Sexueller Missbrauch übers Internet: Vier Jahre Haft

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04. Mai 2010, 08:37 Uhr

Köln (dpa) - Über das Internet zwang er zwei Mädchen zu sexuellen Handlungen: Das Kölner Landgericht hat am Dienstag einen aus Schwerin stammenden Mann wegen sexuellen Missbrauchs in mindestens 30 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Der 34-Jährige hatte sich im Internet-Chat zunächst als gleichaltriger Schüler ausgegeben und sich so das Vertrauen seiner zwölf und 13 Jahre alten Opfer erschlichen. Dann chattete er unter weiteren Alias-Identitäten mit ihnen und drohte, ihrem Internet-Bekannten - dem vermeintlichen Schüler - etwas anzutun. Aus Angst ließen sich die Mädchen zu sexuellen Handlungen vor einer Webcam nötigen.

Die Richter bezeichneten das Vorgehen des Angeklagten in der Urteilsbegründung als „dreist und ungeheuer perfide“. Er hatte den Kölner Mädchen außerdem angedroht, Nacktfotos von ihnen an der Schule zu verteilen, um sie zum Cybersex zu zwingen.

Die Polizei stellte auf dem Computer des Mannes neben kinderpornografischen Dateien auch ein privates Sexvideo mit einer nicht identifizierten Minderjährigen sicher. Deshalb schlossen die Richter nicht aus, dass noch mehr Mädchen Opfer des Mannes geworden sind. Das Gericht ging mit seinem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die drei Jahre und vier Monate Haft beantragt hatte.

Zwar werteten die Richter das erst unter Druck vor Gericht zustande gekommene Geständnis des einschlägig vorbestraften Angeklagten als strafmildernd. Sie stellten aber klar, dass er angesichts einer erdrückenden Beweislage zweifellos auch ohne Geständnis überführt worden wäre. Seine Behauptung, er habe mit den Mädchen nur aus Neugier gechattet, glaubten die Richter ihm angesichts eindeutiger Chatprotokolle mit sexuellem Inhalt nicht.

Der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, sprach von einem „wegweisenden und bahnbrechenden Urteil“.

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