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Schuss in Hinzdorf: Frau tot, Mann schwer verletzt

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erstellt am 16.Mai.2010 | 06:49 Uhr

Hinzdorf | Mit einer Toten und einem Schwerverletzten endet am Sonnabendnachmittag gegen 16 Uhr eine Jugendweihefeier auf dem Campingplatz Hinzdorf bei Wittenberge. Ein 56-jähriger Mann, der nicht zu den Eingeladenen, aber zur Familie gehört, stürmt in das Zelt, in dem an die 15 Leute sitzen, richtet eine Waffe auf Feiernde und drückt ab. Augenscheinlich trifft er eine 67-jährige Frau und einen 42-jährigen Mann. Die Seniorin, die dem Vernehmen nach aus einem Dorf bei Wittenberge stamme, verstirbt kurze Zeit später noch im Zelt. Bei der Tote soll es sich um keine direkte Verwandte der Mädchens handeln, das Jugendweihe hatte.

Zur Klärung der Totesursache hat die Staatsanwaltschaft Neuruppin eine Obduktion angeordnet. Die Ergebnisse werden nach "Prignitzer"-Informationen für den heutigen Montag erwartet. Der Schwerverletzte wird mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Perleberg und später nach Neuruppin gebracht. Die Kugel traf ihn am Hals.

Die Camper, die trotz des Regens den Samstag in ihren Leinwandvillen und Wohnwagen verbringen, sind voller Entsetzen über das, was sie gerade erleben mussten, als der "Prignitzer" kurz nach der Tat mit einigen sprechen kann. "Ein Mann ist mit seinem Auto auf den Platz gerast, ausgestiegen und sofort zu der Jugendweihefeier gelaufen", erzählen sie. Dass ein Mädchen mit ihrer Mutter und Verwandten hier auf dem idyllisch an der Elbe gelegenen Platz zusammensitzt, das wissen sie. Die Camper haben einen Schuss gehört. "Es war nur ein einziger." Dessen sind sie sich sicher. Sie wissen aber auch, "dass die Polizei da drüben bei einer toten Frau steht". "Außerdem haben sie einen Verletzten weggebracht."

Nach der Tat flüchtet der Verdächtige mit seinem Pkw. Einen Gast der Feier zwingt er, ihn zu chauffieren, bedroht ihn mit der Waffe. In wilder Fahrt geht es über Groß Breese Richtung Wittenberge, wo der Wagen durch die Innenstadt rast: Stern, Bahnstraße, Bürgerstraße, Karlstraße und dann Richtung Goetheplatz, Kyritzer Straße, Düsterweg, bevor es wieder Richtung Zentrum und dann in die Wahrenberger Straße geht. Der Flüchtende und seine Geisel fahren über die Elbbrücke nach Sachsen-Anhalt.

Nach Wittenberge haben sich sofort nach dem Schuss Frauen aus dem Festzelt geflüchtet. Sie melden sich aus einer Wohnung bei der Polizei, bitten um Hilfe. Sie werden in Sicherheit gebracht.

Dass der Tatverdächtige in die Altmark will, mag kein Zufall sein. Nach "Prignitzer"-Recherchen stammt er aus Vielbaum, einem Dorf kurz vor Seehausen, wo er einige Zeit gemeinsam mit seiner Schwester gelebt haben soll. Die Flucht führt Richtung Kapern, es geht ins Niedersächsische und zurück nach Sachsen-Anhalt.

In Tannenkrug zwischen Arendsee und Seehausen an der B 190 gelegen, streikt das Auto. Der 56-Jährige greift seine Waffe, läuft in den Wald direkt neben der Straße. Der unfreiwillige Fahrer bleibt im Auto. Er ist unverletzt. Beamte der zwei Prignitzer Funkstreifenwagen, die das Fluchtfahrzeug bereits ab Wittenberge verfolgen, nehmen die Geisel in ihre Obhut. Gegen 18.30 Uhr erscheint der Tatverdächtige am Waldsaum. Er stellt sich den Beamten, lässt sich widerstandslos festnehmen. Eine Waffe hat er nicht dabei.

An den Fahndungsmaßnahmen waren insgesamt 300 Beamte des Polizeipräsidiums Potsdam, Spezialeinsatzkräfte des LKA Brandenburg, Beamte aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sowie der Bundespolizei beteiligt. Ein Polizeihubschrauber war eingesetzt.

Die am Sonnabend zunächst ohne Ergebnis gebliebenen Suchmaßnahmen nach der Tatwaffe haben Polizisten gestern in dem weitläufigen Wald bei Tannenkrug fortgesetzt.

Gestern Nachmittag ist gegen den Vielbaumer Haftbefehl wegen des Verdachts auf versuchten Mord in Verbindung mit Totschlag und Freiheitsberaubung erlassen worden. Die weiteren Ermittlungen, insbesondere zu den Hintergründen der Tat, werden von der Neuruppiner Staatsanwaltschaft und der Sonderkommission im Schutzbereich Prignitz geführt.

Nach "Prignitzer"-Recherchen hat es im Vorfeld der Feier Spannungen zwischen einzelnen Familienzweigen der nicht mehr zusammenlebenden Eltern gegeben. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen Verwandten des Mädchens handeln.

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