Schweriner fürchten Dauer-Zaun - Bürgerinitiative lehnt Umzäunung des Schlossgartens nach Buga ab

Der Buga-Bereich um den Marstall ist bereits eingegittert. Schweriner fürchten, dass ähnliche Absperrungen auch über die Gartenschau hinaus bestehen bleiben. Foto: Reinhard Klawitter
Der Buga-Bereich um den Marstall ist bereits eingegittert. Schweriner fürchten, dass ähnliche Absperrungen auch über die Gartenschau hinaus bestehen bleiben. Foto: Reinhard Klawitter

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19. August 2008, 09:52 Uhr

Schwerin - Wenn die Buga im April 2009 startet, wird der Schlossgarten auf jeden Fall umzäunt und nachts geschlossen sein: Schweriner dürfen ihn dann bis zum Ende der Schau im Oktober nur zwischen 6 und 8.30 Uhr kostenfrei passieren. Die Alternative kostet Geld: 16 Euro am Tag oder 90 Euro für eine Dauerkarte, wie die Buga GmbH gestern noch einmal bestätigte.

Was mit dem Zaun nach der Gartenschau passieren soll, ist offiziell zwar noch nicht entschieden. Doch je näher das Ereignis rückt, umso größer wird bei vielen Schwerinern die Sorge, dass die Einfriedung dauerhaft stehen bleiben könnte. 18

Für Gerhard Reichert, Sprecher der Bürgerinitiative Offener Schlossgarten, wäre das eine Katastrophe: „Auch eine zeitweilige Sperrung des Schlossgartens nach Ende der Buga etwa in der Nacht wäre für uns vollkommen inakzeptabel.“

Vergleiche, die den Schweriner Barockgarten mit dem Sanssouci-Park in Potsdam oder den Anlagen um das Versailler Schloss bei Paris gleichsetzten, wo nächtliche Absperrungen üblich sind, seien irreführend, so Reichert.

„Der Schlossgarten ist Verkehrsraum und Naherholungsgebiet mitten in der Landeshauptstadt.“ Ein Aufenthalts- oder Durchquerungsverbot würde nicht nur das Schlossgartenviertel abnabeln, sondern auch Verkehrsströme zwischen dem Dreesch und der Innenstadt empfindlich stören. Reichert: „Wir brauchen eine breite Diskussion, wie nutzbar der Schlossgarten für die Schweriner nach der Buga sein soll.“

Zwar könnte die Bürgerinitiative nachvollziehen, wenn besonders schützenswerte Bereiche innerhalb des Gartens eingezäunt würden. „Aber ein phasenweise komplett abgeschlossenes Naturmuseum, in dem gar kein Raum mehr für Freizeitaktivitäten ist, lehnen wir ab.“ Beunruhigend findet Reichert, „wie still es um das Thema geworden ist“.

Das Land, Eigentümer des Schlossgartens, kann die Sorgen nicht verstehen. „Es gibt keinerlei Pläne für einen dauerhaften Zaun um den Schlossgarten, womit sich auch die Frage nach zu entrichtenden Entgelten erübrigt“, hieß es gestern auf SVZ-Anfrage aus dem Ministerium.

„Unser Planungsstand ist, dass wir den Zaun nach der Gartenschau wieder abbauen werden“, sagt auch Buga-Sprecher Gert Steinhagen. Tatsächlich hat Bauminister Otto Ebnet (SPD) immer wieder betont, dass es mit ihm keine permanente Absperrung geben werde.

Denkmal-Experte will Vandalismus vorbeugen
Doch: Otto Ebnet wird sein Amt wie berichtet im Oktober abgeben und einem neuen Ressortchef Platz machen. Fakt ist zudem, dass es in der Landesverwaltung durchaus Befürworter eines dauerhaften Zauns gibt.

So hatte sich Stephan Wenzl, heutiger Leiter der Referatsgruppe Staatshochbau und Liegenschaften im Verkehrsministerium, in seiner früheren Funktion als Schweriner Leiter des landeseigenen Betriebes für Bau und Liegenschaften 2007 für eine solche Lösung ausgesprochen: „Ich erachte dies für dringend notwendig, um die Kulturschätze, in die insgesamt mehr als sechs Millionen Euro öffentlicher Gelder investiert werden, zu bewahren“, so Wenzl.

Denn gerade nachts käme es im Schlossgarten immer wieder zu Verwüstungen an Bänken, Pflanzen und Skulpturen, die jährlich Schäden von rund 50 000 Euro verursachen würden. Allerdings sollten die Besucher nach 2009 keinen Eintritt zahlen müssen. Entschieden werden müsse diese Fragen jedoch auf politischer Ebene, fügte Wenzl seinerzeit hinzu.

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