Schulamtsleiter: Gymnasiastenzahlen stagnieren trotz Reformversuchen

Der Schulhof der Schwaaner Regionalschule unter Wasser. Steht auch dem Schulsystem in MV das Wasser bis zum Halse?
Der Schulhof der Schwaaner Regionalschule unter Wasser. Steht auch dem Schulsystem in MV das Wasser bis zum Halse?

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15. September 2008, 02:12 Uhr

Schwerin - Das längere gemeinsame Lernen in Mecklenburg-Vorpommern bis einschließlich Klasse sechs führt offenbar nicht zu einem Anstieg der Gymnasiastenzahlen. In Westmecklenburg wechselten im neuen Schuljahr weniger Schüler als zuvor angenommen von den Regionalschulen an die Gymnasien, wie Schwerins Schulamtsleiter Helmut Behnke der dpa sagte. Die übrigen drei Schulämter konstatierten eine Stagnation, während Steigerungen erhofft worden waren. Seit diesem Schuljahr gehen Schüler in Mecklenburg-Vorpommern erst mit der siebten statt mit der fünften Klasse zum Gymnasium, die zweijährige Orientierungsstufe findet an den Regionalschulen statt.

Während das Schulamt Schwerin bis 2005 im Schnitt 38 bis 43 Prozent neue Gymnasiasten in jedem Jahrgang zählte, liegt die Quote jetzt bei nur 35 Prozent, so Behnke. Der Amtsbereich umfasst neben den Städten Schwerin und Wismar die Landkreise Ludwigslust, Nordwestmecklenburg und Parchim mit zusammen 160 Schulen. Ein Grund für den Rückgang der Zahlen in seinem Amt seien längere Fahrtzeiten zu den Gymnasien als zu den Regionalschulen. Zudem scheuten viele einen neuerlichen Schulwechsel. „Der Elternwille entscheidet“, sagte Behnke. „Viele meinen, ihr Kind solle besser in der gewohnten Klasse bleiben.“

Eltern und Lehrer würden das längere gemeinsame Lernen akzeptieren. Profitieren würden die Regionalschulen im Lande, was im Sinne der Chancengleichheit von Schülern und des Erhalts von Schulstandorten im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern zu begrüßen sei. Das Nachsehen indes hätten die Gymnasien: „Wir brauchen aber deutlich mehr Gymnasiasten, um mehr junge Leute zum Abitur und auf eine akademische Laufbahn führen zu können“, beschrieb Behnke den bildungspolitischen Spagat des Landes. Laut Philologenverband erreichte die Hälfte der 42 Gymnasien des Landes in diesem Jahr nicht die Mindestschülerzahlen und war zum Fortbestand auf Ausnahmegenehmigungen angewiesen.

Demgegenüber hatte die von Landesregierung und Landtag eingesetzte Bildungskommission klare Weichenstellungen für eine deutlich höhere Abiturientenquote in Mecklenburg-Vorpommern sowie mehr individuelle Förderung begabter und schwächerer Schüler gefordert. Den Angaben zufolge erreichen im Bundesdurchschnitt etwa 43 Prozent der Schüler das Abitur, in Mecklenburg-Vorpommern indes nur 32 Prozent. Laut Kommission haben aber rund die Hälfte der Schüler an den Regionalschulen des Landes leistungsmäßig das Zeug zum Abitur.

Das Schulamt Neubrandenburg, das noch die Kreise Demmin, Mecklenburg-Strelitz, Müritz und Uecker-Randow betreut, geht von einer stagnierenden Gymnasiastenquote aus. „Die Quote ist im Vergleich zu 2005 zumindest gleich geblieben“, sagte Amtsleiter Hans-Jürgen Stein. Auch Jutta Paprott vom Schulamt Greifswald, zu dem noch Stralsund, Nord- und Ostvorpommern sowie Rügen gehören, rechnet mit einem stagnierenden Zugang zu den Gymnasien von rund 30 Prozent des Jahrgangs 2008. Aus dem Schulamt Rostock, das auch für die Landkreise Bad Doberan und Güstrow zuständig ist, hieß die Antwort ebenfalls Stagnation. Nach Worten von Hermann Daubenmerkl, Referatsleiter Unterrichtsversorgung im Bildungsministerium, lag die Gymnasiastenquote landesweit bisher bei etwa 40 Prozent und sollte mit dem späteren Wechsel der Schüler aufs Gymnasium eigentlich erhöht werden.

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