Schwarzbauten: Wer blickt da noch durch?

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06. November 2009, 05:24 Uhr

Bützow/Güstrow | 150 Euro Strafe musste der Bützower Klaus W.* für den illegalen Bau eines Wintergartens zahlen. Schwarzbauten entstehen überwiegend aufgrund von Unwissenheit, denn das Baurecht ist kompliziert. "Das Problem für Bauherren ist, zu wissen, was sie dürfen was nicht, und vor allem, was ist meldepflichtig", sagt Klaus Kelling vom Rostocker Haus- und Grundeigentümerverein. Kelling spricht von einer Grauzone. Insbesondere beim Ausbau von bestehenden Gebäuden benötige man mal eine Genehmigung, mal nicht. Für einen Laien sei das nur schwer zu durch schauen. "Eigentlich braucht man dafür jedes Mal einen Fachmann, einen Architekten", sagt Kelling.

Die Folge sind Schwarzbauten. 53 registrierte der Landkreis bisher in diesem Jahr, 57 waren es 2008. "Die Dunkelziffer ist schwer einzuschätzen", sagt Landkreissprecherin Dr. Petra Zühlsdorf-Böhm. Aber die Fachleute aus dem Bauordnungsamt des Kreises schätzen, dass die illegale Bautätigkeit zurückgeht. Häufigste Vergehen bei Schwarzbauten seien das Errichten von Nebengebäuden und Anbauten, zum Beispiel Bootsschuppen, überdachte Hundezwinger und Holzlagerschuppen. Die "große Mehrheit" der Bauherren handele nicht vorsätzlich, sondern "in Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen, also fahrlässig", sagt Zühlsdorf-Böhm. Ob das Baurecht zu kompliziert sei, könne der Landkreis nicht einschätzen.

Das Güstrower Bauordnungsamt verhängte in diesem Jahr bisher 7580 Euro Bußgelder, 2008 waren es 8075 Euro. In sieben Fällen mussten Bauherren wieder abreißen (2008: acht). Elf Baustopps wurden in diesem Jahr verhängt.

Hauptziel sei jedoch, den Bau nachträglich zu legalisieren. Auch Klaus W.* stellte im Nachhinein - 15 Jahre nach dem Bau seines Wintergartens - einen Bauantrag. "Ich habe es nicht besser gewusst", erzählt der Bützower. Sein Anbau wurde genehmigt.

In seinem Fall gab ein Nachbar dem Bauordnungsamt den entscheidenden Tipp. Hinweise, so die Kreissprecherin, kämen aber auch aus den Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie anderen Fachämtern, und die Mitarbeiter werten Luftbildaufnahmen aus.

Ein besonders dreister Fall von Schwarzbau ist den Mitarbeitern des Bauordnungsamtes aus dem Krakower Bereich in Erinnerung geblieben. Dort errichtete ein Bauherr 2002 ein ganzes Einfamilienhaus ohne Baugenehmigung. Er kam bis zum fertigen Rohbau.

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