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21. September 2017 | 14:25 Uhr

Schwerins Kultur braucht Visionen

vom

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erstellt am 25.Jun.2010 | 07:49 Uhr

Schwerin | Nach der umjubelten Premiere der Schlossfestspiele gestern Abend auf dem Alten Garten sind Kunst und Kultur wieder in aller Munde in Schwerin. Und damit flammt erneut die Diskussion um deren Stellenwert in der Kommunalpolitik und um nachhaltige Konzepte auf. An der Basis regt sich Unmut über "Besitzstandswahrung" und "eingefahrene Gleise", die Stadtvertwaltung wird kritisiert, nicht ausreichend konzeptionell tätig zu werden und nicht mit den Kulturmachern an einem Strang zu ziehen. Angeregt wird ein öffentliches Kulturforum.

Das von der Stadtvertretung gerade abgelehnte Kulturentwicklungskonzept sei am grünen Tisch gestrickt und nicht mit den Vereinen, Verbänden und Institutionen der Branche erarbeitet worden, beklagen die Kritiker. "Das Papier erfüllt weder die Anforderung, grundsätzliche Ziele der Kulturpolitik für die nächsten Jahre zu skizzieren noch als Grundlage für kulturpolitisches Handeln zu dienen", fasst SPD-Stadtvertreter und Kulturexperte Rudolf Conrades zusammen.

Doch wohin soll die Reise gehen? Ein "Weiterso" sei unbeschadet dessen, dass Schwerin auf kulturellem Gebiet eine Menge zu bieten habe, zu wenig, argumentiert Holger Reschke, Geschäftsführer der Schule der Künste. Selbst angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt müsse es nicht vordergründig darum gehen, zu retten, was zu retten sei, sondern sich Neuem zu öffnen.

Kulturferne Gruppen mit neuen Ideen erreichen

Die Stadt sollte sich mit den Konsequenzen allgemeiner Entwicklungstrends wie Globalisierung auseinandersetzen und in der kulturellen Bildung berücksichtigen. Zukünftig müsse stärker versucht werden, diejenigen für kulturelle Angebote zu gewinnen, die diese bislang nicht oder kaum nutzen. Wie dies zu erreichen ist, sollte in gemeinsamer Diskussion erarbeitet werden.

"Wir brauchen in Schwerin eine neue Gesprächskultur und müssen Räume für den kreativen Diskurs schaffen", fordert Stadtvertreter Conra des. Nur wenn Vielfalt, wenn das Zusammenleben von Ur-Schwerinern, Kriegsflüchtlingen, Neu-Schwerinern aus der Zeit der sozialistischen Industrialisierung und der Nachwendezeit, Migranten und Ausländern als Potenz begriffen werde, komme die Stadt voran. Ein Kulturforum wäre ein geeigneter Weg, strategische Konzepte zu entwickeln. Dolores Smith, Kulturwissenschaftlerin aus Münster, die oft in Schwerin arbeitet, gibt ihm Recht: "Nachhaltige Entwicklungsplanung kann nur vor Ort mit den beteiligten Akteuren und Experten erörtert werden."

"Das Problem Schwerins ist, dass man nicht nach draußen schaut, sich nicht mit anderen misst und nicht den Dialog sucht", erläutert Conrades. Die aus Frankreich stammende und jetzt in Schwerin lebende Kulturwissenschaftlerin Cécile Bonnet erinnert deshalb an das kürzlich von Marsailles Kultursenatorin bei ihrem Schwerin-Besuch unterbreitete Angebot an die Stadt, sich mit eigenen Präsentationen 2013 in die Festivitäten der Kulturhauptstadt Europas einzubringen und Anregungen zu holen.

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