Schwarzer Mann sieht Rot

Ein Glücksbringer war der Schwarze Mann dieses Mal nicht. Doch er selbst hatte vor Gericht auch kein Glück. Foto: Michael-Günther Bölsche
Ein Glücksbringer war der Schwarze Mann dieses Mal nicht. Doch er selbst hatte vor Gericht auch kein Glück. Foto: Michael-Günther Bölsche

Der Vorfall löste selbst in der Handwerker-Innung Unverständnis und Empörung aus: Ein Bezirks-Schornsteinfegermeister hatte sich geweigert, den Antrag eines jungen Paares für eine Gasheizung zu bearbeiten - weil die vom Hausbesitzer beauftragte Heizungsfirma Schulden bei dem Schwarzen Mann habe. Das ist Nötigung, befand jetzt das Amtsgericht Schwerin und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung.

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14. November 2008, 08:30 Uhr

Schwerin | Ohne Heizung ist es jetzt selbst im schönsten Haus ungemütlich, oder treffender gesagt, nicht auszuhalten. Das war auch vor gut 20 Monaten so, im März 2007. Ein junges Paar hatte in der Nähe von Schwerin ein kleines Einfamilienhaus erworben, das soeben über den Rohbau hinaus war. Als Strom und Wasser flossen, die Räume gemalert waren, sollte eine Gasheizung für woh lige Wärme sorgen, damit es mit dem dreijährigen Sohn in die eigenen vier Wände gehen konnte.

Doch jetzt passierte die Sache mit dem im Dorf zuständigen Bezirks-Schornsteinfegermeister. Ihm war der ordnungsgemäß ausgefüllte Antrag für eine Gasheizung Ende Februar mit der Post zugeschickt worden. Knapp zwei Wochen lang tat sich gar nichts. Als der Bauherr nach mehreren Versuchen endlich den Mann in Schwarz erreichte, beschied der dem verblüfften Anrufer, er werde den Antrag nicht bearbeiten. Die vom Hausbesitzer beauftragte Heizungsfirma habe bei ihm noch Schulden, er solle sich gefälligst eine andere suchen, die die Anlage installiert. Bei den Schulden handelte es sich übrigens um eine fragwürdige Mahngebühr von 1,63 Euro.

Damit sich der Einzug nicht weiter verzögert, legte der Bauherr wenige Tage später einen neuen Gasantrag vor, von einer anderen Firma mit entsprechender Konzession. Doch auch den wies der Schwarze Mann mit der Bemerkung ab, dieses Papier sei nur zum Schein, die Arbeit würde sowieso der vorherige Heizungsbauer ausführen.

Jetzt war das Maß endgültig voll. Das junge Paar beschwerte sich beim Wirtschaftsministerium, das die Fachaufsicht über die Bezirks-Schornsteinfeger hat. Ministerium und zuständige Kreisbehörde vereinbarten mit dem Gasversorger, die Heizungsanlage kurzfristig installieren zu lassen und in den Probebetrieb zu nehmen. Ein anderer Schornsteinfeger wurde beauftragt, die Anlage laut Vorschrift abzunehmen. Dieser befand sie für ordnungsgemäß, in dem Haus ist es längst gemütlich warm.

Als Amtsträger gehandelt - besondere Schwere der Tat Das Wirtschaftsministerium übergab den Vorgang an die Staatsanwaltschaft, die gegen den Bezirks-Schornsteinfeger ermittelte. Dieser fand sich nun mit dem Vorwurf der Nötigung auf der Anklagebank im Schweriner Amtsgericht wieder. Ein Antrag von dem jungen Paar sei nicht in seinen Akten, also habe er offenbar keinen bekommen, versuchte der Angeklagte abzuwiegeln. Eine Aussage, der später der Verteidiger in seinem Plädoyer folgte. Die Beweisaufnahme habe nicht zweifelsfrei ergeben, dass sein Mandant den Antrag erhalten hat. Das sah der Vorsitzende Richter ganz anders. Der Schornstein feger hätte bei der Nachfrage des Bauherrn doch gesagt, wenn kein Antrag vorliegt oder die Unterlagen unvollständig sind. Er habe aber die Bearbeitung des Antrags abgelehnt, damit pflichtwidrig und verwerflich gehandelt. Das sei keine Lappalie gewesen, sondern für die Hauseigentümer ein einschneidender Eingriff. Und weil der Bezirks-Schornsteinfegermeister als Amtsträger gehandelt habe, sei es eine schwere Nötigung, begründete der Richter das Urteil - eine Freiheitsstrafe von insgesamt acht Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Damit folgte er dem Antrag des Staatsanwalts. Eingeflossen ist eine Verurteilung wegen Beleidigung aus einer zweiten Anklageschrift. Strafmildernd wurde gewertet, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist. Für das Vergehen sehe das Gesetz eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren vor.

Von Einsicht keine Spur beim Angeklagten, man wolle ihn nur kaputt spielen, nur kaputt spielen, grummelte er leise vor sich hin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Schwarze Mann kündigte gleich an, dagegen vorzugehen.

Ingo Ziola, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung MV, ist in seinen knapp 20 Berufsjahren so ein Fall, "dass jemand wegen Nötigung von Kunden vor Gericht musste, noch nicht untergekommen", sagte er auf Nachfrage. "Da stellt sich für mich die Frage, ob so ein Mann noch als Bezirks-Schornsteinfeger tragbar ist, von dem persönliche und fachliche Zuverlässigkeit verlangt wird."

Das Wirtschaftsministerium werde, sobald ein rechtskräftiges Urteil vorliege, prüfen, welche Aufsichtsmaßnahmen zu treffen seien. Die könnten bis zum

"Widerruf der Bestellung als Bezirks-Schornsteinfeger führen", so Pressesprecher Gerd Lange.

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