Warentest festgestellt, dass einige Firewalls in Sicherheitspaketen schlechter sind als die im Betriebssystem Windows 7 integrierte Firewall. Sie rät deshalb, bei der Ins tallation einer "Sicherheits-Suite" die enthaltene Firewall nicht mit zu installieren. Wichtig ist, das Virenschutzprogramm regelmäßig zu aktualisieren. Das Gleiche gilt für das Betriebssystem, den Internetbrowser und andere Programme. Die angebotenen Updates schließen oft gefährliche Sicherheitslücken. Ins Internet geht man am besten nicht als Administrator. Stattdessen ist es sinnvoll, zusätzlich für jeden Nutzer ein eigenes Benutzerkonto anzulegen. Das lässt sich in der Systemsteuerung unter "Benutzerkonten" mit wenigen Klicks erledigen.

Kindersicherung individuell einstellen

Wann und wie lange darf mein Kind am Computer sitzen? Welche Spiele darf es spielen, welche Seiten im Internet besuchen? Auf welche Internetseiten darf es auf keinen Fall kommen? Diese Fragen müssen Eltern für sich und ihren Nachwuchs beantworten. Mit Hilfe von Kindersicherungssoftware kann man die Nutzung dann entsprechend einstellen. Bei einigen Betriebssystemen ist dieser Schutz bereits integriert. In der Systemsteuerung kann unter "Jugendschutz" für jeden Nutzer gesondert festgelegt werden, zu welcher Zeit er am PC sitzen, welche Spiele und Programme er nutzen darf. In einigen Fällen - bei Windows Vista beispielsweise - lassen sich außerdem White- und Blacklists erstellen. In eine Whitelist tragen die Eltern alle Internetseiten ein, die das Kind besuchen darf. In die Blacklist schreiben sie die Sites, die nicht angezeigt werden dürfen. Einige Programme haben außerdem eine Protokollfunktion. So können Eltern nachvollziehen, wo das Kind im Internet unterwegs war. Bietet das Betriebssystem nicht genügend Schutz kann man sich Kindersicherungssoftware von anderen Anbietern besorgen - zum Teil kostenlos, zum Teil kostenpflichtig, zum Teil im Abonnement. Eine kostenlose Kinderschutzsoftware bietet die Internetseite fragfinn.de. Ist sie ins talliert, kann das Kind nur auf solchen Seiten surfen, die der dahinter stehende Verein als sicher eingestuft hat.

Wichtig ist nicht nur der technische Schutz, sondern auch das Gespräch. Eltern sollten erklären, warum sie beispielsweise Webfilter eingerichtet haben. Und sie sollten verabreden, dass sich das Kind sofort bei ihnen meldet, wenn es im Internet auf Dinge gestoßen ist, die ihm unangenehm sind oder sogar Angst machen.

Quatschen im Netz

Fast noch wichtiger als das Surfen im Netz ist für die jüngeren Internetnutzer das "Quatschen" mit anderen. Fast die Hälfte der sechs- bis 13-jährigen User nutzt laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest regelmäßig soziale Netzwerke. Mit aktuellen Fotos und Nachrichten halten sich dort Freunde untereinander auf dem Laufenden. Sie erfahren, welche Hobbys, Lieblingsfilme und -bücher der andere hat, wofür er sich interessiert und was er blöd findet. Das Problem: Nicht nur die Freunde interessieren sich dafür, auch Unbekannte und die Werbebranche. Und deshalb gilt: Mit Informationen über sich selbst - also Telefonnummer, Adresse, Schule, Fotos und E-Mail-Adresse - sehr sparsam umgehen. Das Internet vergisst nichts. Außerdem ist es ratsam, nur mit einem Spitznamen (Nickname) ins Netz zu gehen, der keine Rückschlüsse auf den wirklichen Namen und das Alter zulässt. Fremde sollte man vom Besuch des eigenen Profils ausschließen und Freundschaftsangebote von Unbekannten generell ablehnen. Am besten legen Eltern gemeinsam mit ihrem Kind dessen Profil an und lassen sich regelmäßig zeigen, wo es chattet. Für jüngere Kinder sind Chatrooms mit Moderatoren wie auf fragfinn.de oder seitenstark.de gut geeignet. Sie greifen ein, wenn jemand beleidigt oder belästigt wird.

Ob ein Internetbekannter der ist, der er vorgibt zu sein, weiß man nie. Nutzerprofile sind oft gefaked. So kann die 15-jährige Freundin in Wirklichkeit ein 35-jähriger Mann sein. Die Polizei rät daher: "Kinder sollten sich niemals mit Chat-Partnern treffen." Jugendlichen empfiehlt sie in ihrer Broschüre "Im Netz der neuen Medien", sich höchstens in Begleitung eines Erwachsenen mit Internetbekanntschaften zu treffen und das auch nur an einem öffentlichen, belebten Ort. Die Broschüre gibt es unter polizei-beratung.de.

Abofallen und Abzocke

Nach wie vor groß ist das Risiko, im Internet abgezockt zu werden. Bei der Suche nach kostenloser Software, Routenplaner, Gedichten oder Rezepten tappen die Nutzer in die Falle. Sie gehen davon aus, dass das Angebot wie an vielen anderen Stellen im Netz kostenlos ist, und übersehen den Kostenhinweis. Das ist allerdings auch nicht schwer. "Der Kostenhinweis ist oft an unmöglichen Stellen platziert, unter anderem am Seitenrand oder erst unterhalb des Anmeldebuttons", erklärt Joachim Geburtig von der Neuen Verbraucherzentrale MV die Masche der Abzocker, die schon seit Jahren funktioniert. "Erst wenn die Rechnung kommt, merken die Verbraucher, was passiert ist."

Ganz schutzlos ist der Internetnutzer diesen Machenschaften nicht ausgeliefert. "Wenn ich irgendwo gebeten werde, meine Daten einzugeben, sollte ich immer stutzig werden und mir die gesamte Seite und die AGB genauer anschauen", rät der Verbraucherschützer. Mit Kindern sollten Eltern vereinbaren, dass sie immer erst nachfragen, bevor sie irgendwo ihren Namen oder andere Daten eingeben.

Auch wenn es passiert ist, kann sich der User noch wehren. "Gegenüber dem Anbieter bestreitet man schriftlich, dass ein kostenpflichtiges Vertragsverhältnis besteht, und ficht vorsorglich das Vertragsverhältnis mit der Begründung an, dass über die Kostenpflichtigkeit des Angebots nicht ausreichend informiert wurde", erklärt Joachim Geburtig. "Gleichzeitig widerruft man hilfsweise das Vertragsverhältnis." Der Widerruf ist in solchen Fällen fast immer noch möglich, weil die 14-tägige Frist laut Gesetz erst läuft, wenn der Verbraucher über das Widerrufsrecht wirksam informiert worden ist. Das ist oft nicht der Fall.

Sollen Kinder den Vertrag abgeschlossen haben, teilen die Eltern dem Anbieter mit, dass sie dem Vertrag nicht zustimmen. Ob die Kinder ihr wahres Alter angegeben oder gemogelt haben, sei unerheblich, so Geburtig. Vorsorglich sollten die Eltern den Vertrag auch wegen Irrtums anfechten und widerrufen. Der Verbraucherschützer rät, sich von Mahnschreiben, Inkassobüros oder Rechtsanwälten nicht einschüchtern zu lassen. "Ich kenne keinen Fall, in dem es auch nur zum gerichtlichen Mahnbescheid, geschweige denn zur Klage gekommen ist." Im Zweifelsfall gibt es bei der Verbraucherzentrale Musterbriefe und Hilfe.


Urheberrecht beachten
Im Internet können Kinder und Jugendliche aber nicht nur zum Opfer, sondern auch zum Täter werden - zum Beispiel in Tauschbörsen oder durch Filesharing. Vorzugsweise werden Musik, Filme oder Computerprogramme heruntergeladen und anderen zum Herunterladen angeboten - ohne das Recht des Urhebers zu beachten. Die Folge können Abmahnungen von Anwälten im Auftrag der Urheber sein, für die ein paar Tausend Euro fällig werden. Das sollten Kinder wissen. Über die IP-Adresse kann der Anschlussinhaber ermittelt werden. Eltern haften dabei für ihre Kinder und können sich nicht damit herausreden, dass sie sich mit dem Computer gar nicht auskennen.


Das Recht am eigenen Bild
Probleme kann es auch geben, wenn man Bilder von einer Party, von Freunden oder Mitschülern ins Internet stellt. Fotos dürfen nämlich nur öffentlich zugänglich gemacht werden, wenn die Abgebildeten dem zugestimmt haben. Es greift das "Recht am eigenen Bild". Bei Minderjährigen müssen die Eltern zustimmen.

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