Schuldnerberatung befürchtet durch Schlüsselzuweisung geringere Finanzausstattung

Arbeitslosigkeit ist die Hauptursache für die Überschuldungssituation, gefolgt von Trennung und Scheidung, weiß Anita Krüger, Leiterin der AWO-Schuldnerberatung. Foto: Thorsten Meier
Arbeitslosigkeit ist die Hauptursache für die Überschuldungssituation, gefolgt von Trennung und Scheidung, weiß Anita Krüger, Leiterin der AWO-Schuldnerberatung. Foto: Thorsten Meier

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26. Mai 2008, 08:06 Uhr

Ludwigslust - „Die Politik verschließt vor der Realität die Augen, denn die Beratungsstunden werden mit der neuen Schlüsselzuweisung heruntergehen, die Wartezeiten sich noch mehr verlängern“, befürchtet Anita Krüger. Die 52-Jährige arbeitet seit 1992 als Schuldnerberaterin bei der Arbeiterwohlfahrt.

„Die LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sowie die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung haben bereits mehrfach auf die weiteren Kürzungen und die existenzielle Bedrohung der Schuldnerberatung im Land aufmerksam gemacht. Denn die Anzahl der betreuten Fälle pro Beratungskraft zeigt deutlich, dass es in unserem Land eine massive Unterversorgung gibt. Eine Personalausstattung von mindestens einer Beratungskraft auf 15000 Einwohner sowie eine entsprechende Anzahl von Verwaltungskräften sind für eine Grundversorgung unumgänglich“, führt die Leiterin der Schuldnerberatungsstelle in Ludwigslust, eine Trägerkooperation der Kreisverbände von AWO und DRK, weiter aus.

Ein Berater für 25 000 Einwohner

Derzeit sei ein Berater für 25000 Einwohner zuständig. In Ludwigslust und Hagenow befassen sich drei Schuldnerberater bei AWO und DRK auf zweieinhalb Planstellen mit den Fällen. Ebenso viele Berater beschäftigt auch der Arbeitslosenverband. Durch Mischfinanzierung kommen das Land sowie die Kommune und der Kreis für je 45 Prozent der Kosten auf, 10 Prozent beträgt der Eigenanteil des Trägers.

Anita Krüger warnt: „Der Beratungsschlüssel ist niemals dem tatsächlichen Bedarf angepasst worden. Es kommen immer mehr Leute, die wir aber nicht mehr auffangen können, weil wir jetzt schon an der Schmerzgrenze des Machbaren angekommen sind. Alles dreht sich nur ums Geld. Wir haben bereits alle großen Banken, Firmen sowie das Städtedreieck angesprochen, um um Unterstützung und Förderung zu bitten. Doch bisher haben wir leider keine Rückantworten erhalten.“

Das Land werde die Mittel für die Schuldnerberatungsstellen nicht reduzieren, wurde kürzlich mitgeteilt. „Es stand und steht dieselbe Summe zur Verfügung wie im Vorjahr“, sagte dazu Sozialminister Erwin Sellering (SPD). Die Schuldnerberatungsstellen seien 2007 mit 1,6 Millionen Euro gefördert worden, so Sellering. Ein Bericht zur Lage der Schuldnerberatung werde am heutigen Dienstag im Kabinett vorgelegt, kündigte er an.

"Sellering: Lage wird besser"
Die Lage bei den Schuldnerberatungsstellen, die über lange Wartezeiten ihrer Klienten klagen, wird nach Aussage von Sellering besser. Seit Jahren sei die Zahl der jährlich neu eingehenden Fälle mit etwa 5000 stabil und gehe sogar leicht zurück. Im vergangenen Jahr konnten die 67 Mitarbeiter der Schuldnerberatungsstellen erstmals 1000 Fälle mehr erledigen als neu eingingen.

Derzeit hätten die Schuldnerberatungsstellen 18 000 Fälle „im Bestand“. Im Jahr 2007 suchten 691 Ratsuchende die Beratungsstellen in Ludwigslust und Hagenow auf. In Kurzberatungen konnte 222 Personen geholfen werden. 156 Neuaufnahmen erfolgten, die Neuverschuldung betrug etwa 3,5 Millionen Euro bei 1178 Gläubigern. Nahezu jeder zweite Klient hat Schulden bei den Banken.

Was sind die Ursachen?

„Wie auch schon in den Vorjahren ist Arbeitslosigkeit die Hauptursache für die Überschuldungssituation, gefolgt von Trennung und Scheidung sowie Krankheit“, weiß Anita Krüger, jeder fünfte Privathaushalt im Land sei besonders hoch verschuldet. „Was einst ein Tabu-Thema war, ist längst ein Massenphänomen, denn die Überschuldungsquote in Mecklenburg-Vorpommern ist trotz der Begrenzung von Neuaufnahmen in den Beratungsstellen erneut gestiegen.“

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