Seuchenalarm: 400 Schweine tot

Fotos: Alexander Landsberg
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Fotos: Alexander Landsberg

400 Schweine mussten sofort getötet werden. Die Krankheit Brucellose greift um sich, die auch für Menschen gefährlich sein kann. Ein Schild „Zutritt verboten“ hängt am Eingangstor eines Schweinezuchtbetriebes im Landkreis Ludwigslust. Erst gestern informierten die Behörden auf SVZ-Anfrage über den Vorfall in einem Bio-Betrieb.

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12. September 2008, 08:51 Uhr

Bickhusen/Nostorf - Wie die Krankheit in das verträumte Bickhusen kam, ist noch nicht endgültig geklärt. Klar hingegen ist, dass 400 Schweine mit der Brucellose infiziert waren. Anfang August wurden bei Routinekontrollen des Veterinäramtes des Landkreises Ludwigslust die Krankheit auf dem Schweinezuchtbetrieb in Bickhusen entdeckt. Daraufhin wurden 400 der insgesamt 4800 Schweine an den beiden Standorten Bickhusen und Nostorf mit Elektrostößen getötet und beseitigt. Besonders betroffen seien geschlechtsreife Tiere. Die restlichen 4400 nicht infizierten Schweine wurden entweder sofort oder nach Erreichen des Mindestgewichtes von 15 Kilogramm für den Handel geschlachtet, da man eine Ansteckung gesunder Tiere durch Bakterien auf dem Hof und im Boden befürchtete. In dieser Woche die letzten.

„Es besteht keine Gefahr mehr für die Menschen. Die Lage ist unter Kontrolle“, sagte der zuständige Fachdienstleiter des Veterinäramtes Dr. Hans-Hermann Schultz auf SVZ-Anfrage.
Tatsächlich ist die Krankheit schwerwiegend und kann bei immungeschwächten Menschen sogar zum Tode führen. „Brucellose ist für den Menschen relevant und sollte nicht unterschätzt werden“, sagte Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut in Berlin, eine Forschungsanstalt für Infektionskrankheiten. In diesem Jahr gab es nach Informationen des Friedrich-Loeffler-Institutes bereits fünf Ausbrüche von Brucellose bei Tierhaltung in Deutschland. Menschen infizieren sich meist im Ausland mit der Krankheit.

Die kann nur durch Berührung der Tiere, deren Ausscheidungen oder Genuss betroffener Lebensmittel wie Milchprodukte auf den Menschen übertragen werden. Das Gesundheitsamt wurde vom Landkreis informiert, die Angestellten des Betriebes sollen noch auf die Erkrankung hin untersucht werden.
Wie die Schweine des Betriebes infiziert wurden, ist nicht eindeutig feststellbar, so Schultz.

Möglicherweise kämen Wildtiere als Krankheitsüberträger in Verdacht. „Wir vermuten eine latente Verbreitung der Krankheit, vor allem durch Schwarzwild“, so Hans-Hermann Schultz weiter. Deshalb sei vor allem die Freilandhaltung betroffen. „Man müsse überlegen, ob diese Haltungsform nicht zu überdenken ist“, kritisierte er. Der letzte Brucellose-Fall im Landkreis Ludwigslust liegt etwa vier Jahre zurück. Damals war ein Betrieb mit 1700 Schweinen betroffen.

Für die beiden Betreiber der Schweinezucht in Bickhusen bedeutet dieser Krankheitsfall enorme finanzielle Einbußen. Am Dienstag sollen Gespräche mit dem Landkreis über die finanziellen Auswirkungen für den Betrieb folgen. Ein Teil der Schäden wird von der Tierseuchenkasse des Landes Mecklenburg-Vorpommern getragen.

„Aber der Zuchtausfall tut schon weh“, so einer der beiden Landwirte des Betriebes gestern. Seit 2003 haben sie die Niederlassung in Mecklenburg, der Hauptstandort ist Schleswig-Holstein. Sie wollen dennoch weitermachen, so einer der betroffenen Landwirte weiter.

Doch vorerst nicht in Mecklenburg. Erst nach einer viermonatigen Ruhezeit, in der der gesamte Betrieb desinfiziert und der Boden mit Brandkalk behandelt wird, kann die Haltung wieder anlaufen. Gestern haben erste Desinfizierungen begonnen.


Gefahr lauert in Lebensmitteln


Die Brucellose, auch Maltafieber genannt, ist eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf den Menschen übertragen wird. Sie kommt weltweit vor. Menschen können sich dann infizieren, wenn sie kranke Tiere berühren oder kontaminierte Lebensmittel wie Milch und Käse essen. Bei immungeschwächten Menschen kann sie sogar zum Tod führen. In Deutschland gelten Rinder-, Schaf- und Ziegenbestände als amtlich frei von Brucellen.
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