Schutzengel fuhr mit

An der Erich-Weinert-Schule in der Paulsstadt standen Schüler und Lehrer gestern immer noch unter Schock: Wie konnte es zu diesem Unfall kommen? Fassungslosigkeit. Am Mittwochnachmittag war ein Bus mit 62 Jugendlichen und drei Betreuern aus der Schule auf der Autobahn 24 bei Putlitz verunglückt. 20 Insassen wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Mehrere Personen, darunter auch der Busfahrer, befanden sich gestern noch in stationärer Behandlung, aber außer Lebensgefahr.

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24. April 2008, 08:02 Uhr

Paulsstadt - „Ich wollte den Mädchen hinter mir nur ein paar Bonbons geben. Da gab es auf einmal einen großen Ruck, und dann lag ich auch schon auf dem Gang des Busses“, sagte gestern die 17-jährige Shadi Lalo, die sich
bei dem Busunfall an der Nase verletzte. Auch ihre Schwester Dashne erlitt schwere Blessuren: „Ich saß kurz hinter dem Fahrer“, berichtete die 19-Jährige, die jetzt unter anderem über Schmerzen an der Wirbelsäule klagt.

Zusammen mit 60 weiteren Schülern der drei 10. Klassen der Erich-Weinert-Schule und drei Betreuern waren die beiden Schwestern am Mittwochnachmittag auf dem Rückweg von einer Tagesfahrt zur Gedenkstätte Sachsenhausen, als sich auf der Autobahn 24, kurz hinter der Anschlussstelle Putlitz, das Unglück ereignete: Der Bus der Schüler fuhr nach einem Überholmanöver auf einen haltenden Schilderwagen auf (wir berichteten). Der Aufprall war nach Angaben der Polizei so groß, dass der Bus nach links von der Fahrbahn abkam und gegen die Mittelplanke stieß.

Chris Hammermeister handelte geistesgegenwärtig: „Ich habe die Bustür aufgestoßen und Mitschüler herausgetragen“, sagte der 17-jährige Schüler, der sich bei der Jugendfeuerwehr Wüstmark engagiert. Per Handy informierte Chris auch seine Mutter Simone: „Mein Sohn sagte nur: ,Wir hatten einen Unfall. Ich muss jetzt Erste Hilfe leisten.“ Aufgeregt sei sie gewesen, erzählte die 39-Jährige, aber auch ein bisschen beruhigt. „Ich wusste ja, mein Junge ist okay.“ Gegen 21 Uhr habe sie Chris dann wieder in die Arme nehmen können.

Auch Schülerin Sandra Redlin (18), ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Schlossgarten im Einsatz, unterstützte die Rettungskräfte: „Das war für mich selbstverständlich.“ Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Unfall insgesamt 20 Personen verletzt. Einige Verletzte wurden gleich in umliegende Krankenhäuser gebracht. Mehrere Personen, darunter auch der Busfahrer, befanden sich auch gestern noch in stationärer Behandlung.

„Die Betreuung vor Ort war sehr gut“, sagte Schulleiter Fred Neumann. Er war von seinem Sohn Mathias, der sich ebenfalls mit im Reisebus befand, an den Unfallort gerufen worden. Gestern Morgen informierte Neumann dann das Kollegium und Mitschüler über den Unglücksfall. „Die Betroffenheit war natürlich sehr groß.“

Morgen werden Notfallseelsorger in der Weinertschule erwartet. „Wir lassen unsere Schüler mit ihren Erlebnissen nicht allein“, betont Schulleiter Neumann. Und er weiß auch: „An Bord des Busses fuhr ein Schutzengel mit.“
Unterdessen gehen die Ermittlungen zur Unfallursache weiter. Zunächst müssten jetzt Zeugen vernommen und der Fahrtenschreiber des Busses ausgewertet werden, so die Prignitzer Polizeisprecherin Bianca Krege.


Umfrage


Dashne Lalo (Schülerin):
Ich saß kurz hinter dem Fahrer. Plötzlich gab es einen großen Ruck, und ich wurde hin und her geschleudert. Dabei habe ich mir mehrere Verletzungen zugezogen.

Fred Neumann (Schulleiter):
Mit meinem Stellvertreter bin ich sofort an die Unfallstelle geeilt, um mir ein persönliches Bild zu machen. Die Betreuung der verunglückten Schüler vor Ort war sehr gut.

Simone Hammermeister (Mutter):
Mein Sohn hat mich per Handy über den Unfall informiert mir. Da war ich natürlich aufgeregt, aber auch ein bisschen beruhigt, weil ich wusste, dass mein Junge okay ist.

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