Schweriner Fernsehkanal sendet Scientology-Videos

von
09. April 2010, 08:21 Uhr

Schwerin | Scientology in Schweriner Wohnzimmern. Das Einfallstor: Ahnunglose Fernsehmacher des Privatsenders "aveo tv". Seit Monaten strahlt der Kanal, der mit seinen Sendungen nach eigenen Angaben im Bereich Westmecklenburg insgesamt fast 54 000 Haushalte erreicht, 30 Kurzfilme aus, in denen es vordergründig um die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen geht. Hinter diesen Videos über Toleranz und Frieden steht nach Recherchen unserer Zeitung aber die seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtete Scientology-Organisation.

Der "aveo tv"-Chefredakteur zeigte sich von dieser Information gestern überrascht und bestürzt. "Von einer möglichen Verbindung zu Scientology haben wir nichts gewusst, keinesfalls war es unsere Absicht, für deren Ziele zu werben", so Falk Schettler. Er räumte ein, die Quellen des Bildmaterials, das dem Sender kostenlos angeboten worden sei, nicht geprüft zu haben. "Wir haben die Filme als Programm-Füller gesendet, weil sie gut produziert sind und inhaltlich zunächst unverfänglich scheinen", erklärte Schettler. Doch kündigte er zugleich an, die Filme umgehend absetzen und deren Herkunft prüfen zu wollen.

Hätten die "aveo"-Verantwortlichen dies früher getan, wären sie wohl sofort stutzig geworden. Denn beim Aufruf der in jedem der Kurzfilme beworbenen Internetadresse wird die Verbindung zu Scientology schnell offenkundig. Dort räumen die Verfasser selbst ein, dass die Initiative "Jugend für Menschenrechte" von Mitgliedern der Organisation ins Leben gerufen worden sei. Und auf einer offiziellen Internetseite von Scientology heißt es, dass die Filme der Initative vom eigenen Menschenrechtsbüro finanziert worden seien.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor der Kampagne. "Es handelt sich hier um einen weiteren Versuch, insbesondere junge Menschen an Scientology zu binden", sagte Sprecherin Dr. Tania Puschnerat auf SVZ-Anfrage. Die Menschenrechte seien bereits seit Jahren propagandistischer Schwerpunkt der Organisation. Die Initiative "Jugend für Menschenrechte", der deutsche Ableger der US-amerikanischen "Youth for Human Rights International", sei in Deutschland auch mit Infoständen, Flyern und Broschüren aktiv, vor allem in Bayern, Berlin und Hamburg, ist im Verfassungsschutzbericht 2008 nachzulesen.

Sekten-Experten sehen darin den Versuch, gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen und das schlechte Image von Scientology zu verbessern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen