Aus dem Landtag : Schulpolitik der kleinen Schritte

Auf der letzten Parlamentssitzung des Jahres haben die Abgeordneten wichtige Gesetze vor sich. Ein neues Wahlrecht soll Landes- und Kommunalwahlen neu ordnen. Auch die Krankenhäuser erhalten Sicherheit.

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16. Dezember 2010, 11:10 Uhr

Die Bildungspolitik wird den kommenden Landtagswahlkampf bestimmen. Bereits gestern wurde im Landtag darüber heftig debattiert. Die CDU nahm die aktuelle Pisa-Studie zu den Lernleistungen von Neuntklässlern zum Anlass, ihre Schulpolitik der vergangenen vier Jahre ins rechte Licht zu rücken. Linkspartei und FDP hielten dagegen. Die SPD versuchte, sich aus dem Gefecht herauszuhalten.

Er freue sich über die seit der letzten Studie verbesserten Ergebnisse, sagte Bildungsminister Henry Tesch (CDU). Er sei dennoch nicht ganz zufrieden. Allerdings, so warf er der Opposition vor, "kann man alles schlechtreden", womit aber weder Schüler, noch Lehrer oder Eltern motiviert werden könnten. Mecklenburg-Vorpommern habe mit vielen kleineren Schritten Verbesserungen beim Lesen, Rechnen und bei den Naturwissenschaften auf den Weg gebracht. Veränderungen brauchten allerdings eine gewisse Zeit. "Der Weg ist mühsam", so Tesch.

Helmut Holter (Linke) hingegen sah "keinen Grund zum Jubeln". Deutschlands Schüler seien weiterhin nur Durchschnitt im internationalen Vergleich. Ein Fünftel der Schüler könne am Ende der Hauptschule nur auf Grundschulniveau lesen. Bei der Chancengleichheit sei Deutschland Schlusslicht, weil vor allem die CDU "ideologische Scheuklappen" trage und das längere gemeinsame Lernen ablehne. Letztlich sei aus der aktuellen Pisa-Studie für Mecklenburg-Vorpommern nichts ableitbar, weil nur drei Schulen aus dem Land einbezogen worden waren.

Michael Roolf (FDP) sah die Ursache für die von ihm für Mecklenburg-Vorpommern ausgemachte Bildungsmisere in der Politik der früheren SPD/PDS-Landesregierung. Seit vier Jahren wolle die CDU "gute Ideen" verwirklichen, scheitere aber am sozialdemokratischen Koalitionspartner. Deshalb sei das Schulwesen mit Bürokratie überlastet, es mangele an Wahlmöglichkeiten und viele Schüler seien überfordert. Mathias Brodkorb (SPD) räumte ein, dass die aktuelle Pisa-Studie keine für Mecklenburg-Vorpommern verwertbaren Daten beinhaltet. Es lasse sich nicht einmal sagen, ob die deutschen Schüler seit der letzten Studie besser geworden seien. Denn Pisa vergleiche nur die Ergebnisse unter den Teilnehmerländern, aber nicht mit früheren Resultaten. Gleichwohl lasse sich, so Brodkorb, aus der aktuellen Studie Bemerkenswertes herauslesen. Je früher die Schüler auf verschiedene Schulen aufgeteilt werden, desto schwächer seien die Lernerfolge der Schüler. Allerdings seien gute Ergebnisse auch in diesen Ländern möglich, das Schulsystem also nicht notwendigerweise entscheidend. Außerdem seien Schüler in Ländern mit zentralen Prüfungen erfolgreicher. Brodkorb brach auch eine Lanze für höhere Lehrergehälter. Aus der Pisa-Studie sei abzulesen, dass gute und gut bezahlte Lehrer wichtiger sind als kleine Klassen.

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