Sellering warnt vor Scheitern von Wadan

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25. Juni 2009, 02:11 Uhr

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hat vor einem endgültigen Scheitern der insolventen Wadan-Werften gewarnt. „Die Werften haben eine große Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern und ganz Deutschland. Wir müssen alles tun, damit diese Industrie erhalten bleibt“, sagte Sellering auf einer Solidaritätskundgebung für die Werften vor rund 1000 Arbeitern am Donnerstag in Warnemünde. Die Werften gehörten zu den modernsten und produktivsten in Europa. „In jedem Schiff steckt so viel Hochtechnologie wie in einem Flugzeug.“ In Wismar, dem zweiten Wadan-Standort im Land, versammelten sich Schätzungen zufolge am Mittag knapp 5000 Menschen.

„Wir wissen, dass uns für eine gewisse Zeit (...) die Arbeit ausgehen wird“, sagte Sellering. Es werde nun nach Lösungen beispielsweise mit Kurzarbeitergeld gesucht. Eine Lösung könnte auch die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft sein, sagte Sellering ohne Details zu nennen. Noch in der vergangenen Woche hatten die Landtagsfraktionen von SPD und CDU Forderungen der Linken nach einer Beschäftigungsgesellschaft als „gefährlich“ bezeichnet.

Der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Marc Odebrecht, Lars Rosumek, sagte, die Gründung einer solchen Gesellschaft wäre eine Möglichkeit, Zeit zu gewinnen. Er zitierte Odebrecht mit dem Satz: „Nach dem 1. August wird niemand im Regen stehen gelassen.“ Am Donnerstagabend wollte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) mit den Spitzen der IG Metall in Hamburg über das Thema sprechen.

Wadan hat rund 2400 Mitarbeiter im Land. Das Unternehmen hatte Anfang Juni Insolvenz angemeldet und verfügt derzeit über keine liquiden Mittel. Im Mittelpunkt der Kritik stehen die bisherigen russischen Eigentümer. Bis Ende Juli zahlt das Arbeitsamt den Beschäftigten Konkursausfallgeld. In diesen Tagen muss eine Entscheidung über die Gewährung eines Massekredits in Höhe von 200 Millionen Euro fallen, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Der Geschäftsführer von Wadan Yards Germany, Einar Brönlund, räumte am Rande der Demonstration ein, dass die Umstellung vom Containerschiffbau zu Spezialschiffen zu spät erfolgt sei. Ein Grund dafür sei gewesen, dass 2008 mit dem Bau von Containerschiffen ausgefüllt war. Nun seien viele Werften mit neuen Produkten auf dem Markt, sagte Brönlund der dpa. Trotzdem werde der Schwenk zum Positiven gelingen. „Wir haben gute Leute und eine gute Anlage.“ Wenn die kurzfristige Finanzierung gelinge, „dann haben wir eine Daseinsberechtigung.“

Sellering betonte, die strategische Bedeutung der Werften sei von der Bundesregierung anerkannt worden. „Schiffe sind unsere Autos, deshalb brauchen wir auch Hilfe“, sagte er mit Blick auf die Opel- Unterstützung. Nachdem die Arbeiter für Mai ihre Löhne erhalten haben, seien nun die rechtlichen Voraussetzungen da, dass auch für Juni und Juli Geld fließe. Er erinnerte daran, dass die Arbeit nur bis Mitte August reiche. Er hoffe, dass der vorläufige Insolvenzverwalter es schaffe, das nötige Geld für den Weiterbau der beiden kombinierten Fracht- und Passagierfähren (Ropax) für die schwedische Stena Line zu bekommen. Den Angaben zufolge geht es dabei kurzfristig um einen Kredit von 40 Millionen Euro. Wadan hat Außenstände bei Lieferanten von rund 90 Millionen Euro.

Wadan-Geschäftsführer Brönlund sagte, dass es in diesen Tagen fast kein Arbeit mehr auf den Werften gebe. „Wir haben keine Mittel, Verbrauchsmaterialien zu kaufen.“ So gebe es beispielsweise zu wenig Gas zum Schweißen. „Wenn die Kasse leer ist, ist sie leer.“ Die Leute seien trotzdem vernünftig beschäftigt worden, das sei aber nur noch sehr begrenzt möglich. Wenn die kurzfristige Finanzierung nicht zustande komme, dann gebe es in wenigen Tagen keine Arbeit mehr.

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