zur Navigation springen

Human Med AG produziert weltweit : Schweriner vor Medizin-Sensation

vom

Heute wird der "body-jet" made in Schwerin weltweit eingesetzt. Die Human Med AG nutzt dafür Vertriebspartner und Händler vor Ort, jüngst auch in China. In den USA hat das Unternehmen eine eigene Niederlassung.

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2011 | 10:39 Uhr

Mit Mundschutz, Handschuhen und weißem Schutzanzug befestigen Frauen Plastikschläuche an Kunststoff. Große Glasscheiben trennen ihren staubfreien, nahezu sterilen Raum vom gegenüberliegenden Produktionsbereich, an dem der eigentliche Körper des "body-jet" an verschiedenen Tischen überwiegend von Hand hergestellt wird. Das Instrument zur plastischen Chirurgie ist eigentlich zur Fettabsaugung entwickelt worden, basierend auf der Idee des Wasserstrahl skalpells, das ebenfalls im Schweriner Technologie- und Gewerbezentrum in der Gartenstadt erdacht wurde. "Wasser trennt sanft auseinander, statt hart zu zerstören", sagt der Vorstand der Human Med AG, Arnd Kensy. Der Wasserstrahl hole schonend das Fett aus dem Gewebe. Ein Weltmarkt.

Den Durchbruch schaffte das Unternehmen mit der Möglichkeit, die entnommenen Fettzellen kurzfristig zu erhalten. Mit dem "body-jet" können diese je nach Bedarf an anderen Stellen wieder eingesetzt werden. Hyaluronsäure oder Botox für schöne Gesichter? Silikon für Brüste? "Wer will schon Gifte oder Implantate? Mit unserer Technik ist das nicht mehr nötig", sagt Kensy.

Doch der Schönheitsmarkt war nicht der Ansatzpunkt für die Schweriner Medizintechnik. Vielmehr sei es um Hilfen für unversorgte Brustkrebspatientinnen gegangen. "Dr. Ueberreiter, plastischer Chirurg in der Asklepios-Klinik Birkenwerder, hat es als erster geschafft, mit dem von uns entwickelten Gerät, also durch ,unser flüssiges Fett, das normale, natürliche Aussehen der Brust wieder herzustellen, nachdem der Frau diese wegen einer Krebserkrankung entfernt werden musste", berichtet Kensy. "Er hatte die Idee und wir das Gerät dazu", fasst es der Human Med-Vorstand bescheiden zusammen.

Die erfolgreiche Methode wurde schnell von der Schönheitsindustrie entdeckt. Mit zwei so genannten Prozeduren sei Kensy zufolge eine Vergrößerung um eine Körbchengröße mit Hilfe des körpereigenen Fetts zu erreichen. Laut Kensy wurde im Dezember eine Studie über die Brustvergrößerung nach dieser Methode veröffentlicht. Mehr als 300 weitere Behandlungs ergebnisse lägen bereits vor. Das Interesse daran ist groß. Kensy zufolge ist allein die dazu erstellte Pressemitteilung zum Jahresende innerhalb von 14 Tagen mehr als 100 000-mal aus dem Internet heruntergeladen worden. "Das zeigt auch, dass wir wirklich starke Verkaufsargumente für unsere Produkte haben", sagt der Vorstand.

Heute wird der "body-jet" made in Schwerin weltweit eingesetzt. Die Human Med AG nutzt dafür Vertriebspartner und Händler vor Ort, jüngst auch in China. In den USA hat das Schweriner Unternehmen eine eigene Niederlassung - im texanischen Dallas. "Schwerin wird aber unser weltweit einziger Produktionsstandort bleiben", sagt Kensy. "Gegebenenfalls müssen wir über eine Erweiterung nachdenken." Kein Wunder, denn trotz Wirtschaftskrise - "in den USA lässt sich derzeit kaum etwas verkaufen", so der Unternehmenschef - hat die Schweriner Aktiengesellschaft ein erfolgreiches Jahr 2010 hinter sich. Der Umsatz der mehr als 50 Mitarbeiter zählenden Firma konnte um mehr als 50 Prozent gesteigert werden. Im Jahr 2006, als Kensy ins Unternehmen kam, waren in der Gartenstadt gerade einmal 25 Mitarbeiter tätig. Inzwischen bildet das Unternehmen sogar auch selbst aus. "Wir sind vermutlich das einzige Unternehmen in der Branche der ästhetischen Medizintechnik, das ohne Fusion oder Übernahme ein Umsatzwachstum erreicht hat", sagt Kensy stolz. Und vielleicht führt der gegenwärtige Erfolgskurs die Schweriner Human Med AG in naher Zukunft sogar an die Börse…

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen