Schulen brauchen Förder-Nachhilfe

Note 2 bis 3 für die Unterrichtsqualität: Nach 18 Testmonaten der externen Evaluation bescheinigen die Prüfer den 51 Pilotschulen kompetente Bildungsarbeit mit Disziplin und Achtung im Klassenraum. Generell hapert es bei der individuellen Förderung der Schüler.

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21. April 2008, 08:24 Uhr

Schwerin - Aha. „Große Stärke“, vermerkt der Evaluations-Bericht gleich für Punkt 1 im „Qualitätsbereich Unterricht“. Dickes Lob für die hohe Qualität der schulinternen Lehrpläne. Ähnlich gute Noten gibt es auch für die effektiv und störungsfrei genutzte Unterrichtszeit. Dann der Kontrapunkt: „Die besonderen Lernvoraussetzungen leistungsstärkerer und -schwächerer Schüler wurden im Unterricht kaum berücksichtigt“, schreiben die Experten zur differenzierten Förderung im Lernprozess. Fazit: „Große Schwäche“.

Und das nicht nur in dem anonymisierten Bericht. „Neben durchschnittlichen bis guten Ergebnissen gibt es deutliche Reserven bei der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen“, brachte Bildungsminister Henry Tesch (CDU) gestern den Tenor der anderthalbjährigen Pilotphase auf den Punkt. Allerdings mit einer Ausnahme: „Im Grundschulbereich wird darauf mehr Wert gelegt“, ergänzte Eva-Projektkoordinatorin Erika Dohrendorf-Seel.

Außerdem klafft die Sicht auf die Handhabung des Problems stark auseinander. So schätzte das Gros der Lehrer ein, dass die Aussage: Individuelle Förderung durch unterschiedliche schwierige Aufgabenstellungen auf sie „voll und ganz“ zuträfe, die Mehrzahl der Schüler fand eher: „trifft gar nicht zu“.

Mit der Ausweitung der bisher freiwilligen externen Evaluation aufs ganze Land sollen nach den Sommerferien jährlich bis zu 160 allgemeinbildende Schulen ein detailliertes Stärken-Schwächen-Register erhalten. Dabei ginge es keinesfalls um eine Rangliste, sondern um Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Schulen betonte Tesch. So werden auf Basis der Berichte Zielvereinbarungen über konkrete Maßnahmen mit dem Schulamt fixiert.

„Dazu brauchen wir Fortbildung in Größenordnungen“, sagte der Minister. Als Unterstützungssysteme würden zunächst 50 Unterrichtsberater und je zwei Qualitätsbeauftragte pro Schule ausgebildet.
Einen weiteren Ansatz sehen Minister und Koordinatorin in einer Art bildungspolitischen Ost-West-Fusion. „Hier geht der Unterricht nie über Tische und Bänke“, sagte (West)-Pädagogin Dohrendorf-Seel. Diese Art habe sie über die Jahre schätzen gelernt. „Jetzt muss man eine Balance finden zwischen dem Mehr-Spielräume-lassen und staffer Unterrichtsführung“. Letztlich sei ohnehin nicht entscheidend, ob man nun so oder so sitze, fand Tesch unter Berufung auf ein McKinsey-Zitat: „Wichtig ist, was derjenige kann, der vor den Schülern steht.“


Die Evaluation


Die externe Evaluation (Eva) soll Schulen eine Stärken-Schwächen-Analyse zur Qualitätsentwicklung an die Hand geben. In der Pilotphase untersuchten vierköpfige Eva-Teams 51 Grund-, Regional-, Gesamtschulen und Gymnasien. Bewertet werden 6 Bereiche: Ergebnisse (Noten, Vergleichstests), Unterricht, Lehrerprofessionalität / Personalentwicklung, Schulmanagement, Strategien der Qualitätsentwicklung sowie Schulkultur/Schulklima. Dazu gibt es Befragungen von Lehrern, Schülern (online) und Eltern (Fragebögen). An drei Schulbesuchstagen folgen Hospitationen sowie Gespräche mit Lehrern, Eltern- und Schülervertretern. Das Fazit kommt als Bericht.
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