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Nur wenige Stellen bei Bundesfreiwilligendienst schon unter Vertrag : Schwerin: Schwacher "Bufdi"-Start

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Der Bundesfreiwilligendienst ist in MV noch nicht in Gang gekommen. Seit dem 1. Juli stehen bundesweit bei Vereinen und Verbänden für die Freiwilligen des kurz "Bufdi" genannten Dienstes bereit.

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erstellt am 04.Jul.2011 | 11:22 Uhr

Der Bundesfreiwilligendienst ist in MV noch nicht in Gang gekommen. Seit dem 1. Juli stehen bundesweit bei Vereinen und Verbänden, in Pflegeheimen, Schulen und Kitas Plätze für die neuen Freiwilligen des kurz "Bufdi" genannten Dienstes bereit. Der Paritätische Wohlfahrtsverband, dem im Land rund 200 gemeinnützige Organisationen angehören, könnte im ersten Jahrgang 57 Freiwillige aufnehmen. "De facto haben wir keinen", sagte die Geschäftsführerin Christina Hömke. Bei den 16 Einrichtungen, die sich innerhalb des Verbandes als Träger für den Bundesfreiwilligendienst gemeldet haben, hätten sich bisher zwei Freiwillige gemeldet, aber noch keinen Vertrag unterzeichnet.

In ganz Deutschland haben laut Bundesfamilienministerium 3000 Freiwillige einen Vertrag in der Tasche. 14 300 Zivildienstleistende verlängerten ihren Dienst, so dass der Bundesfreiwilligendienst mit 17 300 Menschen startete. Wie viele Freiwillige sich in den einzelnen Bundesländern meldeten, konnte das Ministerium nicht sagen. 2012 sollen 35 000 Plätze zur Verfügung stehen und damit zumindest etwas den Verlust der einst 90 000 Zivildienstleistenden wettmachen.

Dienst kein Ersatz für die "Zivis"

Für die Diakonie in MV ist der neue Dienst aber kein Ersatz für die "Zivis". Sie seien schon ersetzt worden, als die Dienstzeit auf ein halbes Jahr reduziert wurde, sagte Sprecher Carsten Heinemann in Schwerin. Die Arbeit in der Altenhilfe, der Pflege, in Krankenhäusern und Kitas sei Beziehungsarbeit. "In einem halben Jahr sind keine Beziehungen aufzubauen", sagte Heinemann. Deshalb wurden statt der Zivis junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) für die Stellen gewonnen. Die Mitglieder im Paritätischen Wohlfahrtsverband hätten viele Stellen, etwa im Behindertenfahrdienst, an Rentner übertragen oder in Minijobs umgewandelt, sagte Hömke. Die Diakonie hat Heinemann zufolge 120 Plätze für Bundesfreiwillige. Ganze vier seien zum 1. Juli besetzt worden.

Der Verein Gartenhaus in Stralsund, der psychisch Kranke in Wohnheimen und einer Tagesstätte betreut, hatte zwei Bewerber, wie Verwaltungsleiter Thomas Nehls sagte. Einem jungen Mann aus Süddeutschland habe er absagen müssen, weil er ihm keine Unterkunft bieten konnte. Für eine zweite, ältere Bewerberin sei die finanzielle Situation unklar gewesen. "Wir müssen die Zivis ersetzen", sagte Nehls.

In der Stadtverwaltung Rostock werden demnächst drei Freiwillige im Schulamt sowie einer im Amt für Umweltschutz beginnen. "Da fehlen nur noch die Unterschriften des Bundes", sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze. Weitere Bewerbungen lägen vor, insgesamt seien es derzeit 17 Interessenten zwischen 18 und 68 Jahren. Der 68-Jährige wolle im Umweltschutz arbeiten, hieß es.

Dass sich auch Ältere für den Bundesfreiwilligendienst bewerben können, ist einer der größten Unterschiede zwischen dem neuen Dienst und dem vor 20 Jahren begründeten Freiwilligen Sozialen Jahr für junge Leute bis 27. Zudem könne der Bundesfreiwilligendienst bis zu 24 Monate dauern, beim FSJ ist nach einem Jahr Schluss. Die Bezahlung liege etwa auf demselben Niveau. Beim Bundesfreiwilligendienst werden bis zu 330 Euro Taschengeld gezahlt und Kosten für Fahrten, Unterkunft und Verpflegung ersetzt.

Neuer Dienst zu wenig bekannt

Dass die Bewerbungen so verhalten sind, hat nach Ansicht von Christine Hömke verschiedene Gründe. Wer bisher keinen Wehrdienst leisten wollte, kam am Zivildienst kaum vorbei. "Dieser Druck ist jetzt weg", sagte sie. Der neue Dienst sei noch wenig bekannt, es gebe auf dem Lande keine Werbung dafür und mit Geld könne er auch nicht locken. Das Freiwillige Soziale Jahr dagegen sei eingespielt, die Ansprechpartner vor Ort. "Jungen Menschen würden wir immer das FSJ empfehlen", sagte auch Diakonie-Sprecher Heinemann. Zu beiden Freiwilligendiensten gehören laut Hömke Seminare. Diese müssten von den Bundesfreiwilligen in den einstigen Zivildienstschulen geleistet werden.

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