Schwesig, Polzin, und Schlotmann neue Minister

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01. Oktober 2008, 01:36 Uhr

Schwerin - Zwei Frauen und ein Mann sollen nach Informationen von NDR 1 Radio MV in das Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD) einziehen. Die Schweriner Stadtvertreterin Manuela Schwesig (34) werde das bislang von Sellering geleitete Sozialministerium übernehmen, berichtete der Sender am Mittwoch. Die Nachwuchspolitikerin sei die Überraschung auf Sellerings Kabinettsliste.

Die SPD-Bildungsexpertin Heike Polzin (52) solle Nachfolgerin von Finanzministerin Sigrid Keler werden, hieß es weiter. SPD-Fraktionschef Volker Schlotmann (51) soll Verkehrsminister Otto Ebnet nachfolgen.
Sellering selbst will sich am Montag im Landtag als neuer Regierungschef zur Wahl stellen. Ministerpräsident Harald Ringstorff scheidet am Freitag zusammen mit Keler und Ebnet (alle SPD) aus dem Amt.

Die SPD-Landtagsfraktion kam am Mittwochvormittag zu einer Sitzung zusammen. Zu den Beratungen wollte eine Sprecherin nichts sagen. Sellering will seine Minister-Kandidaten am Mittag öffentlich vorstellen. Wer künftig die Fraktion führen wird, ist noch unklar. Für den Vorsitz sind laut NDR die Abgeordneten Norbert Nieszery und Rudolf Borchert im Gespräch. Mit den neuen Ministerinnen säßen neben dem neuen Regierungschef künftig drei Frauen am Kabinettstisch. Das Justizressort wird seit 2006 von Uta-Maria Kuder (CDU) geleitet.


Die neuen Minister im Porträt


Volker Schlothmann: Beharrlich und loyal bis ins Ministeramt
Mit seiner Berufung zum Verkehrsminister Mecklenburg-Vorpommerns kehrt Volker Schlotmann (SPD) gewissermaßen zu seinen beruflichen Ursprüngen zurück. Nach seiner Lehre als Binnenschiffer hatte der gebürtige Duisburger auf Rhein und Ruhr als Steuermann gearbeitet. Die Entwicklung der Schifffahrt, die ein wesentlicher Wirtschaftszweig im Nordosten ist, wird künftig mit zu seinen Aufgaben gehören. Schlotmann wohnt heute in einem Dorf am Salzhaff nördlich von Wismar, ist verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder.

Als langjähriger Chef der SPD-Landtagsfraktion hat er maßgeblich dafür gesorgt, dass die von Harald Ringstorff geführten Landesregierungen seit 1998 in meist ruhigem Fahrwasser schippern konnten. Die Fraktion trug loyal alle Entscheidungen der Regierung mit, Kritik drang kaum nach außen. Der Aufstieg Schlotmanns auf die Regierungsbank gilt auch als Lohn dieser Arbeit.

Der heute 51-Jährige war nach dem Besuch der Sozialakademie Dortmund und einem Politikstudium in Hamburg 1988 hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär geworden, zunächst für die Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft in Bayern und ab 1990 dann in Mecklenburg-Vorpommern. 1994 wurde Schlotmann über die Landesliste in den Landtag Mecklenburg-Vorpommern gewählt, dem er seither ununterbrochen angehört. 1996 stieg er zum parlamentarischen Geschäftsführer, 1998 zum Fraktionsvorsitzenden auf.



Heike Polzin: Garantin für soliden Haushaltskurs
Mit der Benennung von Heike Polzin als neue Finanzministerin setzt der künftige Regierungschef Erwin Sellering auf Kontinuität in der Haushaltspolitik Mecklenburg-Vorpommerns. Die frühere Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung gilt als besonnen und beharrlich. Nach Ansicht Sellerings ist die 52-Jährige Garantin dafür, dass der von ihrer Vorgängerin Sigrid Keler (alle SPD) eingeschlagene Weg der Haushaltskonsolidierung und des Schuldenabbaus weiter beschritten wird. Zuletzt waren auch aus der SPD-Fraktion Forderungen nach Abstrichen am Sparkurs laut geworden.

Polzin, die verheiratet und Mutter zweier Kinder ist, war 1998 über die Landesliste der SPD erstmals in den Landtag gewählt worden, später auch als Direktkandidatin. Seit 2002 ist sie stellvertretende Fraktionschefin. Ihr bisheriges Betätigungsgebiet war die Bildungspolitik. Sowohl mit der Linken, die acht Jahre lang Regierungspartner der SPD in Schwerin war, als nun auch mit der CDU handelte sie nicht immer unumstrittene Reformen für das Schulwesen aus.

Die in Wismar geborene und heute im benachbarten Warin lebende Politikerin gehörte bis zur Wende keiner Partei an. 1990 trat sie der SPD bei und engagierte sich zunächst in der Kommunalpolitik.Seit 2001 ist sie SPD-Kreisvorsitzende in Nordwestmecklenburg. Zwischenzeitlich hatte sie auch dem SPD-Landesvorstand angehört.


Manuela Schwesig: Junge Frau mit Durchsetzungskraft
Manuela Schwesig als neue Sozialministerin ist die Überraschungskandidatin im künftigen Kabinett von Erwin Sellering. Nur fünf Jahre nach ihrem Eintritt in die SPD rückt die 34-Jährige in die Regierungsmannschaft Mecklenburg-Vorpommerns auf. Als Mitglied des SPD-Landesvorstandes gehörte sie aber bereits zum engsten Führungszirkel von Landesparteichef Sellering.

Die bislang im Finanzministerium beschäftigte Diplom-Volkswirtin ist verheiratet und Mutter eines Kindes. Zu ihren Hobbys zählt sie Sport und Kultur. Mit ihrem politische Credo „Ich stehe für ein familienfreundliches Schwerin“ empfahl sie sich bereits für ihre neue Aufgabe.Bisher machte sich Schwesig, die 1974 in Frankfurt (Oder) geboren wurde und in Königs Wusterhausen bei Berlin studierte, vor allem als Fraktionsvorsitzende in der Schweriner SPD-Stadtfraktion einen Namen. 2004 war sie in das Stadtparlament gewählt worden, im Oktober 2007 übernahm sie den Vorsitz der Fraktion.

Parteifreunde schätzen an ihr Konsequenz und Verlässlichkeit.Nach dem bundesweit für Aufsehen sorgenden Hungertod der kleinen Lea-Sophie im November vergangenen Jahres setzte sich Schwesig mit an die Spitze jener Kräfte in der Stadt, die eine konsequente Aufdeckung der Versäumnisse in den zuständigen Ämtern und der Verwaltungsspitze forderten. Als nach der Abwahl des CDU-Oberbürgermeisters Norbert Claussen ein neuer Verwaltungschef gesucht wurde, war auch ihr Name im Gespräch.Schwesig hatte bereits 2006 zum Sprung in die Landespolitik angesetzt, war bei der parteiinternen Listenaufstellung für die Landtagswahl aber von einem aussichtsreichen Platz nach hinten durchgereicht worden. Ihre politische Karriere konnte das aber nicht aufhalten.

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