Schulgesetz sorgt für Unsicherheit

Der Entwurf für ein neues Schulgesetz ab 2009 scheint noch viele Lücken zu haben. Andreas Bluhm diskutierte mit Lehrern, Eltern und Interessenvertretern über positive Veränderungen und Kritikpunkte.

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15. Oktober 2008, 08:07 Uhr

Gadebusch - Im kommenden Jahr soll ein neues Schulgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern verabschiedet werden. Der Entwurf dafür liegt vor und wird rege diskutiert – nicht nur auf parlamentarischer Ebene. Um zu informieren sich Anregungen von der Basis zu holen, ist der Vizepräsident des Landtages Andreas Bluhm (Die Linke) derzeit im Land unterwegs. Am Montagabend diskutierte er mit Eltern, Lehrern und Interessenvertretern über die Neuerungen, die ab 2009 den Schulalltag neu formen könnten.

Im Gesetzesentwurf geht es vor allem um die Selbstständigkeit der Schulen. Aber auch Eltern sollen mehr Entscheidungsspielraum haben, wenn sie nicht mehr strikt an die weiterhin bestehenden Einzugsbereiche der Lehranstalten gebunden sind. Doch meist kosten Veränderungen Geld, und da haken die Politiker der Linken ein. „Wir sind nicht gegen selbstständige Schulen, aber es muss ausreichend finanzielle Grundlagen beim Land geben, damit die nötigen Lehrerstellen bezahlt werden können“, sagte Andreas Bluhm im Gadebuscher Saal der Feuerwehr vor etwa 30 Zuhörern.

Bluhm fand lobende Worte für eine geplante Ausweitung der Zusammenarbeit von Schule und Sozialarbeit. „Der Ansatz ist da und gut, muss aber ausgebaut werden.“ Positiv bewerte er auch die angestrebte Individualförderung jedes einzelnen Kindes. „Es ist eine riesige Aufgabe, Förderpläne für jeden Schüler zu entwickeln. Es ist aber zu erwarten, dass sich die Leistungen so steigern lassen.“
Karl-Heinz Gläsner aus dem Kreisvorstand der Bildungsgewerkschaft GEW sagte dazu: „Wir sind auch für diese Förderpläne. Nur, wer soll sie machen? Jungen Lehrern fehlt das nötige Rüstzeug dazu.“ Sarkastisch fügte er an: „Aber die haben wir hier ja kaum.“

Hildegard Winkler, Leiterin der Gadebuscher Förderschule kritisierte: „Was wird aus uns? Förderschulen tauchen im Gesetzesentwurf gar nicht mehr auf.“ Sie sei nicht prinzipiell gegen eine Integration der zu fördernden Kinder, fragt sich aber, ob das in kleinen Landschulen überhaupt möglich ist. „Bleiben die Kinder, die nicht nur eine Schwäche haben dann auf der Strecke?“

Andreas Bluhm entgegnete darauf, dass er und Die Linke für Integration seien. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ein Abknicken der Förderschulen kann es nicht geben“, positionierte er sich. Im Bezug auf die Konkurrenz unterschiedlicher Schularten mahnte er auch, dass es mit dem neuen Schulgesetz so genannte „Supergymnasien“ geben werde, ähnlich der zwei Musik und Sportgymnasien im Land. „Und dabei ist noch nicht klar, ob Nordwestmecklenburg eins bekommen wird. “ So soll künftig ein Gymnasium pro Schulamt zu einem Hochbegabten-Gymnasium ausgebaut werden. „Ich halte die Hochbegabtenförderung für wichtig, aber so werden zwei Kategorien der Gymnasien geschaffen“, kritisierte Bluhm. „Dazu geht die Forschung davon aus, dass es kontraproduktiv ist, Hochbegabte zu separieren.“

Nicht nur an weiterführenden Schulen wird es Veränderungen geben, auch Grundschulen werden durch die Gesetzesänderung eine Umstrukturierung erfahren. Zwar wurde die Mindestschülerzahl leicht gesenkt, dennoch ist zu erwarten, dass kleine Schulen, wie zum Beispiel Roggendorf, in absehbarer Zeit statt vier Klassen, zwei Jahrgangsübergreifende Lerngruppen bilden werden, wenn die Schülerzahlen nicht steigen. „Der Unterricht müsste aber so gestaltet werden, dass man nicht zur typischen mecklenburgischen Dorfschule von früher wird“, ergänzte Bluhm.

Gadebuschs Bauamtsleiterin und stellvertretende Bürgermeisterin Rommy Elßner fragte in der Funktion als Schulträger: „Was ist mit Kapazitätsgrenzen? Muss an einer Schule angebaut werden, weil sich viele Eltern für sie entscheiden, oder haben Schulleitung und Träger die Möglichkeit, nur eine bestimmte Anzahl Schüler aufzunehmen?“ Das sei ein Problem, für das es noch keine Regelung im Entwurf gebe. „Genau wie auf die Frage, nach welchen Kriterien die Anträge bearbeitet werden. Gilt das Windhundprinzip, wer als erster kommt? Oder werden Leistungskriterien und Tests eingeführt? Das ist alles noch nicht klar“, erklärte Andreas Bluhm, dass noch viel an dem Gesetzesentwurf gearbeitet werden muss.

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