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15. Dezember 2017 | 07:36 Uhr

Selbstversuch: Leben ohne Technik

vom

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2010 | 07:10 Uhr

Güstrow | Der Alltag eines Teenagers ist ohne Technik kaum vorstellbar: beim Frühstück Radio hören, mal schnell eine SMS an die Freundin schicken, nach der Schule dann gleich an den PC und Mails abrufen und nachschauen, was es Neues bei Facebook, Schülervz und Co. gibt. Ist das erledigt, kann man es sich beruhigt abends vor dem Fernseher bequem machen, um bloß nicht die Lieblingssendung zu verpassen.
Doch wie ist es, eine Woche komplett auf Technik zu verzichten? Ist das heutzutage überhaupt noch möglich, sind nicht alle schon viel zu sehr an die ganzen kleinen Geräte und technischen Schnickschnack gewöhnt? Die Schülerin Elena von Alten-Reuss aus Güstrow machte den Selbstversuch. Sieben Tage - oder anders gesagt: ganze 168 Stunden - ohne Technik. "Ich habe auf Radio, Fernseher, Telefon, MP3-Player, Mikrowelle, Computer, Wecker, Fotoapparat, Wasserkocher und Keyboard verzichtet. Auch Licht habe ich so wenig wie möglich genutzt", erzählt die 16-Jährige. Kurz gesagt: der Verzicht auf alles, was irgendwie mit Elektronik zu tun hat. Für die meisten Teenager ist das eine wahre Horrorvorstellung. Im Durchschnitt zappt ein Deutscher schließlich täglich drei Stunden durch die Kanäle. Ganz zu Schweigen von der Zeit, die zudem noch am PC draufgeht.
Auch wenn Elena angibt, weit unter diesem Durchschnitt zu liegen, machte sie doch eine überraschende Feststellung. "Ich habe es wirklich nicht erwartet, dass ich plötzlich so viel Zeit für andere Sachen haben würde. Ich bin nicht viel am PC, aber die Stunde, die ich durch den kompletten Verzicht eingespart habe, zog den Nachmittag ungewohnt in die Länge."
Doch sie wusste sich zu helfen: "Ich habe nicht nur sehr viel gelesen, sondern auch Flöte gespielt. Sehr viel Flöte", sagt die Güstrowerin. "Das habe ich schon seit Jahren nicht mehr getan, aber durch diesen Versuch habe ich wieder damit angefangen. Wenn ich keine Musik hören kann, muss ich sie eben selbst machen", erklärt sie lachend. Das Fehlen der Musik war für Elena auch das Härteste an der Woche ohne Technik. "Ansonsten ist bei mir immer Musik im Hintergrund gelaufen. Ohne war es plötzlich ruhig, richtig langweilig.", meint sie. "Ohne den Fernseher auszukommen war da wesentlich einfacher, ich schaue eh nur selten. Der Verzicht auf unseren Computer war eigentlich auch nicht schwer. Allerdings war es dumm, nicht zu wissen, ob man eine Nachricht bekommen hat."
Überhaupt musste Elena ganz normale Tätigkeiten ganz anders angehen. "Morgens hab ich mir beispielsweise das Teewasser über dem Gasherd erhitzt", sagt sie. Den ganzen Versuch hat Elena übrigens aufgrund eines Englisch-Projektes zum Thema "Technik" unternommen. Es wurde ein Freiwilliger gesucht, der sieben Tage ohne jegliche elektronische Geräte leben will - sie war die Einzige, die es versuchen wollte. Und es war vielleicht nicht die letzte technikfreie Zeit: "Gerne würde ich den Versuch noch mal machen, aber dann müsste ich entweder ganz alleine sein oder meine Familie müsste mitmachen. Es ist schon schwierig, wenn um einen herum alle ganz normal an den PC gehen und so." Bereuen tut sie das Projekt jedenfalls überhaupt nicht. "Ich denke, es war eine gute Erfahrung", sagt Elena und ihrer Meinung nach wäre sie das auch für andere - Nachmachen erwünscht.

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