Sellering verteidigt Werfthilfen

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30. März 2010, 10:58 Uhr

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hat die Hilfen für die Nordic-Werften gegen Unternehmer-Kritik verteidigt. „Schiffbau ist heute überall auf der Welt nur möglich bei staatlicher Unterstützung der Finanzierung. Die Frage ist: Wollen wir da mitmachen - oder wollen wir die an sich marktfähigen Werften in der Krise alleinlassen?“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag auf einer Konferenz in Rostock.

Mit den Transfergesellschaften könnten die Betriebe im Land die Krise überleben, sagte Sellering auf der industriepolitischen Konferenz für Mecklenburg- Vorpommern. Forschung könne zur Entwicklung neuer, schlagkräftiger Technologien beitragen.

Die Vereinigung der Landes-Unternehmensverbände (VUMV) hatte den mindestens 8,6 Millionen Euro teuren Erhalt der Nordic- Transfergesellschaft als politisch fehlgeleitet bemängelt. „Es geht aber gerade darum, dass die Werften marktfähig sind, was Preis und Qualität angeht“, entgegnete Sellering vor 140 Zuhörern in der Rostocker Industrie- und Handelskammer (IHK). Auch Liquiditätshilfen wie in Italien oder Frankreich seien nötig, denn Schätzungen zufolge würden höchstens 50 Prozent aller Werften die Auftragsflaute durchstehen. „Ich bitte um Verständnis darum, dass mir daran liegt, dass wir gegen diese Konkurrenz bestehen können.“

Neben der Kernindustrie Schiffbau müsse der Mittelstand als ökonomisches „Rückgrat“ gefördert werden. Branchen wie Medizintechnik oder erneuerbare Energien hätten gute Chancen auf Unterstützung. Die „hochkarätigen Forschungseinrichtungen, die wir haben“, müssten aber aktiver werden, forderte Sellering. Landesweit gingen erst 0,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren.

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) erklärte, vor allem das verarbeitende Gewerbe sei von der konjunkturellen Talfahrt betroffen gewesen - 2009 habe sein Anteil an der Wirtschaftsleistung im Nordosten nur bei 11,1 Prozent gelegen. „Das ist deutlich unter dem Schnitt der neuen Länder mit 16,3 Prozent und dem Bundesdurchschnitt mit 19,4 Prozent.“ Es gelte, neue Industriefelder zu erschließen.

Der Rostocker IHK-Hauptgeschäftsführer Rolf Paarmann sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Schiffbau habe nach dem Krisenende weiter gute Chancen in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben hier Technologie, die weltweit mit führend ist. Nur weil es Einigen gerade nicht gut geht, heißt das noch nicht, dass das für die ganze Branche zutrifft.“ Das Offshore-Geschäft zeige, wie sich Wissen und Erfahrung auch anders anwenden lasse.

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