Schwangere fleht um Zeit

Völlig verzweifelt ist Helena Kisiel. Die Polin kämpft darum, dass ihr Verlobter und Vater ihres ungeborenen Kindes, Zakari Kossi Zanou, nicht von Deutschland in sein Heimatland Togo abgeschoben wird. Der 34-Jährige sitzt derzeit in Abschiebehaft in Bützow. Am 29. Juli soll sein Flugzeug nach Afrika starten.

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21. Juli 2008, 06:32 Uhr

Bützow - Helena Kisiel (42) ist im fünften Monat von Zanou schwanger; sie möchte ihn gern heiraten und mit ihm nach Polen umsiedeln, sagt sie. Die deutschen Behörden lehnen das ab: Die rechtlichen Mittel für einen weiteren Aufenthalt des Togoers seien ausgeschöpft. Das Asylverfahren Zakari Kossi Zanous zieht sich seit Jahren hin.

„Ich verstehe das nicht“, sagt Helena Kisiel. „Ich weine, Zakari weint, und das Kind wird auch weinen.“ Endlich habe sie den Mann gefunden, der ihr auch Freund sein könne. Sie möchte eine Chance. „Bitte“, immer wieder sagt sie „bitte. Ich bin müde, weiter zu bitten“. Seit vier Monaten ist Zanou in Abschiebehaft.

Helena Kisiel hat vieles versucht: Behörden angeschrieben; schriftlich bot sie an, die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und medizinische Versorgung ihres Verlobten zu tragen, sogar ein Flugticket für ihn zu kaufen, sollten die Formalien nicht rechtzeitig zu klären sein. Ohne Erfolg, sagt sie. Kisiel lebt und arbeitet bei Hamburg, ist als EU-Bürgerin geduldet. Der Fall habe ihre Gesundheit und Nerven angegriffen. Ein Facharzt bestätigt ihr „eine akute Depression in schwieriger Belastungssituation“. Das ungeborene Kind sei in Gefahr. „Aus nervenärztlicher Sicht ist der Zusammenhalt der jungen Familie vorrangig, um die psychische Stabilisation der Patientin zu erreichen“, heißt es im Attest.

Die Behörden bleiben hart. Am 29. Juli soll Zakari Kossi Zanou abgeschoben werden. Sieben Jahre lang war er im Landkreis Bad Doberan gemeldet. Doch da war er selten, stattdessen in Hamburg. Immer wieder habe es Verstöße gegen die örtliche Bindung gegeben, erklärt Nicolle Lurtz von der Ausländerbehörde des Kreises. „Es ist rechtlich alles ausgeschöpft“, so Lurtz, durch alle Gerichtsinstanzen. Zanou habe wiederholt die geplante Abschiebung „aktiv verhindert“, eine Anerkennung als politisch Verfolgter habe er nicht.

Das Innenministerium bestätigt: „Herr Zanou ist seit 2004 vollziehbar ausreisepflichtig, sein Asylgesuch wurde 2001 abgelehnt“, sagt Sprecherin Marion Schlender. In Akten des Amtsgerichts ist zu lesen: Es sei zu befürchten, dass der Togoer nach einer Freilassung „abtaucht“.

Hoffnung für die Liebe besteht doch: Wenn Zanou und Kisiel dies wollen, könnte der Togoer in seinem Heimatland einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen, so Lurtz. In Togo allerdings erwartet Helena Kisiel große Probleme. Sie möchte mit Zanou nach Polen oder in die Ukraine siedeln. Für beide Länder hat sie Pässe. Doch die Zeit laufe ihr davon. Zeit, die sie benötigt, um neue Papiere für ihren Verlobten zu bekommen.

Morgen wird Helena Kisiel ihren Verlobten wieder in der Bützower JVA besuchen, vielleicht zum letzten Mal. Ihre letzte Hoffnung: ein neuer Anwalt, der Petitionsausschuss des Landtages, vielleicht der Europäische Gerichtshof in Straßburg.

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