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Schwerins Schatz besser präsentieren

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erstellt am 07.Okt.2010 | 06:57 Uhr

Altstadt | Die ersten Schritte dafür sind getan, dass das historistische Schweriner Schlossensemble auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes kommt, doch viele weitere sind noch nötig, damit dieses ehrgeizige Ziel erreicht wird. Das wurde gestern auf der Expertenkonferenz deutlich, zu der sich Fachleute aus ganz Deutschland in Schwerin getroffen hatten, um über Chancen, Wege und Aufgaben für ein erfolgreiches Antragsverfahren zu beraten. Grundlage der Debatten war das 107-seitige Gutachten, das der Kunsthistoriker Prof. Dr. Christofer Herrmann im Auftrag der Landeshauptstadt vorgelegt hatte.

Einig waren sich die Experten mit Politikern wie Landtagsvizepräsident Andreas Bluhm, Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und Kultusminister Henry Tesch darin, dass der Antrag für die Unesco qualifiziert, umsichtig und rasch vorbereitet werden soll. Denn Schwerin hat gute Chancen. "Dieses Ensemble des Historismus ist einzigartig, ist ohne Vergleich, zumindest in Europa", erläuterte Prof. Herrmann. "Es erfüllt alle wichtigen Kriterien der Unesco für ihre Welterbeliste: Es ist von universellem Wert, es ist authentisch und verbindet Architektur, Gartenkunst und geschützte Natur. Und es war und ist in direkter Linie über Jahrhunderte politisches Zentrum", so der Kunsthistoriker. Giulio Merano, Präsident des Deutschen Nationalkomitees des Internationalen Denkmalrates Icomos, brachte die Expertenmeinung auf den Punkt: Das Schweriner Schloss sei es wert, den Titel "Welterbe" zu bekommen.

Dennoch müssen Stadt und Land noch Hausaufgaben machen, damit die Erfolgsaussichten des Antragsverfahrens wachsen. Dazu gehöre in erster Linie die Aufwertung des Denkmalschutzes in den so genannten Pufferzonen, die sich an das Historismus-Areal direkt anschließen. "Wir sind da schon gut vorangekommen", sagte OB Gramkow. Die Altstadt und die Werdervorstadt seien bereits als Denkmalschutzgebiete ausgewiesen, für die angrenzenden Teile der Feldstadt werde dieser Status vorbereitet. Auch Kultusminister Tesch konnte berichten, dass das Land viel Kraft in die Instandsetzung und Pflege seiner Gebäude und Gärten investiere. 110 Millionen Euro seien in die Sanierung des Schlosses und des Schlossgartens geflossen, derzeit laufe die letzte Phase der Komplettsanierung des Staatstheaters, die Erneuerung des Alten Gartens habe begonnen.

Auseinandersetzung um modernes Bauen in Pufferzonen

Mit Spannung war die Auseinandersetzung um modernes Bauen in denkmalgeschützten Bereichen erwartet worden. Gab es doch Unsicherheiten, ob Bauwerke wie das neue IHK-Gebäude, das Wallenstein oder die Bebauung des Waisengärtenareals die Unesco-Bewerbung torpedieren würden. Doch auch da waren sich die Fachleute einig: Die Titelvergabe wird durch sensibles Bauen mit hochwertiger Architektur nicht negativ beeinträchtigt.

Klar ausgesprochen wurde indes, dass mit dem Status Welterbe nicht nur positive Marketing-Effekte und touristische Magnetwirkung einhergehen, sondern auch zusätzliche Aufgaben und Kosten. So verlangt die Unesco so genannte Monitoring-Protokolle, die Auskunft über die Einhaltung der Kriterien geben, einen sensiblen Umgang mit Umbauten, etwa im Schloss, und die Einbeziehung der Bevölkerung in Pflege und Erhaltung der geschützten Objekte. Interessenkonflikte mit Anwohnern und Unternehmern seien da programmiert, berichtete Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh von seinen Erfahrungen im Umgang mit dem Unesco-Welterbe Schlösser und Gärten in Potsdam und Berlin.

Dennoch wollen Stadt und Land die Bewerbung vorantreiben. Bis zur nächsten Konferenz im November 2011 soll entschieden werden, ob Schwerin den Sprung auf die Liste allein oder gemeinsam mit Objekten anderer Länder in einem "seriellen Antrag" angehen soll.

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