Schweriner Kita-Preise auf hohem Niveau

Die Kinderbetreuung in Schwerin, wie hier in der Rappelkiste, hat ein hohes Niveau. Laut Bundesvergleich allerdings auch im Preis.
Die Kinderbetreuung in Schwerin, wie hier in der Rappelkiste, hat ein hohes Niveau. Laut Bundesvergleich allerdings auch im Preis.

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20. März 2008, 09:18 Uhr

Schwerin - In Heilbronn ist die Kinderbetreuung kostenfrei. Seit Januar dieses Jahres verzichtet die Stadt komplett auf die Elternbeiträge. Kein Wunder also, dass Heilbronn bei der jetzt veröffentlichten Studie der Zeitschrift „Eltern“ und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in allen Vergleichskategorien den Spitzenplatz einnimmt.
Weitere 24 der 100 von Experten der IW Consult analysierten bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands stellen das aus pädagogischen Gründen besonders wichtige letzte Kindergartenjahr beitragsfrei. Damit ist klar, dass sich Schwerin nicht unter den günstigsten Städten befinden kann. Denn in der Landeshauptstadt gibt es keinen beitragsfreien Kindergartenbesuch.

Da in Schwerins Kindergärten aber auch keine Staffelung der Beiträge nach dem Einkommen – und damit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit – der Eltern angeboten wird, rutscht die Stadt im Gebühren-Ranking auf die hinteren Plätze.

Verglichen wurden die Kosten für die Halbtagsbetreuung und die daraus resultierenden Belastungen für die Eltern, abhängig von deren Einkommen. Gerechnet wurde anhand des Bruttojahreseinkommens von 25 000, 45 000 und 80 000 Euro. Da es in Schwerin dabei keine Unterschiede gibt – außer bei der Geschwisterkinderermäßigung – kommt die Stadt stets mit durchschnittlich 1064 Euro pro Jahr in die Wertung. Im Schnitt zahlen Eltern mit mittlerem Einkommen und einem Kind bundesweit 968 Euro pro Jahr. Das beschert der Landeshauptstadt beim Elterneinkommen von 25 000 Euro im Jahr den 68. Platz.

Zum Vergleich: Rostock landet mit seinen 605 Euro immerhin auf Platz 58. Beim Beispieleinkommen von 45 000 Euro belegt Schwerin den 75. Platz (Rostock Platz 7). Bei den besser Verdienenden – 80 000 Euro Jahresbrutto – erreicht Schwerin Platz 30 (Rostock Platz 6).

Laut Auskunft des Schweriner Jugendamtes handelt die Stadt mit jedem Träger für jede Einrichtung leistungsbezogene Entgelte unter Berücksichtigung des individuellen Aufwandes in jeder Einrichtung aus. Landesweit würden Entgeltverhandlungen unabhängig vom Einkommen getroffen. Entsprechend des Kindertagesstättenfördergesetzes sind aber Ermäßigungen möglich. Die Höhe des Elternbeitrages sei Bestandteil der Verträge.

„Bei etwa 40 Prozent aller in den Kitas betreuten Kindern fallen überhaupt keine Elternbeiträge an, weil die Eltern oder die allein erziehende Mutter mit ihrem Einkommen unter die Bemessungsgrenze fallen“, sagte Dezernent Dr. Wolfram Friedersdorff (Linke). Das finde in der Studie keine Berücksichtigung. Auch wäre in Schwerin vor allem die Ganztagsbetreuung gefragt – im Kindergarten ist sie von 57 Prozent im Jahr 2001 auf nunmehr 67 Prozent gestiegen, in der Krippe von 58 Prozent auf heute 70 Prozent.

„Wenn die Studie von Modellversuchen spricht, die Kita bereits von 6.30 Uhr an zu öffnen, so ist das in Schwerin schon lange die Regel“, sagte Friedersdorff. Ein Verzicht auf Elternbeiträge, wie in 24 der untersuchten Städte, sei angesichts der Finanzlage Schwerins und der fast 100-prozentigen Versorgung allerdings illusorisch, so der Vize-Oberbürgermeister.

Dass die Gebühren kommunaler Kindergärten in Deutschland variieren, ist zwar nicht neu. Wie gewaltig aber die Unterschiede im Bundesgebiet tatsächlich sind, macht jetzt erstmals die Untersuchung transparent. Die Studie zeigt, dass Durchschnittsverdiener je nach Stadt viel Geld in die Hand nehmen müssen, wenn sie ihren Nachwuchs in die Kita schicken. Die Studie belegt, dass die Höhe der Elternbeiträge auch nach Bundesländern zum Teil extrem variiert: Kommunen aus nördlichen Bundesländern belasten Bezieher geringer, mittlerer und hoher Einkommen im Durchschnitt höher als Kommunen aus südlichen Bundesländern.

In Nord- und Ostdeutschland sind die Einrichtungen für Geringverdiener oft kaum erschwinglich. Lübeck beispielsweise bittet Eltern mit geringem Familieneinkommen mit 1692 Euro pro Jahr für ein Kind zur Kasse. Das heißt: Diese Eltern müssen für den Kindergarten bis zu sieben Prozent ihres Jahreseinkommens ausgeben.

Hessische und sächsische Kommunen belasten sowohl Bezieher mittlerer als auch hoher Einkommen am wenigsten. Im Saarland, in Berlin, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz bleibt immerhin das letzte Kindergartenjahr kostenfrei, analysiert die Studie.

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