Seniorenhotel ist pleite

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16. November 2009, 10:45 Uhr

Rostock/Güstrow/ Schwerin | In der Betrugsaffäre bei der Volkssolidarität Mecklenburg-Vorpommern sind neue Vorwürfe gegen die Ex-Chefs zweier pleitegegangener Immobilienfonds laut geworden. Nach der möglicherweise über Monate verzögerten Insolvenz der beiden Gesellschaften sei nun ein Seniorenhotel des Wohlfahrtsverbands in Güstrow zahlungsunfähig, berichtete gestern die "Ostsee-Zeitung". Den Kreisverbänden Bad Doberan/Rostock Land und Mecklenburg-Mitte drohe zudem eine akute "finanzielle Schieflage". Der Rostocker Oberstaatsanwalt Peter Lückemann bestätigte Ermittlungen wegen des Verdachts von Insolvenzverschleppung und Anlagebetrug. Das angeschlagene Hotel gehöre zu einem schwer durchschaubaren Netzwerk von Projekten und Beteiligungen des früheren Güstrower Kreisverband-Chefs der Volkssolidarität, hieß es. Dessen im August eingestellter Nachfolger Michael Meiners erklärte, ein Blick in die Geschäftsunterlagen habe ergeben, dass das Hotel bereits vor drei Jahren "nicht mehr wirtschaftlich tragfähig" war. Jetzt sei die Insolvenz unausweichlich. Die Landesgeschäftsführung der Volkssolidarität in Schwerin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In zwei Wochen treffen sich die Gläubiger der beiden Fonds zu ihrer ersten Versammlung in Rostock. Neben dem insolvenzrechtlichen Verfahren erwartet die Ex-Manager auch eine Strafanklage. "Wir haben die Geschäftsräume durchsucht und etwa 1000 Ordner sichergestellt", sagte Lückemann. Bis zum Prozessbeginn müssten Gutachter die umfangreichen Unterlagen aber noch weiter auswerten.

Das Büro von Insolvenzverwalter Herbert Hülsbergen hatte am Dienstag von bislang rund 900 geprellten Anlegern gesprochen, die eine Entschädigung für ihre Verluste verlangen. Zwischen 1400 und 1500 zumeist ältere Menschen hatten knapp sieben Millionen Euro in Produkte der Sozialimmobilienfonds GmbH & Co. KG und der Sozial-Immobilien GmbH investiert. Die Chancen auf Rückerstattungen aus der Insolvenzmasse werden als gering eingeschätzt.

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